01.10.2012, 11:58

Hilfe für Kinder Hier sind Kinder sicher

Notinsel

Foto: Reto Klar

Von Katharina Fiedler

„Notinseln“ sind Geschäfte, die Kindern Schutz bieten, wenn sie mal nicht weiter wissen. Ihre Inhaber helfen bei Gefahr oder Problemen weiter und sind da, wenn sie einfach mal jemanden zum Reden brauchen

"Wo wir sind, bist Du sicher", liest Frederik vom Eingangsschild der Notinsel vor. Drei Kinder sind darauf zu sehen. Der Siebenjährige aus Zehlendorf besucht mit seiner Klasse der John F. Kennedy Schule das Fahrradgeschäft Kuczka am Teltower Damm. Das Geschäft bietet Kindern Schutz und einen Rückzugsort, wenn sie Hilfe brauchen.

"Wenn du mit dem Bus eine Station zu weit fährst und nicht mehr weißt, wie du nach Hause kommst, dann kannst du zu einer Notinsel gehen", sagt Frederiks Mitschülerin Florentine und Benjamin ergänzt: "Eine Notinsel brauchst du auch, wenn dir ein Erwachsener zu nah kommt. Da kannst du hingehen und das erzählen."

Die Klasse 2e von Frederik, Benjamin und Florentine weiß Bescheid, schließlich haben die Kinder mit ihrer Klassenlehrerin viel über das Projekt "Notinsel" gesprochen. "Zuerst haben wir überlegt, was eine Notinsel ist und dann Notinseln gemalt", sagt Lehrerin Suzanne Dawi. "Danach haben die Kinder überlegt, was in der Stadt alles passieren kann und was Kinder tun können, wenn sie nicht weiter wissen."

560 Notinseln in Berlin

In Berlin gibt es seit sechs Jahren Notinseln, insgesamt sind es jetzt schon mehr als 560 Orte. Meist sind es kleine Geschäfte, Friseurläden, Bäcker, Apotheken und Polizeistationen. Gut zu erkennen sind alle Notinseln an dem Schild am Eingang. Auch beim Fahrradgeschäft Kuczka hängt so eines an der Tür.

"Wenn ein Kind in Not ist, schicken wir es niemals weg", sagt der Chef des Fahrradladens, Marcel Mosolf. Egal, ob sie Ärger in der Schule haben, es mit den Eltern Probleme gibt oder sich jemand nicht gut fühlt. Kinder können sich dann erst mal hinsetzen, ein Glas Wasser trinken und erzählen, was ihnen Angst macht.

Die Notinsel kann die Eltern anrufen, sodass die Kinder abgeholt werden. Falls das Kind das nicht möchte, kann sich die Notinsel auch an andere Menschen wenden. Gerade wenn jemand geschlagen wurde oder sich vor Gewalt fürchten muss, können die Notinseln auch dem Kindernotdienst oder der Polizei Bescheid sagen. Aber auch wenn man einfach über etwas reden möchte und nicht weiß mit wem, können Kinder zu einer Notinsel gehen.

"Das ist wie ein Schiff, das untergeht und sich dann auf einer Notinsel rettet. Dann kommt ein Hubschrauber und holt die Menschen ab", sagt Una (7). "Ich würde auch zu einer Notinsel gehen, wenn mich irgendein Erwachsener mit nach Hause nehmen will, auch wenn der mir sagt, dass er süße Kaninchen hat", sagt Florentine.

"Nein" sagen ist ein Kinderrecht

Vor mehr als 20 Jahren habe viele Länder gemeinsam die Kinderrechtskonvention unterschrieben. Das ist ein Vertrag, der regelt, dass Kinder sicher aufwachsen und viele Rechte haben. Mehr als 50 verschiedene Artikel, also Abschnitte zu verschiedenen Themen, beschreiben das ganz genau.

Eines der wichtigsten Rechte davon ist, dass Kinder vor Gewalt und Vernachlässigung geschützt werden müssen. Kinder dürfen außerdem ihre Meinung sagen. Das heißt auch, dass jedes Kind auch "Nein" sagen darf, wenn es etwas nicht will.

"Es ist nicht schlimm, wenn man Hilfe holt", betont Frederik. Una weiß das auch: "Ich habe mal meine Mutter beim Einkaufen verloren und dann bin ich zu dem Mann an die Kasse gegangen, der durch das Mikrofon meine Mutter gerufen hat. Das war ganz leicht."

Die Klasse 2e hat sogar einen Tipp für Kinder, sie sich vielleicht nicht gleich trauen, zu einer Notinsel zu gehen oder jemanden anzusprechen: "Man kann zusammen da hin gehen, dann fühlen wir uns sicherer."

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