18.06.12

Tag des Schlafes

Dein Freund, der Schlaf

Ein acht- bis zwölfjähriges Kind hat normalerweise fast die Hälfte seines Lebens geschlafen – untätig waren Geist und Körper in diesen Ruhepausen allerdings nicht

Von Gerlinde Schulte
Foto: DPA
Studie: Mädchen erinnern sich häufiger an Träume als Jungen
Viele Kinder schlafen am besten mit ihrem Kuscheltier ein

Am kommenden Donnerstag ist der "Tag des Schlafes". Dass der ausgerechnet auf den 21. Juni und die kürzeste Nacht des Jahres fällt, sollte niemanden irritieren, denn egal ob Sommer oder Winter, lange oder kurze Nächte, für Kinder ist es am besten, möglichst immer den gleichen Schlafrhythmus zu haben, sagt der Schlafforscher Prof. Ingo Fietze. "Der soll sich nach dem Hell-Dunkel-Rhythmus von Tag und Nacht richten – ist es im Sommer länger hell, macht man eben die Gardinen zu."

Der Professor muss es wissen. Er ist der Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums der Berliner Charité und hat das Schlafverhalten vieler Kinder und Erwachsener untersucht. "Für alle Menschen ist der Schlaf wichtig", sagt Fietze, "aber für Kinder ganz besonders".

Schlaf ist wichtig für das Wachstum

Dafür gibt es zwei Gründe: Kinder wachsen noch und das Hormon, das das Wachstum steuert, wird hauptsächlich in der Nacht ausgeschüttet. Gerät der Schlaf für eine längere Zeit durcheinander, kann sich das also auf das Wachstum auswirken. Der zweite Grund liegt darin, dass man sich den Schlaf auch schon als Kind verderben kann.

"Der ist ganz sensibel", sagt Professor Fietze. "Wer als Kind zu unregelmäßigen Zeiten und zu wenig schläft, hat dann auch noch als Erwachsener Probleme damit." Weniger als acht Stunden sollten Kinder zwischen acht und zwölf Jahren nicht schlafen, gern mehr.

Vor Mitternacht schläft man am besten, dann ist die Tiefschlafphase, die auch das Wachstum regelt. In der zweiten Nachthälfte träumen wir – dann verarbeiten wir die Eindrücke des Tages. Auch das ist wichtig, denn den ganzen Tag über strömen viel mehr Eindrücke auf uns ein, als wir mit unserem Gehirn aufnehmen und verarbeiten können. "Das wird in der Nacht gefiltert, das Wichtige bleibt drin, das Unwichtige fliegt raus", erklärt Prof. Fietze.

Lernen vor dem Schlafengehen

Diese Fähigkeit kann man übrigens auch beim Lernen nutzen. Wenn man eine halbe oder eine Stunde vor dem Einschlafen zum Beispiel noch die Vokabeln für die Englischarbeit wiederholt, kann man sich am nächsten Tag besser daran erinnern. Wer sich jedoch nach dem Lernen noch an ein herausforderndes Computerspiel setzt, oder etwas anderes tut, wo er sich konzentrieren muss, vergisst das zuvor Gelernte schneller und kann sich am nächsten Tag nicht so gut erinnern. Man sollte also lieber entspannende Dinge tun.

Schlafen kann wunderbar sein, und wer ausgeruht aufwacht, ist fitter, kann schneller handeln, sich besser konzentrieren und sieht auch noch besser aus, als jemand, der eine schlechte Nacht hinter sich hat. Trotzdem wollen viele Kinder nicht ins Bett.

"Das liegt oft daran, dass sie sich am Tag nicht genug ausgetobt haben", sagt Professor Fietze. "Wer nur seinen Kopf beansprucht und zu wenig Bewegung hat, der mag sich abends gar nicht hinlegen", sagt er. "Kinder, die beides hatten, fallen sogar richtig gern ins Bett."

Wie wichtig der Schlaf für den Menschen ist, lässt sich auch daran erkennen, wie viel Zeit er damit verbringt: Bei Kindern zwischen acht und zwölf Jahren ist es fast die Hälfte ihres Lebens. Ein Zehnjähriger hat durchschnittlich schon 4,86 Jahre geschlafen. "Wer gut schlafen kann, sollte das genießen", sagt Fietze. "Wie schön das Schlafen ist, verstehen viele erst, wenn sie mal eine Weile nicht schlafen können." Von Leuten, die stolz darauf sind, wenig Schlaf zu brauchen, sollte man sich jedenfalls nicht beeindrucken lassen.

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Jedem sein Ritual
  • Einschlafen

    Als Einschlafritual kann alles dienen, womit ein Kind sich wohlfühlt: Der eine braucht eine Gute-Nacht-Geschichte von der Mama, der andere liest lieber selbst noch ein wenig. Wieder andere hören noch Musik oder kuscheln mit dem Schmusebär. Wenn man nicht schlafen kann, kann auch ein Glas warme Milch mit Honig helfen – (Zähneputzen nicht vergessen!).

  • Träumen

    An unsere Träume erinnern wir uns nur, wenn wir mittendrin aufwachen. Das ist selten und auch gut so, denn die meisten unserer Träume sind keine „süßen Träume“, sondern negativ besetzt. So verarbeitet unser Geist die Dinge des Tages. Wenn man sich an Träume erinnert, ist es toll, sich mit Eltern oder Freunden darüber zu unterhalten. Besonders bei Albträumen.

  • Schlafwandeln

    Etwa jedes fünfte Kind ist ein Schlafwandler. Die Anlage dazu wird von den Eltern vererbt. Das Schlafwandeln nimmt mit den Jahren ab und ist selten gefährlich. Schlafwandler haben gute Schutzengel, sagt sogar der Mediziner Prof. Fietze. Nur in Ausnahmefällen kommen Schlafwandler zum Arzt in die Charité.

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