02.07.12

Märchensammler

Es waren einmal … zwei Brüder

Vor 200 Jahren haben Jacob und Wilhelm Grimm ihre Märchensammlung herausgegeben. Sie wurde zum erfolgreichsten deutschen Buch der Welt

Von Wieland Freund
Foto: Brüder_Grimm_Museum

Eine Darstellung der Brüder Grimm aus dem Brüder-Grimm-Museum in Kassel. Jacob und Wilhelm Grimm wurden mit ihrer Märchensammlung weltberühmt. Sie waren dafür nicht viel auf Reisen. Viele ihrer Geschichten schickten ihnen Freunde und Bekannte zu

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Märchen gibt es schon immer – fast immer jedenfalls. Auf die Idee, sie zu sammeln und aufzuschreiben, musste aber erst einer kommen. Und vor 200 Jahren war es soweit. Damals begeisterten sich die Schriftsteller und Dichter gerade für die alten Zeiten – nicht für die große Kunst der Griechen und Römer allerdings, sondern eher für die kleine Kunst der kleinen Leute, des Mittelalters zum Beispiel.

Clemens Brentano war einer dieser Dichter. Und Clemens Brentano kannte zwei Brüder, die ein ziemlich verrücktes Hobby hatten: Sie waren Schatzsucher, allerdings hoben sie ihre Schätze in Bibliotheken. Die beiden hießen Jacob und Wilhelm Grimm, waren 20 und 21 Jahre alt und hatten ihr weniges Geld schon immer für Bücher ausgegeben – am liebsten für alte. Diesen beiden jungen Männern schlug Clemens Brentano vor, alte Märchen zu sammeln.

Aber wie macht man das? Aufgeschrieben hatte die Märchen ja noch keiner. In späteren Zeiten hat man sich gern vorgestellt, dass Jacob und Wilhelm Grimm an die Türen von Bauernkaten, die selbst wie Hexenhäuschen aussahen, geklopft und darum gebeten haben, dass man ihnen Märchen erzählt.

Freunde schickten ihnen Geschichten

In Wirklichkeit sind die beiden nicht viel herumgereist – dass sie einen Schäfer, dem sie beim Wandern zufällig begegneten, "um alte Erzählungen angingen", war eher die Ausnahme. Die meisten Märchen haben sie sich schicken lassen, oft von Freunden und Bekannten. Und die waren keine einfachen Leute, sondern oft sehr gebildet – und adelig obendrein: Das berühmte Märchen von den Bremer Stadtmusikanten zum Beispiel wurde den Grimms vom Freiherrn August von Haxthausen erzählt.

Und oft waren es auch junge Leute, die den Brüdern Grimm beim Märchensammeln halfen. Jeanette Hasenpflug etwa, die viele heute berühmte Märchen kannte, zum Beispiel das Rotkäppchen oder den gestiefelten Kater, war erst 21 Jahre alt. Woher sie die vielen Märchen kannte? Das Tischchendeckdich hat ihr, so hat es Wilhelm Grimm notiert, eine " alte Mamsell Storch" erzählt.

Öffentlich gemacht haben die Grimms ihre Quellen freilich selten. Nur von Dorothe Viehmann, die ihnen fast 40 Märchen erzählt hat, haben sie etwas ausführlicher berichtet – vielleicht, weil Frau Viehmann mit über 50 Jahren ihre älteste "Informantin" war und unserer Vorstellung von einer alten " Märchenfrau" am ehesten entsprach.

Aus demselben Grund dürften sie übrigens auch vom alten Dragonerwachtmeister Johann Friedrich Krause erzählt haben, der sich in Briefen an die Grimms für die vielen Rechtschreibfehler entschuldigte und seine Märchen gegen abgelegte Kleider eintauschen wollte – er hatte nämlich nicht viel Geld.

Wilhelm verschönerte die Märchen

Jacob und Wilhelm haben sich immer gut verstanden und ihr Leben lang mit ganz wenigen Ausnahmen zusammengelebt. Als sie allerdings ihre Märchen zusammen hatten, haben sie doch einmal gestritten. Jacob nämlich, der Ältere und Strengere, wollte die Geschichten lassen, wie sie waren. Wilhelm aber, der Jüngere, der immer etwas kränklich war, wollte sie ein bisschen verschönern.

Und Wilhelm hat sich durchgesetzt. So schöne Anfänge wie "Als das Wünschen noch geholfen hat …" stammen von ihm. Dass Grimms Märchen wie Grimms Märchen klingen, ist sein Verdienst. Als Buch erschienen sind die "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm im Jahr 1812 – in diesem Jahr also feiern sie ihren 200. Geburtstag. Und immer noch sind sie das erfolgreichste deutschsprachige Buch der Welt.

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