18.06.12

Kinderarbeit

Schuften statt Spielen

Millionen Kinder auf der Welt müssen Tag für Tag hart arbeiten – sie haben keine unbeschwerte Kindheit, sondern erleben bittere Armut und Ausbeutung

Foto: DPA
Studie: Ein Viertel der Arbeit in Nepal wird von Kindern erledigt
Der zehnjährige Kumar aus Nepal muss acht Stunden am Tag in einem Steinbruch arbeiten, um seine Familie zu unterstützen

Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung, auf Gesundheit, auf Freizeit und auf Schutz vor Ausbeutung – das sind nur einige der Kinderrechte, die die meisten Länder dieser Welt unterschrieben haben. Etwa 215 Millionen Kinder auf dieser Welt können von diesen Rechten nur träumen – wenn sie dazu überhaupt noch die Kraft haben. 71 Millionen Jungen und 41 Millionen Mädchen schuften in Steinbrüchen, in Baumwollspinnereien, auf Feldern und Plantagen oder werden bei gefährlichen Arbeiten unter Tage, beim Drogenschmuggel oder als Kindersoldaten ausgebeutet.

Weil in dieser Woche der "Tag gegen die Kinderarbeit" begangen wurde, machte die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in Genf mit diesen Zahlen auf die Situation der vielen Kinder aufmerksam, die schuften müssen um zu überleben. Meist kommen sie aus ländlichen Regionen oder sind Kinder von Wanderarbeitern. Ihre Familien sind so arm, dass sie sie mit ihrer Arbeit unterstützen müssen, oder sie sind Waisen, auf die keiner mehr achtgibt.

Keine Chance auf ein besseres Leben

Ihre Ausbeutung muss ein Ende haben, fordern die ILO und die internationalen Kinderschutzorganisationen. "Diese Kinder gehen selten oder gar nicht zur Schule, sie haben nie Zeit zum Spielen, ihre Kindheit wird zerstört", sagt Danuta Sacher, die Chefin des Kinderhilfswerks Terre des Hommes.

Damit das Leben für diese Kinder besser wird und auch sie die Chance bekommen zu lernen und sich aus der Armut zu befreien, müssten sich Politik und Wirtschaft mehr anstrengen. "Überall wo Regierungen Schutzgesetze gegen Kinderarbeit erlassen und auch kontrollieren, ob sie eingehalten werden, gibt es schon Fortschritte im Kampf gegen die Kinderarbeit", sagt Frau Sacher.

Und auch dort, wo international tätige Unternehmen wie Textilfabrikanten ihre Lieferketten kontrollieren, wird es besser. Um Kinderarbeit nicht zu unterstützen, können zudem Kunden, die zum Beispiel Teppiche, Spielzeug oder Kleidung aus Entwicklungsländern kaufen, fragen, unter welchen Bedingungen sie hergestellt werden.

Arme Familien brauchen die Hilfe ihrer Kinder

Doch wenn die Familien zu arm sind, um ohne die Hilfe ihrer Kinder zu überleben, haben die Kinder keine Chance. Für diese Familien müssen andere Einnahmequellen gefunden werden. Auch ein kostenloser Schulbesuch, Unterricht mit gut ausgebildeten Lehrern und Stipendienprogramme für arme Familien sind eine wirksame Unterstützung.

173 der damals 183 ILO-Staaten hatten 1999 ein Abkommen unterzeichnet, in dem sie sich verpflichten, Programme zur Bekämpfung von Kinderarbeit ins Leben zu rufen. Trotzdem könnte viel mehr getan werden.

Die Kinderkommission des Deutschen Bundestags unterstützt die Initiativen. "Der Teufelskreis aus fehlender Schulbildung, Kinderarbeit und Armut muss durchbrochen werden", sagt die Vorsitzende Diana Golze (Die Linke), "Kinder haben das Recht auf Spiel, Gesundheit, Bildung und kindgerechte Lebensbedingungen".

Quelle: gs mit dpa
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