13.08.12

Artenschutz

Ein Winterquartier für die Fledermäuse

Die Fledertiere sind eine bedrohte Art. Anlässlich der "Batnight" kann man an den nächsten Wochenenden viel über die einzigen fliegenden Säugetiere erfahren

Foto: R.Nagel/WILDLIFE

Die Wasserfledermaus ist eine von weltweit 950 Fledermaus-Arten. Sie kommt auch bei uns rund um Seen und Wasserwege vor. In Berlin und Brandenburg leben 19 Fledermaus-Arten, am häufigsten sind die Zwergfledermaus und der Abendsegler

4 Bilder

In ihrem Garten am Waldrand hat Dorothea Flechsig einen großen Tisch aufgebaut. Sechs Kinder machen sich an schmalen Holzkisten zu schaffen. Rasmus (11) hat ein Stück Dachpappe zurechtgeschnitten und tackert es jetzt als Regenschutz auf dem Dach der Kiste fest. Es ist gar nicht so einfach, die feste schwarze Pappe zu knicken und festzubekommen. Zusammen mit seinen Geschwistern Jan (9) und Karla (6) überlegt er dann, wie sie die Kiste bemalen sollen.

Jan will Dracula, Rasmus denkt an ein Kreuz und Karla mag lieber Schlingpflanzen. Rasmus und Jan einigen sich für die Vorderseite auf Dracula, Karla nimmt die Seiten für ihre Blumenranken. Sie wollen die Kiste am Haus an einer windgeschützten Stelle anbringen, sagt Rasmus. Mindestens fünf Fledermäuse sehen sie in der Dämmerung um ihr Haus flattern und in einem hohlen Ast an einem großen Baum vermutet Jan auch ein Fledermausquartier. Die Kinder hoffen, dass einige von ihnen für ihren Winterschlaf in die Kiste einziehen.

Im grünen Falkensee, wo die Kinder wohnen, finden Fledermäuse auch so Quartiere; in Mauerritzen, auf Dachböden, unter Ziegeln, in Höhlen und Bäumen. Doch weil immer mehr Häuser, Mauern und Dächer saniert werden, verlieren die Fledertiere in der Stadt ihre Lebensräume.

Fledermauskästen sind also keine schlechte Idee, findet Dorothea Flechsig. Sie hat die schmalen Kästen, die an Hauswände oder im Wald aufgehängt werden können, vorbereitet und nach einer Anleitung von Ökofilmtour zusammengebaut. Die Öffnung an der Unterseite ist mit einer kleinen Schräge geschützt, die Fledermäuse brauchen nur einen schmalen Schlitz um hineinzufliegen.

Die Kinderbuchautorin arbeitet viel mit dem Naturschutzbund Nabu zusammen und kennt sich aus mit Fledermäusen. Sie hat Sandor erfunden, die Fledermaus mit Köpfchen und mit Knick im rechten Ohr. Sandor freundet sich mit dem Jungen Jendrik an und erlebt mit ihm viele Abenteuer.

Die Kinder mögen die Geschichte, in der man auch viel über Fledermäuse erfährt, und beobachten die Tiere, wenn sie in der Dämmerung um ihr Haus fliegen. Obwohl er viel über Fledermäuse weiß, denkt Rasmus erst einmal an Dracula wenn er sie sieht. Jan findet es beeindruckend, dass sie sich auf der Jagd nach Insekten an Schallwellen orientieren.

Für die Zwillinge Antonia und Emily (11) haben Fledermäuse vor allem mit Vampiren zu tun, das finden sie spannend. "Fledermäuse sind meine Lieblingstiere", sagt Emily. Im Fledermauskeller der Zitadelle Spandau haben sie sich eine tote Fledermaus angeschaut. "Ihr Fell sieht ganz weich aus."

Wer mehr über Fledermäuse wissen will, kann das bei der internationalen Batnight erfahren. Bis zum 25. August finden dazu im Berliner Umland acht Veranstaltungen mit Fledermausexperten des Nabu statt. Dorothea Flechsig wird am 18.8. ab 18 Uhr in Brieselang dabei sein. Nach einer Sandor-Lesung und einem Quiz können dort ab ca. 20.30 Uhr Wasserfledermäuse am See beobachtet werden.

Alle Orte und Zeiten im Netz unter: www.nabu.de/naturerleben/Termine

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Fakten zu Fledermäusen
  • Arten

    Fledermäuse leben überall auf der Welt. Es gibt 950 Arten. Einige von ihnen können 20 bis 30 Jahre alt werden. In Deutschland leben etwa 25 Fledermaus-Arten. Sie leben in Wäldern und Höhlen oder an Häusern zum Beispiel in Spalten und Hohlräumen, unter Dächern, Ziegeln und hinter Fensterläden. In Mitteleuropa gehören sie zu den am stärksten gefährdeten Säugetierarten.

  • Gefährdet

    Ihr größter Feind ist der Mensch, weil der ihre Lebensräume und Winterquartiere vernichtet. Und auch, weil sie sehr empfindlich auf Umweltgifte wie Pflanzen- und Holzschutzmittel reagieren, ist ihr Bestand in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Sie sind deshalb auch ein gutes Warnsystem. Wo es Fledermäusen schlecht geht, kann es auch für Menschen gefährlich werden.

  • Orientierung

    Fledermäuse leben in einer anderen Sinneswelt als Menschen und sind uns ein bisschen unheimlich. Deshalb kommen sie oft in Grusel- oder Vampirfilmen vor. Sie sind nachts aktiv und schlafen am Tag. Da sie nicht gut sehen können, orientieren sie sich mit ihren Ohren über Echosignale, die der Mensch nicht wahrnehmen kann. Dafür stoßen sie immer wieder spitze Schreie aus, deren Echo ihnen sagt, wer oder was im Weg ist oder wo gerade eine Beute fliegt.

  • Winterschlaf

    Im Winter halten Fledermäuse Winterschlaf. Dabei dürfen sie nicht geweckt werden. Ab Oktober suchen sie dafür kühle, ungestörte und zugfreie Orte. Ein Fledermaushaus sollte möglichst hoch und am besten an einem Haus, im Wald oder in einem Park mit Baumbestand hängen. Das Einflugloch muss nach unten hin frei sein. Fledermauskästen sollten aus unbehandeltem Holz sein und nicht mit giftiger Farbe gestrichen werden.

  • Ernährung

    Fürchten muss man sich nicht vor ihnen. Sie ernähren sich fast ausschließlich von Insekten. Die Vampir-Fledermaus, die sich von Tierblut ernährt, gibt es nur in Südamerika.

  • Gefunden

    Wer eine verletzte Fledermaus findet, sollte sie zur Wildtierpflegestelle des Nabu bringen. Da wird ihr geholfen. Man sollte Fledermäuse nicht mit bloßen Händen anfassen, sondern Handschuhe oder ein Tuch benutzen.

    Quelle: nabu

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