15.10.12

Beruf Tontechniker

Wer gibt hier den Ton an?

Bei der Show der der Blue Man Group am Potsdamer Platz wird es laut. Damit ihre Musik überall im Saal auch gut klingt, hat der Tontechniker viel zu tun

Von Julia Rudorf
Foto: dpa
KINA - Ohren auf: Tontechniker sorgen fürkina
Tontechniker Bülent Serttas steht an seinem Mischpult beim Soundcheck zum Auftritt der Blue Man Group

Wenn im Saal das Licht ausgeht, wird es spannend: Trommel-Klänge wummern durch den Raum. Selbst auf dem hintersten Platz klingt es so, als wären überall Trommeln. Bülent Serttas sorgt dafür, dass dieser Klang perfekt beim Zuschauer ankommt. Er ist Tontechniker und arbeitet bei der Musik-Show "Blue Man Group" (gesprochen: blu män grup).

Das ist ein Stück, in dem kein Schauspieler etwas spricht. Deshalb ist die Musik sehr wichtig. "Egal ob man im Saal vorne oder hinten sitzt: Es muss überall gut klingen", erklärt Bülent Serttas. Ohne Technik würde das nicht klappen. "Man würde fast nur Schlagzeug hören, aber Gitarren und Bass viel zu wenig."

Deshalb hat jedes Instrument ein eigenes Mikrofon. Vor jeder Show kontrolliert Bülent Serttas die gesamte Technik. Und das ist ziemlich viel: Im Saal stehen 51 Lautsprecher, auf der Bühne etwa genauso viele Mikrofone. Jedes Mikro ist mit Bülent Serttas Arbeitsplatz verbunden: dem Mischpult.

Jeder Ton kann verändert werden

Daran sind überall kleine Lichter, Knöpfe und Regler. Mit den Reglern und Knöpfen könnte der Tontechniker jeden einzelnen Ton verändern: Er könnte ihn lauter oder leiser machen, heller oder dumpfer. Wild an den Reglern drehen würde Bülent Serttas aber nie. "Jede Show muss gleich gut klingen. Deshalb ist in unseren Computern gespeichert, was wann wie laut sein darf."

Weil die Musik nicht von der CD kommt, muss die Technik perfekt funktionieren. Die Zuschauer sollen nicht hören, wenn etwas mal nicht stimmt. Wenn zum Beispiel ein Mikrofon kaputtgeht, muss der Tontechniker schnell reagieren.

Ganz wichtig in dem Stück sind Trommeln. Es gibt eine, die so groß ist wie ein Erwachsener. Die muss der Tontechniker ab und zu sogar stimmen, damit sie nicht falsch klingt. Außerdem steht ein spezielles Schlagzeug auf der Bühne – aus Regenrinnen. Auch da gibt es Mikros und Kabel, um die sich der Tontechniker kümmert.

Wenn das Schlagzeug einsetzt, ist es ein bisschen wie im Kino: Das ganze Publikum ist gespannt, was gleich auf der Bühne passiert. Sogar Bülent Serttas wippt oben manchmal mit – auch wenn er die Show schon Hunderte Male gesehen hat. "Das Tolle ist ja, dass man als Tontechniker mit beidem zu tun hat: mit Technik – und mit Musik!"

Beim Konzert klingt es anders

Wer schon mal bei einem Konzert seiner Lieblings-Band war, hat das vielleicht erlebt: Direkt vor der Bühne hören sich Lieder oft anders an als auf der CD zu Hause. Eine CD entsteht nämlich meist in einem Musikstudio. Dort spielen die Musiker in einem besonderen Raum mit besonderen Mikrofonen. Auch die Wände sind oft speziell verkleidet, damit die Musik nicht hallt.

Die Tontechniker im Studio haben dann eine schwierige Aufgabe: Sie müssen versuchen, den Klang der Instrumente und der Sänger perfekt zu mischen. "Wenn man zu Hause die CD einlegt und die Augen zumacht, sollte man das Gefühl haben, dass die Band direkt im Wohnzimmer spielt", erklärt der Fachmann Ulrich Schiller.

Wenn eine Band auf der Bühne spielt, ist das fast nicht möglich. Denn zwischen den Zuhörern und den Musikern ist viel Platz – dadurch ändert sich der Klang. Und ein Konzert unter freiem Himmel hört sich anders an als zum Beispiel in einer Kirche. Wenn Musik live gespielt wird, klingt sie immer anders als in einem Studio. Wer bei einem Konzert die Musik besonders gut hören will, macht es am besten wie der Tontechniker und stellt sich die Nähe des Mischpults.

Quelle: dpa
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Ein vielseitiger Beruf
  • Mathe und Physik

    Wie es bei großen Konzerten vor der Bühne, auf ihr und dahinter aussieht – das wissen Tontechniker genau. Musik und große Shows sind ja ein Teil ihrer Arbeit. Nur ein Musik-Fan zu sein, das reicht für den Job aber nicht. „Mathematik und Physik muss man genauso mögen“, sagt Ulrich Schiller. Er ist seit vielen Jahren Ton-Ingenieur und bringt den Beruf jetzt auch anderen bei.

  • Computer und Technik

    Ein Tontechniker muss zum Beispiel wissen, wie sich Schall in einem Raum ausbreitet. Oder wie man Klänge so verändert, dass sie sich dumpfer oder klarer anhören. Von Computern sollte ein Tontechniker auch ein bisschen was verstehen. Und von der ganzen Technik, die man für Musik braucht: Mikrofone, Verstärker, Lautsprecher oder Mischpulte.

  • Schule oder Uni

    Manche Tontechniker haben sich all das selbst beigebracht. Man kann Tontechnik aber auch an speziellen Schulen lernen. Oder an der Universität studieren.

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