20.11.2012, 10:19

Hausaufgaben "Papa, halt dich raus!"

KINA - SYMBOLBILD - Eltern helfen bei Hausaufgaben

Foto: dpa

KINA - SYMBOLBILD - Eltern helfen bei Hausaufgaben Foto: dpa

Von Silke Fokken

Ein bisschen Unterstützung kann hilfreich sein. Fachleute finden es aber nicht gut, wenn Mama und Papa sich zu sehr einmischen und viel Druck machen

Hast du deine Hausaufgaben schon gemacht?" Ein typischer Satz von Eltern. Und damit nicht genug. Einige Mütter und Väter kontrollieren gern, ob die Aufgaben ordentlich gemacht sind. Ob die Schrift vielleicht zu krakelig ist. Und ob die Ergebnisse in der Rechenübung stimmen. Manche machen bei den Hausaufgaben sogar selbst mit. Die Mutter brütet etwa über Mathe. Der Vater malt ein Muster sauber aus.

Einige Schüler lehnen sich da entspannt zurück. Sie genießen die Hilfe. Andere dagegen sind extrem genervt. Auch einige Fachleute sehen den Einsatz von Eltern bei den Hausaufgaben kritisch. "Wenn sich Eltern zu sehr einmischen, ist das nicht gut", sagt Hanna Dumont.

Sie ist 29 Jahre alt, arbeitet an der Universität Potsdam und hat zum Thema Eltern und Hausaufgaben geforscht. Sie hat darüber ein wissenschaftliches Buch geschrieben, eine Doktorarbeit. Das Ergebnis: "Wenn Eltern so viel Druck bei den Hausaufgaben machen, dass es deshalb immer wieder heftigen Streit und Stress gibt, hilft das nicht beim Lernen", sagt Hanna Dumont.

Im Gegenteil: "Die Schüler quälen sich mit den Aufgaben herum, oft stundenlang. Manche haben gar keine Lust mehr zu den Hausaufgaben und insgesamt zum Lernen. Die Noten werden schlechter", erzählt sie. Dazu kommt: "Ein Lehrer will ja nicht wissen, ob die Eltern die Hausaufgaben gut erledigt haben. Er will daran ablesen, was ein Schüler schon verstanden hat oder was der ihm vielleicht noch einmal erklären muss", sagt der Lehrer Josef Kraus.

Hanna Dumont findet auch noch wichtig, dass Schüler bei Hausaufgaben nicht nur Lesen oder Rechnen lernen. Sondern eine andere wichtige Sache: selbstständig lernen, sich allein um die Schulsachen kümmern und dafür Verantwortung übernehmen. "Das klappt nicht, wenn sich die Eltern sehr einmischen", sagt sie.

Das heißt aber nicht, dass Kinder ihre Eltern bei den Hausaufgaben möglichst wegschicken sollten. "Wenn etwas unklar ist, darf man die Eltern ruhig fragen. Es ist toll, wenn sie etwas erklären können, was man nicht verstanden hat", so Hanna Dumont. Wenn Eltern es anders erklären als der Lehrer, kann das aber verwirrend sein. Dann lieber noch einmal in der Schule nachfragen. Und wer die Hausaufgaben leicht vergisst, darf sich auch mal daran erinnern lassen, findet die Forscherin. Damit es in der Schule keinen Ärger gibt.

(dpa)
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