14.02.13

Start-ups

So revolutioniert ein Kreuzberger das Büro

Das Berliner Start-up Ezeep vereinfacht das Drucken von unterwegs – und überzeugte damit sogar die US-Eliteforscher vom MIT.

Von Jürgen Stüber
Foto: Juergen Stueber

Auf Wachstumskurs: Ezeep-Gründer Sascha Kellert (r.) ermöglicht das barrierefreie Drucken von Dokumenten
Auf Wachstumskurs: Ezeep-Gründer Sascha Kellert (r.) ermöglicht das barrierefreie Drucken von Dokumenten

Barrierefreies Drucken – egal ob vom Laptop, Tablet oder Smartphone, egal auf welchem Drucker. Das Start-up Ezeep bietet dafür eine mobile Lösung an. Unternehmensgründer Sascha Kellert glaubt, mit seiner Erfindung das Drucken von Dokumenten in der immer mobiler werdenden Arbeitswelt der Zukunft revolutionieren zu können.

Mobile Druck-Apps gibt es zuhauf. Doch die meisten von ihnen werden von Drucker- und Kopiererherstellern angeboten und funktionieren deshalb nur auf den Geräten des jeweiligen Fabrikats. Ezeep hingegen ist eine universelle Anwendung, die mit allen Endgeräten funktioniert, wenn man zum Beispiel schnell im Hotel schnell einen Boarding Pass oder ein Bahnticket ausdrucken will, nach einem Kundengespräch einen Auftrag oder einen gerade vereinbarten Vertrag.

Eine App auf dem mobilen Endgerät schickt das zu druckende Dokument über Internet und Cloud oder Firmennetzwerk an einen Drucker. Wenige Klicks auf dem berührungsempfindlichen Telefondisplay genügen für die Auswahl des Dokuments und eines angezeigten Druckers sowie die Auswahl von Druckoptionen wie Größe oder Farbigkeit. Nach wenigen Sekunden liegt das Dokument in gedruckter Form vor.

Mobiles Drucken ist eine Technologie der Zukunft. Denn bis zum Jahr 2015 werden nach Berechnungen des Branchenverbandes Bitkom zwei Drittel aller Bundesbürger ein Smartphone nutzen und ein Viertel einen Tablet-Computer. BYOD ("Bring your own device", übersetzt: "Bring dein eigenes Gerät zur Arbeit mit") wird deshalb immer mehr zum Business-Trend.

In einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Forrester Research gaben sogar schon 92 Prozent der befragten Unternehmen an, dass Mitarbeiter mit eigenen IT-Geräten zur Arbeit kommen. Durchschnittlich sind es 28 Prozent. Solche Geräte lassen sich aus Gründen der IT-Sicherheit mit herkömmlichen Technologien schwer in die Software-Architektur von Unternehmen integrieren.

Arbeit wird mobiler

Auch die Situation am Arbeitsplatz könnte sich ändern und mobiler werden. Bereits im Jahr 2020 werden sich einer Studie des Software-Unternehmens Citrix Systems (USA) rechnerisch 1,3 Angestellte einen Schreibtisch teilen. 37 Prozent werden an mehreren Orten in einem Unternehmen arbeiten, 57 Prozent von zu Hause und nur noch 53 Prozent werden über ein festes Büro verfügen. Auch öffentliche Orte (Flughäfen, Hotels, Cafés) werden immer mehr zu Arbeitsplätzen.

Das Kreuzberger Start-up sieht deshalb in eine rosige Zukunft: Denn durch die Mobilität der Arbeitnehmer muss immer mehr mobil gedruckt werden. "Das fängt jetzt an, interessant zu werden", sagt Gründer Sascha Kellert. Ezeep stützt sich dabei auf eine Prognose des Marktforschungsunternehmens IDC.

Danach wird sich der weltweite Umsatz für mobile Drucklösungen im Jahr 2016 auf rund 1,3 Milliarden Dollar (960 Millionen Euro) belaufen. Das entspreche einer durchschnittlichen Zuwachsrate von 54 Prozent jährlich. Im Jahr 2010 war diese Marktsegment mit 68,3 Millionen Dollar (50 Millionen Euro) taxiert.

Auch private Nutzer sollen von der neuen Technologie profitieren. Mitte des Jahres 2013 soll es eine Smartphone-App geben. "Wir wollen die einfachstmögliche Lösung anbieten", sagt Kellert. Wie so viele andere Start-ups fing auch Ezeep ganz klein an. "Zunächst haben wir uns selbst finanziert", erinnert sich Kellert an die ersten Jahre.

"Wir wollten ursprünglich eine werbefinanzierte Druck-App für Studenten anbieten. Doch das war eine relativ doofe Idee", sagt er heute. Niemand wollte Werbebanner auf seinen gedruckten Dokumenten sehen. Also plane man neu und erfand das heutige Ezeep. "Wir wollen von unseren Lieblingsgeräten ohne Treiberinstallation drucken können", umreißt Kellert die damalige Vision.

Durch die Republik getingelt

Doch das war erst der Anfang. Kellert tingelte mit seiner App durch die ganze Republik. "Wir haben 60 Mal gepitcht, bis ein Investor auf uns aufmerksam wurde", erinnert sich Kellert an den Präsentationsmarathon, der im Start-up-Jargon Pitch genannt wird. In München hat es dann geklappt: Der Hightech-Gründerfonds (HTGF) wurde auf die Berliner aufmerksam und gab das erste Geld.

In einer zweiten Finanzierungsrunde gewann Ezeep das Luxemburger Unternehmen Mangrove Capital und und den dänischen Investor Thomas Madsen-Mygdal. Sie halfen dem Start-up finanziell auf die Beine. Die Investoren stellten dem jungen Unternehmen Michael Jackson zur Seite, einst Geschäftsführer der Videotelefonieplattform Skype. "Michael ist Mitglied unseres Beirats und hilft uns bei der Skalierung der Plattform", sagt Kellert. Im Jahr 2011 wurde das Start-up zur GmbH.

Inzwischen arbeiten zwölf Mitarbeiter in dem Uternehmen, das über den Dächern Kreuzbergs im Umspannwerk am Landwehrkanal seinen Sitz hat. "Wir werden das Personal aufstocken und unseren Vertrieb ausbauen", sagt der Gründer. Vorerst will das Unternehmen in Europa wachsen, später in den USA. Dort konnte Ezeep bereits einen prominenten Kunden gewinnen: das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston.

Die Software für Unternehmen wird es nicht zum Nulltarif geben. Ungefähr 70 Euro pro Monat und Standort werden fällig. Das ist allerdings nur ein Richtwert, der je nach Marktsegment variieren kann. "Eine Flatrate ist nicht geplant", sagt der Firmengründer.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
"The Interview" Sonys Nordkorea-Satire kommt in den Giftschrank
"Foodini" Hier kommen Lebensmittel aus dem 3D-Drucker
Australien Video zeigt letzte Sekunden des Sydney-Geiseldrama…
Sebastian Edathy "Filme zu bestellen war falsch, aber legal�…
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Test

So gut sind die neuen Kompaktkameras

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote