16.02.13

PC-Spiele-Entwickler

Wenn Frauen leidenschaftlich Spiele spielen

Games sind schon lange nicht mehr nur was für Männer. Vor allem als Entwicklerinnen sind Frauen auf dem Vormarsch.

Von Britta Klar
Foto: Massimo Rodari

Inspiriert: 80er-Jahre-Filme spielen für Cornelia Geppert eine große Rolle bei der Entwicklung ihres Computerspiels
Inspiriert: 80er-Jahre-Filme spielen für Cornelia Geppert eine große Rolle bei der Entwicklung ihres Computerspiels

Der "Homo ludens" wird im Duden definiert als "spielender und dadurch schöpferischer Mensch". Weiter steht dort: Substantiv, maskulin. Das allerdings, dieses "männlich", ist überholt. Zumindest in der Riege der Spieleentwickler. Denn: "Nicht nur Nerd-Jungs haben Lust auf Computerspiele", sagt Cornelia Geppert. Die 31-Jährige hat Anfang 2010 ihre eigene Firma Jo-Mei für Browser-Games gegründet. Eine Firma, die Computerspiele für das Internet entwickelt, die man online und sofort spielen kann. Das Geld wird mit bestimmten Zusatzfunktionen, sogenannten Items, verdient, mit denen man seine Spielfigur beispielsweise stärker, größer, schöner werden lässt. Mit ihrer eigenen Firma ist Cornelia Geppert als Frau in dieser Branche noch eher eine Seltenheit.

Hinterhof in Schöneberg

"Hätten Mädchen früher und selbstverständlicher den Zugang zu Computern gehabt, dann hätten sie diese Branche viel eher für sich entdeckt", sagt Cornelia Geppert. Sie sitzt im Raucherraum ihrer Firma in einem Schöneberger Hinterhof. Ein Kickertisch steht auch im Raum, im Eingangsbereich gibt es einen Projektor und eine Karaokeanlage. "Klar, eine Karaokeanlage darf in einer Spieleentwicklerfirma nicht fehlen!", sagt die junge Frau mit strahlenden Augen. Sie ist energiegeladen, irgendwie flippig und lässig zugleich.

Und sie begeistert sich für ihre Sache – und das sind die Spiele. Mit "acht oder neun Jahren hab ich meinen ersten Computer bekommen", erzählt die gebürtige Greifswalderin. "Ich hatte das große Glück, dass meine Eltern mich sehr offen erzogen haben. Bei vielen Mädchen meines Alters war das anders: Während der Bruder technisches Spielzeug bekam – oder eben den Computer –, gab es für sie einen Hamster oder ein Meerschweinchen."

Mit 17 kam Cornelia Geppert nach Berlin, von da an verlief ihr Weg zielgerichtet. Weil sie Glück hatte, die richtigen Leute zu treffen, die richtigen Dinge zu lernen, wie sie bescheiden sagt. Es braucht ein wenig, bis sie fast schüchtern zugibt: "Ich kann auch ziemlich gut zeichnen." Sie arbeitete an Comics, wechselte zu Trickfilmproduktionen und landete schließlich an der damals ganz neu gegründeten Games Academy in Berlin. "Das war 2001, und da war ich eine von zwei Frauen unter insgesamt 28 Auszubildenden", sagt Cornelia Geppert.

Die eigene Firma

Als sie sich dann nach einem Jahr Ausbildung Game-Designer nennen konnte, arbeitete sie erst bei einer großen Spieleentwicklerfirma in Berlin. "Ich begriff schnell, dass man als Geschäftsführer einer eigenen Firma, wenn sie groß ist, wenig Zeit hat, selbst kreativ zu sein. Deswegen ist mir ein gesundes Reinwachsen in die eigene Firma lieber. Kleiner, aber auch mehr Raum für mich", sagt die Chefin von "sieben Festen und einem kleinen Häuflein Freiberufler". An ihrer Seite: Geschäftspartner Boris Munser, den sie schon lange kennt. Aus der Spielebranche.

Das Startkapital haben die beiden als Freiberufler mit Werbespielen für verschiedene große Firmen gemacht. "Dann haben wir alles auf eine Karte gesetzt." Mit Erfolg. Fünf Monate entwickelten sie eine Strategie, einen Prototyp für Browser-Games und fanden in "upjers" einen der größten deutschen Browser-Games-Entwickler, der sofort bereit war, das noch nicht fertige Spiel zu verlegen. Das Spiel "Koyotl" wurde ein voller Erfolg, 1,5 Millionen Spieler spielten sich durch das Online-Spiel in komplexer dreidimensionaler Grafik.

Auch Felix Wittkopf, einer der Gründer der School for Games, die sich S4G abkürzt, sieht eindeutig eine Veränderung in der Branche. Und der 37-Jährige kennt den Markt seit fast 13 Jahren: "Vor rund zehn Jahren war die gesamte Computerspielebranche in Deutschland noch total laienhaft. Da waren vielleicht 1000 Leute in der Branche und 99 Prozent davon waren Männer." In der S4G, die Wittkopf mit zwei Freunden aus der Branche in Friedrichshain gründete, startete gerade der erste Jahrgang die zweijährige Ausbildung. Es ist Deutschlands erste Schule, die sich speziell dem Online- und Mobile-Games-Bereich widmet.

"Ich sehe hier mein Feld"

Ein Blick in diesen ersten Jahrgang zeigt, wohin der Trend geht. Sechs der 14 Studierenden sind junge Frauen. "Durch die Verbreitung der Webgames ist die Einstiegsschwelle extrem gesunken", sagt Felix Wittkopf. "Rund 25 Millionen Deutsche spielen laut einer Studie – und 10,8 Millionen davon sind Frauen. Also über 40 Prozent. Mit den Konsolen oder klassischen PC-Spielen hätte man Frauen in der Masse nicht angesprochen."

Katharina Bolte ist eine der jungen Frauen, die sich an der S4G ausbilden lassen. Die 22-Jährige habe "schon immer gespielt". Nach dem Abitur stand dennoch die Frage im Raum: Was nun? "Diese Schule kam für mich wie eine Rettung – ich wollte so gern etwas mit Game-Design machen, wusste aber nicht wirklich, wie ich da rankommen soll." Und sie gibt auch zu: "Ich habe auch nicht richtig dazu gestanden als Mädchen – heute kann ich sagen: Ich sehe hier mein Feld."

Für den Girls' Day im April haben sich schon viele für einen Besuch in der S4G gemeldet. "Ich war total überrascht, dass da das Interesse schon so früh und zahlreich vorhanden war. Da haben sogar 14-jährige Mädchen angerufen – oder deren Mütter, die dann auch mal gucken wollen", sagt Felix Wittkopf. Cornelia Geppert wird's freuen – sind es doch sicher alles Mädchen, die zu Hause kein Meerschweinchen haben.

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