23.01.13

Start-up

Arzttermine kann man bald über das Internet buchen

Ein Berliner Start-up will die Vereinbarung von Arztterminen ins Internet holen. Der Adressbuchverlag Greven's investiert siebenstellig.

Foto: dpa

Konkurrenz: Die drei Berliner Start-ups doxter.de, hallodr.de und arzttermine.de buhlen um Patienten
Konkurrenz: Die drei Berliner Start-ups doxter.de, hallodr.de und arzttermine.de buhlen um Patienten

Der Kölner Adressbuchverlag Grevens investiert in das Berliner Start-up Arzttermine.de, das unter anderem in Berlin Termine bei Fachärzten vermittelt. Nach Angaben der Arzttermine-Geschäftsführer erhielt die junge Firma einen Betrag in einstelliger Millionenhöhe. Damit wollen sie weitere Städte aufnehmen und Werbung für ihr Angebot machen.

Wer einen Arzttermin braucht, ruft bisher bei der Praxis seines Vertrauens an. Zwickte es außerhalb der Sprechzeiten im Hals oder schmerzten am Wochenende die Zähne, musste man eben warten. Das wollen vier Unternehmer aus Berlin ändern. Sie haben einen Internet-Dienst gestartet, bei dem man digital Termine beim Arzt vereinbaren kann.

"Ich kann alles online machen, warum kriege ich online keine Arzttermine?" habe er sich gefragt, erzählt Bjoern Keune, einer der Gründer. Auf Arzttermine.de sind Mediziner nach Fachgebieten und Orten sortiert auffindbar. Bisher gibt es Einträge aus acht deutschen Großstädten, darunter Berlin, München und Hamburg.

Freie Termine werden in einer Übersicht angezeigt und können direkt über die Seite gebucht werden. Patienten können sich per SMS an den Termin erinnern lassen. Mit solchen Angeboten wollen die Gründer Menschen überzeugen, die für die Suche nach einer Arztpraxis im Internet auch eine Suchmaschine ansteuern könnten.

Angebot lohnt sich nicht bei jeder Behandlung

Das Angebot konkurriert mit denen der ebenfalls Berliner Start-ups doxter.de und hallodr.de. Für Patienten ist die Buchung kostenlos, die Ärzte zahlen pro vermitteltem Termin eine Gebühr. Die Preise sind je nach Fachgebiet unterschiedlich, einen Zahnarzt kostet ein vereinbarter Termin bis zu 50 Euro. Das lohne sich nicht bei jeder Behandlung, sagt der Berliner Zahnarzt Gerd Bade. Er schätzt jedoch, "dass ich so Lücken füllen kann", gerade bei kurzfristig abgesagten Terminen. "Den Ansatz an sich finde ich schon mal nicht schlecht", sagt der 55-Jährige.

Die beiden Geschäftsführer Keune und Francis Trapp wollen ihre Seite ausbauen, damit viele Menschen möglichst Ärzte in ihrer Nähe finden. Davon sind sie noch weit entfernt: Eine Suche in Hamburg wirft lediglich drei Allgemeinmediziner aus, in München findet sich eine Hals-Nasen-Ohren-Ärztin. Allein um Berlin ausreichend abzudecken, seien Kontakte zu etwa 500 Arztpraxen nötig, schätzt Keune. Bisher sind insgesamt 550 Mediziner in der Datenbank verzeichnet.

Bewertung der Arztpraxen soll als Funktion kommen

Daran wollen die Gründer arbeiten. Rückendeckung bekommen sie durch eine Investition der Adora Media GmbH, einer Tochter der Greven Verwaltungs- und Vertriebsgesellschaft. Die Grevener erstellen einen Dienst für Brancheninformationen aller Art. Geplant ist eine "Vertriebs- und Reichweitenkooperation" mit Arzttermine.de. Bisher hatten Digital Pioneers sowie die Business Angels Pascal Zuta und Frederik Fleck in Arzttermine.de investiert.

Der Internet-Dienst soll nun zusätzliche Funktionen bekommen, wie eine Bewertung der Arztpraxen (derzeit ist jede Praxis automatisch mit der Höchstwertung versehen). Doch die direkte Kommunikation mit den Ärzten hat auch ihre Grenzen: Wer eine auf der Webseite angegebene Telefonnummern wählt, landet nicht in der gewünschten Arztpraxis, sondern in der Telefonzentrale von Arzttermine.de.

Quelle: dpa/gri
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