02.07.12

Ausgestorben

Der letzte seiner Art

Die Riesenschildkröte "Lonesome George" trug einen satteligen Panzer. Das heißt auf Spanisch "Galápagos" wie die Inseln

Foto: dpa
Lonesome George
"Lonesome George" hatte nichts gegen Damen – doch Kinder zeugte die Riesenschildkröte keine. Mit ihm starb der letzte seiner Unterart

Er war seit seiner Entdeckung 1972 eine Berühmtheit – und doch ein recht einsamer Geselle. George, die 70 bis 100 Jahre alte Galápagos-Riesenschildkröte, die vor wenigen Tagen an Herzversagen gestorben ist. Er soll nun präpariert und zur Mahnung an einen besseren Schutz seiner Artgenossen in einem Informationszentrum des Galápagos-Naturparks ausgestellt werden.

Denn George war eine besondere Schildkröte: 90 Kilo schwer, sehr groß und zugleich der letzte Vertreter der Unterart abingdoni. Denn alle Versuche waren gescheitert, ihn mit verwandten Schildkröten-Damen von Nachbarinseln zu vermählen und Nachkommen zu züchten.

"Lonesome George", wie er genannt wurde, stammte von der Insel Pinta. Sie ist eine der 14 größeren Inseln des Archipels, aber genauso wenig von Menschen bewohnt wie rund 100 weitere, kleinere Inseln. Sie alle gehören zum Staat Ecuador. Gemeinsam ist ihnen ihre abgeschiedene Lage: rund 1000 Kilometer westlich des südamerikanischen Festlandes.

Entdeckung auf einer einsamen Insel

Forscher hatten George zufällig entdeckt; seine Art galt zuvor als ausgestorben. Das Reptil wurde zur Charles Darwin Forschungsstation auf der Insel Santa Cruz gebracht. Vermutlich per Boot. Riesenschildkröten sind Landtiere, sie können aber auch schwimmen. Galápagos ist bei Forschern beliebt und geschützt; wegen der einmaligen Flora und Fauna gehören die Inseln zum Weltnaturerbe der Unesco.

Weil sie so weit von anderen Landmassen entfernt sind, hatten sich dort viele besondere Pflanzen und Tiere entwickelt – sie kommen nur dort vor, was man "endemisch" nennt. Dazu gehören Seelöwen und Seebären, Reisratten, Rallen und eben Reptilien wie George.

Zur Entstehung der Galápagos-Riesenschildkröte gibt es verschiedene Theorien. Die Wissenschaftler Peter Pritchard und Adalgisa Caccone vermuten, dass es früher weltweit riesige Schildkröten gab und die Galápagos-Exemplare die letzten Überlebenden sind.

Festzustellen ist: Die zehn noch existierenden Unterarten leben auf verschiedenen Inseln des Archipels. Je nachdem, wovon sie sich ernähren, haben sie unterschiedliche Panzerformen ausgebildet. George zum Beispiel hatte einen sattelförmigen Panzer. Er erlaubt weite Bewegungen seines langen Halses – George konnte also Futter in größerer Höhe, von Büschen, abfressen.

Diese Sattelform ist Namensgeber der Inseln: Galápago bedeutet auf Spanisch Wulstsattel. Dagegen ist der kuppelförmige und im Vergleich flachere Panzer bei Tieren zu finden, die vorwiegend Bodenbewuchs abknabbern.

Galápagos-Riesenschildkröten können sehr alt werden. Bekannt ist Harriet aus dem Australia Zoo, die es auf vermutlich 176 Jahre brachte. Riesenschildkröten wie George und Harriet stehen auf der höchsten Schutzstufe des Washingtoner Artenschutzabkommens.

Wer sie sehen will, muss per Schiff oder Flugzeug anreisen. Man kann sich auch in Berlin einen Eindruck verschaffen: Im Tierpark sind Riesenschildkröten von den Seychellen zu sehen. Ihr Überleben gilt als gesichert. Noch.

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