20.11.12

Hausaufgaben

"Papa, halt dich raus!"

Ein bisschen Unterstützung kann hilfreich sein. Fachleute finden es aber nicht gut, wenn Mama und Papa sich zu sehr einmischen und viel Druck machen

Foto: dpa
KINA - SYMBOLBILD - Eltern helfen bei Hausaufgaben
Es ist nicht immer gut, wenn Eltern helfen. Wenn Kinder ihre Hausaufgaben allein machen, lernen sie selbstständig zu arbeiten. Dann können die Lehrer auch sehen, was sie noch einmal erklären müssen

Hast du deine Hausaufgaben schon gemacht?" Ein typischer Satz von Eltern. Und damit nicht genug. Einige Mütter und Väter kontrollieren gern, ob die Aufgaben ordentlich gemacht sind. Ob die Schrift vielleicht zu krakelig ist. Und ob die Ergebnisse in der Rechenübung stimmen. Manche machen bei den Hausaufgaben sogar selbst mit. Die Mutter brütet etwa über Mathe. Der Vater malt ein Muster sauber aus.

Einige Schüler lehnen sich da entspannt zurück. Sie genießen die Hilfe. Andere dagegen sind extrem genervt. Auch einige Fachleute sehen den Einsatz von Eltern bei den Hausaufgaben kritisch. "Wenn sich Eltern zu sehr einmischen, ist das nicht gut", sagt Hanna Dumont.

Sie ist 29 Jahre alt, arbeitet an der Universität Potsdam und hat zum Thema Eltern und Hausaufgaben geforscht. Sie hat darüber ein wissenschaftliches Buch geschrieben, eine Doktorarbeit. Das Ergebnis: "Wenn Eltern so viel Druck bei den Hausaufgaben machen, dass es deshalb immer wieder heftigen Streit und Stress gibt, hilft das nicht beim Lernen", sagt Hanna Dumont.

Im Gegenteil: "Die Schüler quälen sich mit den Aufgaben herum, oft stundenlang. Manche haben gar keine Lust mehr zu den Hausaufgaben und insgesamt zum Lernen. Die Noten werden schlechter", erzählt sie. Dazu kommt: "Ein Lehrer will ja nicht wissen, ob die Eltern die Hausaufgaben gut erledigt haben. Er will daran ablesen, was ein Schüler schon verstanden hat oder was der ihm vielleicht noch einmal erklären muss", sagt der Lehrer Josef Kraus.

Hanna Dumont findet auch noch wichtig, dass Schüler bei Hausaufgaben nicht nur Lesen oder Rechnen lernen. Sondern eine andere wichtige Sache: selbstständig lernen, sich allein um die Schulsachen kümmern und dafür Verantwortung übernehmen. "Das klappt nicht, wenn sich die Eltern sehr einmischen", sagt sie.

Das heißt aber nicht, dass Kinder ihre Eltern bei den Hausaufgaben möglichst wegschicken sollten. "Wenn etwas unklar ist, darf man die Eltern ruhig fragen. Es ist toll, wenn sie etwas erklären können, was man nicht verstanden hat", so Hanna Dumont. Wenn Eltern es anders erklären als der Lehrer, kann das aber verwirrend sein. Dann lieber noch einmal in der Schule nachfragen. Und wer die Hausaufgaben leicht vergisst, darf sich auch mal daran erinnern lassen, findet die Forscherin. Damit es in der Schule keinen Ärger gibt.

Quelle: dpa
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Nur nervig oder auch nützlich?
  • Unnötig

    Schnell noch im Schulbus die Hausaufgaben machen. Oder fix vom Nachbarn abschreiben. Für viele Schüler sind Hausaufgaben nur eine lästige Pflicht – und unnötig. Das sehen sogar manche Forscher so. Einige Forscher aus Dresden haben in einer Studie festgestellt: „ Hausaufgaben sind überflüssig“. „Gute Schüler werden durch Hausaufgaben nicht unbedingt noch besser“, sagte der zuständige Professor. „Und schlechte Schüler begreifen zu Hause durch bloßes Wiederholen noch lange nicht, was sie schon am Vormittag nicht richtig verstanden haben.“ Ob man also die Mathe-Hausaufgaben direkt nach der Schule, nachts unter der Bettdecke oder überhaupt nicht macht: An der Zeugnis-Zensur ändere das nichts, sagte er.

  • Streit

    Viele Lehrer und andere Experten waren entsetzt. Hausaufgaben sollten umsonst sein? Über das Thema wird seit vielen Jahren immer wieder gestritten. Ganz einig sind sich die Fachleute bis heute nicht. Der Streit dreht sich oft um eine bestimmte Art von Hausaufgaben, bei denen es um stumpfes Abschreiben oder ödes Wiederholen geht. Bei Hausaufgaben sollte man schon etwas nachdenken müssen. Dann machten sie oft auch mehr Spaß. Sie sollten mit dem Unterricht zu tun haben und nicht völlig neue Themen bringen. Einige Fachleute meinen, dass es auch auf eine gute Betreuung ankommt. Sie finden Ganztagsschulen gut, wo Schüler ihre Hausaufgaben nachmittags in der Schule machen – und auch mal einen Lehrer fragen können.

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