17.01.13

Geschichte

Eine Kindheit auf "Schloss Langeweile"

Wilhelm von Humboldt war ein kluger Mann und ist für viele seiner Ideen heute noch berühmt. Doch als Kind war er nicht besonders glücklich

Von Julia Rudorf
Foto: dpa
KINA - Ein Kind sein auf «Schloss Langeweile»
Ein Denkmal Wilhelm von Humboldts steht vor der Humboldt Universität zu Berlin, Unter den Linden i

Ein Leben in einem Schloss, mit Dienern, Kutsche und Privatlehrern –e das klingt ja erst mal super. Sicher würden sich viele Leute freuen, wenn sie auf einem Schloss wohnen könnten. Wilhelm von Humboldt hatte das alles. Er war ein berühmter Gelehrter. Als Erwachsener hat er zum Beispiel zusammen mit anderen die Berliner Universität gegründet.

Sein Leben als Kind fand Wilhelm von Humboldt allerdings nicht so toll. "Öde und freudenlos ist meine Kindheit dahingewelkt", schrieb er später mal in einem Brief. Die Sprache, die Wilhelm von Humboldt benutzte, klingt heute etwas komisch. Aber vor mehr als zweihundert Jahren, als dieser Wilhelm lebte, sprach man eben so. Zumindest wenn man adelig war, so wie Wilhelm von Humboldt und seine Familie. Als Kind lebte er gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Alexander und seinen Eltern in einem Schloss in Tegel. Tegel ist heute ein Ortsteil Berlins.

Wenn man das Schloss besucht, könnte man denken: Wilhelm und sein Bruder haben hier eine schöne Zeit verbracht. In der Nähe fließt ein großer Fluss, in dem es kleine Inseln gibt. Außerdem gibt es Wälder und Wiesen – perfekt zum Spielen.

Wilhelm war dort aber wohl trotzdem manchmal unglücklich. Als er zwölf Jahre alt war, starb sein Vater. Ihn mochte Wilhelm sehr gern. Seine Mutter lebte aber noch. Besonders liebevoll soll sie jedoch nicht zu ihren Kindern gewesen sein. Und fürs Spielen und Rumtoben war sie auch nicht so zu haben.

Genauso wie dem Vater war es ihr wichtig, dass die beiden Jungen viel lernten. Sie stellten deshalb sehr gute Hauslehrer ein. Die unterrichteten Wilhelm und seinen Bruder in vielen Fächern: Deutsch, Latein, Griechisch und Französisch zum Beispiel. Aber auch in Geschichte, Mathematik, Physik und Zeichnen. Eigentlich lernten die beiden Brüder ständig, denn sie verbrachten den ganzen Tag mit ihren Lehrern.

Lernen, lernen, lernen

Vom Frühstück bis zum Abendessen lernen! Darauf hatten die beiden Brüder nicht immer Lust. Sie fühlten sich außerdem manchmal einsam. Denn andere Kinder hatten sie nicht als Freunde. Wo hätten sie die auch kennenlernen sollen – der Unterricht fand ja, wie bei vielen vornehmen Familien bei ihnen zu Hause statt, nicht in einer Schule.

Wilhelms Bruder Alexander nannte das Schloss deshalb oft "Schloss Langeweile". Er wollte raus, in die Natur, und lief deswegen wahrscheinlich manchmal heimlich weg. Als Naturforscher reiste er später um die Welt.

Auch Wilhelm wollte Ablenkung. Allerdings lief er nicht weg. Er las stattdessen viele Bücher und suchte die Abenteuer im Kopf. Heldengeschichten aus dem alten Griechenland und Sagen mochte er besonders gern. Seine besten Freunde waren wahrscheinlich Bücher. Als Erwachsener hat er immer noch viel gelesen und sein Leben lang gelernt.

Beide Humboldts sind berühmte Forscher und Gelehrte geworden. Wilhelm war der Meinung, dass jeder Mensch möglichst viel lernen sollte. Er besuchte Schulen und machte sich Gedanken darüber, wie man den Unterricht und die Ausbildung der Lehrer verbessern könnte.

Quelle: dpa
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