10.05.13

Berliner Bebelplatz

Das unsichtbare Mahnmal für die Bücherverbrennung

Das Mahnmal des Künstlers Micha Ullman auf dem Bebelplatz bleibt oft fast unentdeckt. Erst wenn es dunkel wird, leuchtet die leere Bibliothek. Diese erinnert an die Bücherverbrennung von 1933.

Foto: picture alliance / dpa

Die Glasscheibe des Mahnmals von Micha Ullman muss regelmäßig ersetzt werden
Die Glasscheibe des Mahnmals von Micha Ullman muss regelmäßig ersetzt werden

Ein nahezu unsichtbares Denkmal ist ein Widerspruch in sich. Fast jeden Tag sieht man auf dem Bebelplatz heute Touristen nach dem Mahnmal für die Bücherverbrennung suchen – nur wenn die Sonne untergegangen ist und der Entwurf von Micha Ullman selbst leuchtet, finden die Besucher schnell den Weg dorthin.

Die Idee des israelischen Künstlers ist ebenso einfach wie bestechend: An verbrannte Bücher erinnert man am besten mit einer leeren Bibliothek. Fast genau auf dem authentischen Ort des Scheiterhaufens vom 10. Mai 1933 ließ Ullman 60 Jahre später in die Rampe des einstigen Lindentunnels einen abgeschlossenen Raum einbauen, sieben Meter im Quadrat und fünf Meter hoch.

Die Wände bestehen aus weißen Betonregalen, allesamt leer. Ansonsten gibt es nur noch starke Strahler, deren Licht abends und nachts durch die 1,20 Meter im Quadrat messende Glasscheibe hinausdringt. Etwa 20.000 Bände hätten theoretisch Platz in den Regalen – etwas weniger, als tatsächlich an jenem Mittwochabend vor 80 Jahren in Flammen aufgingen. Zu dem Denkmal gehören zwei Bronzetafeln, auf denen in knappen Worten zusammengefasst ist, was für ein Kulturverbrechen ziemlich genau hier stattgefunden hat. Ansonsten verzichtet Ullman auf Erläuterungen.

Scheibe muss alle sechs Monate ausgetauscht werden

Seine Grundidee überzeugte die Kommission, die 1993 über die Gestaltung des Denkmals zu entscheiden hatte, mehr als 23 weitere Entwürfe. Allerdings gab es auch Kritik: Man muss wissen, wonach man sucht, um das Mahnmal zu finden.

Weil Ullman außerdem die Glasscheibe zum Blick in seine leere Bibliothek bündig in den Boden einließ und Touristen ständig darauf treten, verkratzt selbst das harte Spezialglas schnell. Inzwischen muss die Scheibe etwa alle sechs Monate ausgetauscht werden – für immerhin jeweils rund 3000 Euro. Kurz vor dem Jahrestag war sie am Mittwoch fast undurchsichtig.

Der Austausch geht dank des verschließbaren Rahmens allerdings problemlos. Nur durch diesen nur höchst selten geöffneten Zugang kommen auch Techniker und Fotografen in die leere Bibliothek. An sich ist der Raum bis auf Belüftungsschlitze zur natürlichen Zirkulation hermetisch abgeschlossen.

Als vor etwa zehn Jahren eine große Tiefgarage unter dem Bebelplatz entstand, blieb das Denkmal in der Mitte unangetastet – war allerdings längere Zeit unzugänglich. Seit Dezember 2004 kann man es wieder besuchen.

Quelle: sfk
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Trotz Handelsverbot Kanada eröffnet die alljährliche Robbenjagd
Premiere Hollywoodstars bringen "Spiderman" nach…
Coachella Festival Hier ist Promis nichts peinlich
Schiffsunglück Fähre mit fast 500 Menschen gekentert
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Fernsehprogramm

Von Jesus Christus bis Hitler – Das läuft über…

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote