19.01.13

Kommentar

Berlins Gründerszene ist auf einem guten Weg

Berlin bricht auf in eine neue Zeit. Autor Jürgen Stüber über die Start-up-Szene und ihre wachsende Bedeutung für die Stadt.

Von Jürgen Stüber

Die Gründerszene der Hauptstadt wächst und formiert sich. Sie lässt sich vom kreativen Umfeld Berlins inspirieren, von ihren Künstlern, Museen, Galerien und Clubs. Sie perfektioniert ihre Ideen und gewinnt an Selbstbewusstsein. Berlin ist auf dem besten Weg, zum Zentrum der Start-ups in Deutschland zu werden, wenn nicht gar in Europa – neben den Metropolen London und Stockholm.

Doch das ist ein steiniger Weg, der viel Beharrlichkeit fordert. Der Verbraucher wird auf seinem Smartphone, Tablet oder Computer nur die besten Websites und Apps anklicken. Er wird nur solche Angebote kaufen und immer wieder nutzen, die ihm Spaß machen und die ihm einen Mehrwert bringen. Nur an sie wird er sich erinnern.

Das ist die Messlatte für den Erfolg eines jeden Start-ups. Und da ist noch eine Menge zu tun. Denn den gewinnbringenden Verkauf einer Berliner Neugründung an einen Branchenriesen haben bislang nur ganz wenige Berliner Start-ups geschafft. Von Börsengängen ganz zu schweigen.

In letzter Zeit ist viel über einen Berlin-Hype gesprochen worden, eine sich bedrohlich aufwölbende und zu platzen drohende Blase, deren bevorstehende Detonation eine ganze Generation idealistischer Gründer in den Abgrund zu reißen drohe. Jeder Investor, den man auf der "hy!Berlin" danach fragt, widerspricht.

Netzwerk der kurzen Wege

Die Berliner Start-up-Szene ist ein Netzwerk der kurzen Wege. Das "Berlin Valley" erstreckt sich auf Mitte, Prenzlauer Berg, Kreuzberg und Neukölln. Die Akteure der Berliner Gründerszene kennen sich, teilen ihr Wissen. Sie arbeiten, leben und feiern zusammen. Zum Beispiel auf der "Hy!Berlin", dem Kongress und Wettbewerb, der am Wochenende 150 Experten der Internetwirtschaft und mehrere Hundert interessierte Besucher nach Berlin zog. Das Event hat sich schon jetzt zum zentralen Knotenpunkt eines Netzwerks entwickelt, an dem Gründer, Investoren und Denker der Branche aufeinandertreffen, voneinander lernen und voneinander profitieren.

Die Berliner Gründerszene braucht vor allem Unterstützung durch Investoren – das große Manko der Gegenwart. Zu wenige Finanziers haben sich bisher in die Hauptstadt gewagt, ihnen ist das heutige Netzwerk noch zu fragil. Doch wenn mehr der heutigen Start-ups in naher Zukunft von den Erlösen ihrer Erfindungen leben und nicht mehr das Kapital ihrer Geldgeber verbrennen, wird das auch mehr Investoren ermutigen, nach Berlin zu kommen.

Wenn die Szene erstarkt, gewinnt Berlin Strahlkraft. Dann werden die Gründer Teil der Geschichte dieser Stadt – wie schon vor 150 Jahren in der ersten Berliner Gründerzeit. Und sie gewinnen auch als Wirtschaftsfaktor an Bedeutung. Schon jetzt zählt das "Ecosystem" der Berliner Start-ups Tausende Arbeitsplätze. Und es werden täglich mehr. "Arm, aber sexy", der zum geflügelten Wort gewordene und überstrapazierte Ausspruch des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit, ist kein Programm für die Zukunft Berlins und erst recht nicht für die Berliner Start-up-Szene.

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