06.08.12

Olympische Spiele 2012

Ye Shiwen: Schwimmwunder aus China

Das hat es bisher noch nie gegeben: Ein Mädchen schwimmt auf einer Teilstrecke schneller als die männlichen Stars

Foto: REUTERS
File photo of China's Ye Shiwen posing with her gold medal on the podium during the women's 400m individual medley victory ceremony at the London 2012 Olympic Games
Die 16-jährige Ye Shiwen mit ihrer Goldmedaille über 400 Meter Lagen. Sie gewann in dieser Disziplin auch noch über 200 Meter

Die 16-jährige Ye Shiwen hat bei den Olympischen Spielen in London für eine Sensation gesorgt. Die junge Chinesin hängte nicht nur ihre weiblichen Konkurrentinnen ab. Über 400 Meter Lagen schwamm sie einen Weltrekord und war auf den letzten 100 Metern davon auch noch schneller als die männlichen Schwimmstars Michael Phelps und Ryan Lochte (beide 27) aus den USA. Dabei zählte sie gar nicht zu den Favoritinnen.

Ein Mädchen schneller als ein männlicher Spitzen-Athlet? Das hat es bisher noch nie gegeben. Es wurde sogar für unmöglich gehalten. Männer sind anders gebaut als Frauen und haben mehr Kraft. Deshalb treten sie auch nicht gegeneinander an.

Und deshalb waren die Experten genauso sprachlos wie das Publikum. Obwohl Ye sehr talentiert ist und bekannt ist, dass die chinesischen Sportler von klein auf extrem hart trainieren müssen, rätseln einige Schwimmexperten nun, ob das mit rechten Dingen zugehen konnte.

Viel weiß man nicht über Ye Shiwen. Mit sechs Jahren soll sie Schwimmtrainern im Kindergarten aufgefallen sein, weil ihre Hände größer waren als die der Gleichaltrigen. Sie hat damit eine größere Druckfläche und kann mehr Wasser wegschaufeln als andere. Was für andere Schwimmlegenden die riesigen Füße, seien bei ihr die Hände.

Ye: "Wir sind keine Roboter"

Ye selber sagt, dass sie für ihre Erfolge hart gearbeitet hat und dass sie niemals verbotene Substanzen nehmen würde. Da hätte das chinesische Team strenge Maßstäbe. Nach ihrem Triumph wirkte sie fast scheu. Nur einmal riss sie anfangs die Augen weit auf und lachte: "Ich bin so glücklich! Von all dem hätte ich nie zu träumen gewagt."

Auf alle anderen Fragen zu ihrem Erfolg wiederholte sie die stets gleiche Antwort. "Wir haben von Kindheit an ein sehr wissenschaftliches Training, da ist es für mich jetzt nicht mehr so schwer." Und: "Nein, wir sind keine Roboter."

Die Chinesen sind sauer, dass nun auch Sportfunktionäre darüber spekulieren, ob Ye vielleicht gedopt war. Sie haben die herausragenden Leistungen des Amerikaners Michael Phelps auch nicht angezweifelt – und der hatte bei den Spielen in Peking auch alle mit bis dahin unvorstellbaren Leistungen überrascht, sagt der chinesische Anti-Doping-Beauftragte Jiang Zhixue. Seit ihrer Ankunft in London hätten sich alle chinesischen Sportler Dopingtests unterzogen.

Auch der sonst sehr strenge deutsche Dopingexperte Werner Franke sagt, man könne nicht automatisch auf Doping schließen. Er hält Yes Leistung für "ungewöhnlich, auffällig und überprüfungswürdig", aber nicht für unmöglich.

"Gerade junge, früh trainierte Athleten sind mitunter zu außergewöhnlichen Leistungen fähig, weil sie von ihren besonderen Gewichtsverhältnissen profitieren", sagt er. Viele Schwimmkollegen springen Ye bei. Sie finden es unfair, ihre Leistungen ohne Beweise in Frage zu stellen.

Junge Schwimmerinnen räumen ab

Dass der Schwimmnachwuchs bei diesen Spielen erstaunliche Leistungen zeigt, bewiesen auch die Siegerinnen in 100 Meter Brust – Ruta Meilutyte aus Litauen und Missy Franklin aus den USA. Die 15-jährige Ruta, gewann Gold auf der Strecke über 100 Meter Brust. Missy ist erst 17 Jahre alt und hat bereits vier Gold-Medaillen gewonnen. Die beiden gelten ebenfalls als große Talente.

Auch wenn sich die Experten ihre Leistungen nicht immer erklären können, steht eines fest: Solange Olympia-Teilnehmern kein Doping nachgewiesen werden kann, gelten sie als unschuldig und dürfen sich über ihre Gold-, Silber- oder Bronze-Medaillen freuen.

Quelle: BM
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