Forschung
"Rosie" räumt auf
Roboter werden dem Menschen immer ähnlicher: Sie leben in WGs, betreuen Patienten, bewachen tagsüber das Heim und können sogar Popcorn machen
Stell dir vor, es gäbe einen freundlichen Roboter, der dein Zimmer für dich aufräumt, die Klamotten in den Schrank legt, das herumliegende Spielzeug und die Schulsachen wegpackt und dich auch noch daran erinnert, welche Hausaufgaben anstehen – das könnte das Leben so viel einfacher machen! Heutige Grundschüler werden das alles weiter selber machen müssen, aber ihre Kinder könnten solche oder ähnliche Helfer schon ganz normal finden.
Seit Menschengedenken tüfteln Forscher an Maschinen, die uns das Leben erleichtern können, die Zeit sparen und uns lästige, schwere oder gefährliche Aufgaben abnehmen können – zum Beispiel im Haushalt, in Fabriken, im All oder beim Militär. Dass diese Maschinen auch aussehen wie Menschen, sich so bewegen wie Menschen und so intelligent und lernfähig sein könnten wie ihre Schöpfer, war jedoch lange ein Zukunftstraum. Inzwischen arbeiten Techniker weltweit an Robotern, die menschenähnliche Eigenschaften entwickeln können. Sie sind dabei weit gekommen:
Roboter sind lernfähig
Besser riechen und sehen als Menschen können die Roboter bereits. Nur ihre Bewegungen sind noch nicht so geschmeidig. Einige Roboter können schon eigenständig handeln und inspizieren zum Beispiel Industrieanlagen und Rohrleitungen auf mögliche Gaslecks. In einer Wohngemeinschaft der TU München leben mehrere Roboter unter einem Dach. Sie agieren eigenständig, rollen durch die Räume und haben zwei Arme. Und sie sind lernfähig. Das Modell "Rosie" etwa steckt eine Brotscheibe in einen Toaster, bestreicht sie mit Butter und legt Käse darauf. Es reichte, ihm dafür einmal den Bewegungsablauf vorzumachen. Währenddessen bereitet "James" Popcorn zu. Künftig sollen die WG-Bewohner auch die Wohnung aufräumen und Wäsche waschen. Das Ganze beobachtet der kleine "iCub", der durch die Wohnung krabbelt und alles, was er sieht, in seinem digitalen Gehirn abspeichert.
Grundsätzlich können sich die Maschinen ganz ohne menschliche Hilfe austauschen. Sind die Roboter auf Plattformen wie Myrobots.com oder Robo8earth.org registriert und mit dem Internet verbunden, laden sie eigenständig Fotos aus ihrer Umgebung auf die Plattform und teilen mit, was sie gerade machen – wie Menschen auf Facebook. Dort kann ein Roboter zum Beispiel zeigen, wie er es geschafft hat, Wasser in einen Becher zu füllen und ihn sicher abzustellen. Diese Fähigkeiten könnte er in einer App bündeln, die sich andere Roboter aus dem Netzwerk herunterladen. Sofern sie über die gleichen Eigenschaften und ähnliche Software verfügen, können sie das Verhalten dann imitieren.
Eine Maschine mit Gefühlen?
Ziel des EU-Projekts "Robot Companions for Citizens" ist die Entwicklung gefühlvoller Roboter, die auf möglichst natürliche Weise mit dem Menschen umgehen, ihre Umgebung erkennen und bewerten, Erfahrungen sammeln, Probleme erkennen und lösen – und die Ergebnisse übersichtlich aufbereiten. Am Stuttgarter Fraunhofer-Institut entwickeln die Forscher den "Care-o-Bot". Er serviert bereits eigenständig Getränke. Zukünftig soll er auch den Tisch decken, abräumen und putzen.
Zurzeit wird er in Altenheimen getestet. "Wir arbeiten derzeit daran, dass man ,Care-o-Bot' per Fernbedienung steuern kann. Über einen integrierten Touchscreen auf einem iPad sieht man einerseits, wo sich der Roboter gerade befindet, andererseits kann man ihm so Befehle erteilen, was er als Nächstes tun soll, zum Beispiel eine Wasserflasche greifen oder die Tür öffnen", sagt die Fraunhofer-Forscherin Birgit Graf.
Ein elektronischer Butler
Noch näher an den Menschen soll "Grace" heran. Dieser Roboter wohnt im Smart Home an Microsofts Hauptquartier in Redmond/USA. Die Maschine bewacht tagsüber das Haus und kümmert sich um alles, was anfällt. Kommen die Bewohner abends nach Hause, berichtet "Grace", was passiert ist. Dass sich etwa die Kinder per E-Mail gemeldet haben, oder dass er das Zweit-Elektroauto aufgeladen hat, damit der Bewohner noch zum Sport fahren kann. "Grace" liefert sogar Rezepte für die Zutaten, die im Kühlschrank liegen.
Bei allem Fortschritt, einen Menschen täuschen können die Maschinen noch nicht. Bisher hat kein Roboter den sogenannten "Turing-Test" bestanden. Bei dem sollen Testpersonen abschätzen, ob sie sich gerade mit einem (nicht sichtbaren) Menschen oder einer Maschine unterhalten. Noch werden die künstlichen Gesprächspartner häufig als solche entlarvt. Das ist auch gut so, denn ganz ersetzen kann der Roboter den Menschen nicht. Denn der Mensch ist auf Zuwendung und menschliche Wärme angewiesen. Vor allem die hält ihn bis ins Alter am Leben.















