Fußball kann man auch im Rollstuhl spielen
Beim Biesalski-Cup 2012 treten Kinder von acht Förder-Schulen gegeneinander an und machen ein Fest daraus
Wer glaubt, dass man für Fußball flinke Beine braucht, hat noch nie Rolli-Fußball gesehen. Mit Geschick, Tempo und Zusammenspiel kann man auch im Rollstuhl Tore schießen. Wie die Kinder von der Biesalski-Schule in Dahlem. Sie hatten am Montag zum 4. Biesalski-Cup sieben weitere Schulen zum Fußball und Rollstuhlfußball in drei Turnieren an den Hüttenweg geladen. Daneben gab es Spiele, Würstchen, frische Waffeln und Musik. Fast alle Teilnehmer kommen aus Schulen, die den besonderen Förderschwerpunkt körperlich-motorische Entwicklung haben, das heißt, sie unterrichten und fördern Kinder, die körperbehindert sind und zum Beispiel im Rollstuhl sitzen.
Viel Spaß am Zusammenspiel
Fatih (11) und Telse (14) gehören zum Team A der Biesalski-Schule und müssen gleich im ersten Spiel der Rolli-Fußballer antreten. Ein bisschen nervös sind sie noch, als sie mit den anderen Spielern auf dem Sportplatz begrüßt werden. Doch einmal in der Halle werfen sich die beiden ins Zeug. Sie jagen mit ihren Rollis über das Feld, doch Pech, die Gegner von der St. Hildegard-Schule schießen das einzige Tor, das Spiel geht verloren. Obwohl Fatih mitten im Spiel das Tor übernimmt und wacker alle weiteren Bälle hält.
Fatih ist trotzdem zufrieden – "Das war ein harter Gegner", meint er. "Aber wir haben gut gekämpft." Außerdem gibt es ja noch eine Chance weiterzukommen. Was zählt ist Fair Play und der Spaß am Zusammenspiel. Und den hat Fatih auf jeden Fall, besonders wenn er wie jetzt mit seinem Freund Ali im Team ist und wenn sein großer Bruder Faruk (17) ihn vom Spielfeldrand aus anfeuert. Zwischen den Spielen diskutieren die Jungen über die besten Strategien.
Auch wenn vieles anders ist als sonst beim Fußball, das Ziel ist gleich: Es gilt den Ball ins gegnerische Tor zu bringen und die Gegner daran zu hindern, Tore zu schießen. Der Ball darf dafür in alle Richtungen gerollt werden, mit dem Rollstuhl oder den Füßen gestoßen bzw. geführt werden.
Die Kinder geben ihr Bestes, da aber auch die Abwehr nicht schläft, ist der dicke Ball schnell mal zwischen drei oder vier Rollis eingekeilt – wer ihn freibekommt, kann damit vorpreschen. Da muss ein Torwart fix reagieren, denn die Rollifahrer werden ganz schön schnell, wenn sie freie Bahn haben.
Die Regeln sind überschaubarer: Ein Spiel dauert zehn Minuten, Mädchen und Jungen spielen zusammen in der Halle. Das Feld ist nur so groß wie ein Basketballfeld, der Ball so groß wie ein Hüpfball. Ein Team besteht aus drei Spielern und einem Torwart. Der Coach darf jederzeit Spieler auswechseln.
Nach Anstoß und Abstoß wird ein Tor nur gewertet, wenn ihm ein Pass vorausging. Wer gefoult wird, bekommt einen Freistoß, Eckball gibt's, wenn der Ball durch die Verteidigung ins Grundlinienaus gelangt, Torabstoß, wenn der Ball durch Angriff ins Grundlinienaus gelangt.
Mädchen sind genauso gut wie Jungs
Telse sitzt schon seit sie denken kann im Rollstuhl, sie kann ihre Beine nicht bewegen. Sie ist eigentlich Basketballerin, damit hat sie in der Kita angefangen und spielt nun im Verein. Zum Fußball musste sie überredet werden, erzählt sie. Das war vor zwei Jahren. Seitdem macht sie die Turniere mit, wenn Spieler gebraucht werden.
Beim ersten Spiel ist Telse allein mit nur Jungen auf dem Feld. Kein Problem: "Mädchen sind genauso gut wie die Jungs", meint sie, "und das Team ist nett". Dass einige Spieler ihre Füße bewegen können und auch einsetzen, stört sie nicht. "Man sollte keine Angst haben. Es kommt darauf an, schnell und wendig zu sein, dafür braucht man die Füße nicht", erklärt sie.
Gewonnen hat den Rolli-Cup das Team der Oberlinschule. Aber auch Telse und Fatih haben keinen Grund zur Trauer. Ihr blaues Team hat immerhin Platz vier belegt und viel Spaß gehabt.















