12.11.12

Technik

Auto ohne Fahrer

Prof. Raúl Rojas und sein Team entwickeln an der Freien Universität Berlin ein Auto, das nur per Computer gesteuert wird. Dabei helfen ihm Kameras, Radar und ein Laser-Scanner

Von Stefan Parsch
Foto: dpa
KINA - Autos ohne Fahrerkina autos
Das Forscher-Auto auf einer Testfahrt in Berlin. Es sieht aus wie ein ganz normales Auto. Nur der Laser-Scanner auf dem Dach verrät seine besonderen Fähigkeiten

Stell dir vor, du willst mit deinen Eltern einkaufen fahren. Aber ihr habt kein eigenes Auto. Deine Mutter bestellt es einfach per Handy – wie ein Taxi. Pünktlich steht es vor eurem Haus und ihr steigt ein. Dein Vater gibt auf dem Handy ein, wohin ihr wollt. Denn das Auto hat keinen Fahrer! So ein Auto gibt es wirklich.

Ein Geisterauto! Ohne Fahrer fährt es über die Autobahn. Sogar durch Berlin ist es schon gekurvt. Ohne einen Unfall zu bauen. Dahinter stecken der Forscher Raúl Rojas und seine Mitarbeiter von der Freien Universität (FU) Berlin. Sie entwickeln Autos, die autonom fahren – also selbstständig ohne Fahrer.

An diesen Autos ist auf den ersten Blick nur eines ungewöhnlich: Auf dem Dach ist eine Säule, deren Kopf sich dreht. Der Kopf ist ein Laser-Scanner. Solche Geräte kennst du von der Supermarkt-Kasse: Sie piepen, wenn man Waren darüber zieht. Dieser Scanner macht Bilder von der Umgebung. Außerdem hat das Auto Videokameras und sogar Radar, wie Schiffe oder Flugzeuge. Und ein Navigationsgerät weiß immer genau, wo das Auto gerade ist.

All diese Daten gehen an einen Computer im Auto. Der ist der eigentliche Fahrer. Aber auch Menschen können das autonome Fahrzeug steuern, etwa mit Bewegungen der Augen. Sogar mit Gedanken. Das geht so: Wenn wir an etwas denken, fließen leichte elektrische Ströme durch unser Gehirn. Die haben bestimmte Muster. Das Muster für "links" sieht anders aus als das Muster für "rechts" .

Ein Gerät, das man wie eine Kappe aufsetzt, erkennt diese Muster und leitet sie an den Computer. Wenn wir "links" denken, steuert der das Lenkrad nach links. Gasgeben und bremsen klappt ähnlich. Einziges Problem: "Ich muss aufpassen, dass ich zwischendurch nicht an etwas Dummes denke", sagt Rojas und lacht.

Taucht ein Hindernis auf, hält das Auto an

Und was passiert, wenn vor dem autonomen Auto ein Kind auf die Straße läuft? Dann bremst das Auto sofort, sagen die Experten. Denn mit Kameras, Laser-Scanner oder Radar behält der Computer die Umgebung im Blick. Sobald ein Hindernis auftaucht, hält das Auto an.

Raúl Rojas glaubt, dass ein Fahrzeug ohne Fahrer sogar sicherer ist als ein normales Auto: "Ein Mensch kann am Steuer müde werden oder abgelenkt sein, der Computer nicht." Das gilt aber nur dann, wenn das Auto wirklich fehlerfrei fährt. Bis dahin muss zur Sicherheit immer ein Mensch am Steuer sitzen. Er kann zur Not bremsen oder umlenken.

Raúl Rojas wurde in der Hauptstadt von Mexiko geboren. In Mexico City gibt es noch mehr Verkehr als hier bei uns. Mit klugen Erfindungen will er dafür sorgen, dass wir weniger Autos brauchen. "Fast alle Autos stehen die meiste Zeit herum und brauchen daher viele Parkplätze", erklärt er. "Besser wäre es doch, wenn sich viele Menschen wenige Autos teilen würden."

Dann könnten deine Eltern bei einer Zentrale ein Auto zum Einkaufen bestellen. Der Computer schickt dann das Fahrzeug, das euch gerade am nächsten ist, zu eurem Haus – alles automatisch. Rojas Team arbeitet an weiteren Feinheiten. So soll der Computer seinen Fahrgast an der Stimme erkennen. Irgendwann kann der dann in ein solches Auto steigen und sagen: "Bring mich nach Hause!" Der Computer berechnet dann den besten Weg und das Auto fährt los.

Quelle: dpa
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