Eichenprozessionsspinner
Gefräßige Raupen in Berlins Eichen
Eichenprozessionsspinner richten in unseren Parks und Wäldern großen Schaden an. Auch für Menschen können sie gefährlich werden. Ihre Nesselhaare sondern Gifte ab
Schmetterlinge sind hübsch. Sie schaukeln bunt durch die Luft und mit ein bisschen Glück landet einer auf Hand oder Haar. Alle Schmetterlinge entwickeln sich aus Raupen. "Die kleine Raupe Nimmersatt" kennt wohl jeder. Und weiß: Raupen sind, bis sie sich verpuppen und aus den Kokons Schmetterlinge schlüpfen, sehr gefräßig. Die meisten finden sie trotzdem niedlich. Die Raupe von heute ist eben der Falter von morgen.
Berlin wird zurzeit aber von einer Raupenart heimgesucht, an der nichts niedlich ist. Nicht einmal der Schmetterling, zu dem die Raupe sich entwickelt. Gemeint ist der Eichenprozessionsspinner. In dem Namen steckt viel vom Wesen des etwa fingerlangen und haarigen Blattfressers. Er liebt Eichenblätter. Die Berliner Förster haben schon mehrere tausend Eichen gezählt, über die die Tiere hergefallen sind. Manche von Ihnen sind völlig kahl gefressen. Denn die Raupe kommt nicht allein. In manchen Bäumen findet sich ein Raupennest mit 50 Tieren. In anderen Eichen 70 Nester mit Tausenden Raupen. Besonders Zehlendorf und Spandau sind befallen und auch im Tiergarten gab es immer wieder Absperrungen.
Das Wort Prozession stammt aus dem Bereich der Religion und meint einen festlichen Umzug, bei dem ein Pfarrer und seine Gemeinde hintereinander her in die Kirche einziehen. Die Raupen krabbeln in den Abendstunden aus ihren Nestern heraus und ziehen in einer langen Kette den Stamm hinauf, um die Krone kahl zu fressen. Ihre Nester findet man am Stamm, manchmal auch in Bodennähe. Aus feinen Fäden ist ein festes Netz gesponnen, in dem die Raupen vor Feinden geschützt sind.
Für die Eichen, die ihre grünen Blätter zum Leben und Wachsen brauchen, ist die Raupenplage hart. Sie können sich nicht wehren, da sie die Hitze und die Trockenheit in diesem Frühjahr schon arg belastet. In guten Jahren mit viel Regen wachsen die Blätter einfach nach.
Nicht nur die Eichen leiden. Auch für Menschen ist der Kontakt mit den Raupen gefährlich. Über ihre langen Nesselhaare mit winzigen Widerhaken verteilen sie ein starkes Gift, das Thaumetopoein. Wer damit in Kontakt kommt, bekommt einen starken Hautausschlag, der tagelang übel juckt und sich entzündet. Empfindliche Menschen wie Kinder können unter Husten, lebensgefährlicher Atemnot oder einem Schock leiden. Da die Härchen leicht abbrechen, segeln sie unter den Bäumen zu Boden oder werden vom Wind weitergetragen. Die fast unsichtbaren Nesselhaare sind noch lange giftig. Es reicht also aus, einige Minuten unter einer befallenen Eiche zu stehen oder in der Nähe zu spielen, um die Folgen zu spüren. Da hilft nur, sofort lange zu duschen und alle Kleidung und Schuhe gleich zu waschen.
Wer also schwarzgelbe, haarige Raupen in langer Reihe die Bäume hoch trippeln sieht oder ihre weißen Gespinste entdeckt, muss Abstand halten. Und Eltern oder Lehrern Bescheid sagen. Wo die Raupen Menschen direkt gefährden, wie auf dem Schulhof, werden sie getötet. Dann kommen Schädlingsbekämpfer, die die Raupen mit einem Hebekran bis in die Baumkronen verfolgen. Mit einem Spezialstaubsauger sammeln sie alle Raupen und die gefährlichen Nesselhaare ein. Reste am Baum werden mit Brenner abgesengt. Das geht im Wald wegen der Brandgefahr leider nicht. Die Menschen sind die einzigen, die den Eichen helfen können. Die natürlichen Feinde der Raupen wie Wanzen, Schlupfwespen oder Raupenfliegen halten die Massenknabberei allein nicht im Zaum.
















