19.02.13

Start-ups in Berlin

Wenn der Nachbar seinen Privat-Pkw vermietet

Berliner Start-ups suchen nach pragmatischen Lösungen für E-Autos und Verkehr. Es ist noch längst nicht klar, ob sie erfolgreich sein werden.

Foto: dpa
ARCHIV - Ein Elektroauto von Mercedes wird in Halle (Saale) am 05.03.2012 mit einem gelben Stromkabel an einer Ladesäule mit Ökostrom geladen. Hunderttausende Ladestationen für Elektroautos sollen nach dem Willen der EU-Kommission in den nächsten Jahren in Europa entstehen. Foto: Jan Woitas dpa (zu dpa "Brüssel will europäisches Netz für Ladestationen für E-Autos" vom 24.01.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++
85 Elektroautos wurden 2012 in Berlin zugelassen. Insgesamt werden in der Stadt mehr als eine Million Pkw gehalten. Ganze 250 sind reine E-Autos

Es gibt Worte, die durch übergroße Erwartungshaltung kaum noch einer hören mag. Energiewende und Elektromobilität zählen sicher dazu. Eine Million E-Autos auf deutschen Straßen bis 2020 lautet beispielsweise immer noch das offizielle Ziel der Bundesregierung.

Kaum einer nimmt das noch ernst. "Eine gewisse Enttäuschung" gebe es, sagt Gernot Lobenberg, Chef der Berliner Agentur für Elektromobilität (Emo). Er setzt auf Pragmatismus und eher kleine Schritte. "Wir wissen nicht, welche Technik sich durchsetzen wird", sagt Lobenberg. In Berlin wolle man Geschäftsmodelle testen.

Was passt bei Energiewende und E-Autos wirklich zu den Bedürfnissen der Menschen? Wofür sind sie bereit zu zahlen? Das sind die entscheidenden Fragen.

85 Elektroautos wurden 2012 in Berlin zugelassen

Der grandiose Misserfolg aller bisher vorgestellten Elektroautos zeigt, dass Ingenieurlösungen allein nicht ausreichen, um Mobilität neu zu definieren. 85 Elektroautos wurden 2012 in Berlin zugelassen. Insgesamt werden in der Stadt mehr als eine Million Pkw gehalten. Ganze 250 sind reine E-Autos. Stellt man diese Zahlen neben die großen Ankündigungen, ist Scheitern ein fast zu kleines Wort.

Alltagsnahen Lösungen haben sich auch eine ganze Reihe von Berliner Start-ups aus dem Bereich Energie und Verkehr verschrieben. Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) brachte einige von ihnen auf einer Informationstour mit Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) und Emo-Chef Lobenbeg zusammen.

Nachbarschaftsauto, die Firma von Christian Kapteyn, ist zum Beispiel ein solch pragmatisches Unternehmen. Kapteyns simple Idee: Autobesitzer verleihen über seine Plattform ihre Privat-Pkw. Rund 10.000 haben sich dem Gründer zufolge bereits angemeldet.

Oder die Macher des Ökostromanbieters Ubitricity, der eine Ladegerät für E-Autos entwickelt hat, das sich in die Strommasten von Straßenlaternen integrieren lässt. Gründer Frank Pawlitschek hat sich im Rahmen des "Schaufensters Elektromobilität" für ein Projekt beworben, in dessen Rahmen Berlin mit 1600 Ladepunkten für E-Autos ausgestattet werden soll.

Peer Piske schließlich hat sich der Finanzierung von erneuerbarer Energie verschrieben. Über sein Internetportal Crowdenergy können Betreiber großer Fotovoltaik-Anlagen Menschen suchen, die sich finanziell beteiligen wollen, eine Art virtuelle Genossenschafts-Finanzierung.

Motto: Erst einmal im Kleinen testen

Es ist noch längst nicht klar, ob die Unternehmen erfolgreich sein werden. Dieser Erfolgstest steht auch bei Younicos noch aus. Die Adlershofer wollen mit Stromspeichern die Schwankungen ausgleichen, die beim Einspeisen von Sonnen- und Windstrom das Stromnetz belasten. Dafür nehmen sie etablierte Speichertechnologien und wollen es mittels intelligenter Softwarelösungen anwendbar machen. Philip Alexander Hiersemenzel sagt: "Wir suchen nach Geschäftsideen, die ohne Fördergesetze wie das EEG finanzierbar sind."

Von ähnlichem Pragmatismus sind die Berliner Projekte für das "Schaufenster Elektromobilität" durchdrungen. E-Autos werden zunächst beim Carsharing und beim Flottenbetrieb in größeren Unternehmen getestet. Das Motto: Erst einmal im Kleinen testen und dann langsam an den Kunden heranführen. Zudem, sagt Lobenberg, müssten Lösungen gefunden werden, um etwa Carsharing und BVG-Angebote miteinander zu verknüpfen, etwa durch ein Abrechnungssystem. Und bis das geschafft ist, ist die Technik beim E-Auto sicherlich weiter ausgereift.

Quelle: hev
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