15.10.12

Ungewöhnliches Hobby

Ritter mitten in Berlin

Volker Berliner ist einer der Gründer der Berliner Rittergilde. Fast jedes Wochenende legt er seine Rüstung an und übt Schwertkampf

Foto: dpa
KINA - Bogenschütze: Auf den Kopf zielen ist streng verbotenrittergilde
Wie im Mittelalter: Volker Berliner in seiner Rittermontur. Eine komplette Rüstung ist schwer, da kommen 20 bis 30 Kilo zusammen. Allein das Kettenhemd besteht aus Zehntausenden kleiner Eisenringe

Mehrmals im Monat legt er sein Kettenhemd, die Rüstung und ein Schwert an. In voller Montur zieht Volker Berliner dann in einen Park in der Nähe. Dass er dort Ritter spielt, hört er nicht so gern. Er übt mit anderen, gegeneinander zu kämpfen. Wie Ritter es wohl vor siebenhundert Jahren taten. "Wir machen Schaukampf. Das heißt, dass sich niemand wirklich verletzen soll. Trotzdem machen wir nicht vorher aus, wer gewinnt", erzählt Volker Berliner.

Die Ritter müssen dafür oft trainieren. Denn ein Schwert ist eine Waffe aus Eisen. Auch wenn die Klingen nicht scharf sind. "Schwertkampf bedeutet nicht, dass man aufeinander einhaut. Man muss das üben wie jeden Kampfsport." Wer den Kampf gewinnt, entscheiden die Ritter danach, wie viele Treffer man abbekommt. Wer merkt, dass er dreimal von einem Gegner mit der Waffe berührt wurde, ist tot. Mogeln gilt nicht.

Natürlich stirbt niemand in Wirklichkeit. Es ist eher wie im Theater: Der besiegte Ritter tut so, als würde er sterben und geht in die Knie. Spielen die Ritter also doch? "Ein bisschen Schauspielerei gehört natürlich schon dazu", sagt Volker Berliner. Die Zuschauer sollen schließlich unterhalten werden.

Mit einem Schwert fing alles an

Die Idee zur Rittergilde hatte Volker Berliner eher zufällig. "Vor einigen Jahren habe ich mir mal ein mittelalterliches Schwert gekauft. Und dann mit meinem Bruder Schwertkampf geübt – so ging es alles los", erzählt er. Er und sein Bruder kauften sich Stück für Stück ganze Rüstungen – mit Helm und Beinschienen und allem, was dazugehört.

Andere fanden die Idee mit dem Schaukampf gut. Und vor sechs Jahren gründeten sie ihre Rittergilde. Heute machen über sechzig Kinder und Erwachsene mit, wenn die Ritter zum großen Schaukampf fahren.

Doch man gilt in der Gruppe nicht sofort als Ritter. Dazu muss man nicht nur gut mit dem Schwert kämpfen können. Ein Ritter weiß viel über die Geschichte der Ritter. Und er versucht, sich im Alltag ritterlich zu verhalten. Dazu gehört zum Beispiel, vernünftig zu sein, nicht so anzugeben oder nicht zu schwindeln.

1000 Jahre Geschichte

Ritter gab es zu einer Zeit, die in der Geschichte Mittelalter heißt. Und das Mittelalter dauerte ziemlich lang: etwa 1000 Jahre. Man sagt von 500 nach Christus bis 1500. Die ersten Ritter gab es deshalb schon vor über tausend Jahren.

Damals gab es ständig Kämpfe und Kriege in Europa. Um ihren Besitz zu schützen, brauchten die Fürsten Krieger, die für sie kämpften. So ein Krieger brauchte aber Schwert, eine Rüstung und vielleicht auch ein Pferd. Deshalb war es ziemlich teuer, ein Ritter zu sein.

Sehr beweglich war ein Ritter im Zweikampf übrigens nicht, denn damit er vor Pfeilen und Schwerthieben geschützt war, trug er eine Montur, die zwischen 20 und 30 Kilo schwer war. Dazu gehörte: ein Kettenhemd, eine Kettenhaube, oft noch Arm-Schienen und Bein-Schienen, Handschuhe und ein Helm. Alles aus Eisen!

Weil Ritter in ihrer Rüstung so schwer waren, brauchten sie besonders starke Pferde. Diese Schlachtrösser waren so kostbar, das man auch sie vor Verletzungen schützen wollte. Deshalb fertigte man für sie ebenfalls Rüstungen an. Sie hießen Roßharnisch und bestanden auch aus Metallplatten. Der Roßharnisch wog dann noch mal 20 bis 30 Kilo.

Quelle: dpa
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