08.02.13

Zwischenzeugnis

Frau Freitags Ferien gingen viel zu schnell vorbei

Unsere Kolumnistin Frau Freitag arbeitet in Berlin an einer Sekundarschule und berichtet aus ihrem Alltag im Klassenzimmer.

Foto: BM

Frau Freitag schreibt wöchentlich für die Berliner Morgenpost
Frau Freitag schreibt wöchentlich für die Berliner Morgenpost

Letzte Woche Freitag. Die Übergabe der Zeugnisse ist gerade vorbei. Wie immer wird das Ende des Halbjahrs bei mir in der Küche gefeiert.

"Ich werde mir noch einen Staubsauger kaufen und das Küchenfenster putzen. Mehr habe ich in den Ferien nicht vor", sagt Fräulein Krise und lehnt sich zufrieden zurück. "Und was machst du den Rest der Zeit?", frage ich interessiert.

"Nichts", antwortet sie und bringt ihre Kaffeetasse zur Spüle.

Nichts. Wie macht man denn NICHTS? In den Ferien hat man doch unendlich viel Zeit, da kann man doch alles Mögliche machen. Da kann man verreisen, wenn man schlau und organisiert genug war, frühzeitig einen Flug zu buchen. Man kann die Wohnung aufräumen, putzen oder umdekorieren.

"Ich will diese Ferien endlich mal nutzen"

Oder man nimmt endlich die Dinge in Angriff, die einem schon das ganze Jahr im Nacken sitzen. Den Keller ausräumen und zum Sperrmüll fahren. Die Sommerkleidung wegsortieren, da sie der Winterkleidung den Platz wegnimmt. Allerdings lohnt sich das ja jetzt auch nicht mehr, denn es wird ja hoffentlich bald Frühling.

"Frau Freitag, warum bist du eigentlich nicht weggefahren?", fragt mich plötzlich Fräulein Krise.

"Ich??? Wegfahren? Nein, nein, nein, ich habe viel zu viel zu tun hier. Ich will diese Ferien endlich mal nutzen."

"Ah ja, was hast du denn vor?"

"Sperrmüll, Ikea, Baumarkt, Altkleidersammlung, Bücherei, Sportstudio, Verwandte besuchen, Wohnung aufräumen, Unterricht vorbereiten, ein neues Handy kaufen, Türkisch lernen, zum Friseur, zum Zahnarzt, meinen Arbeitsplatz aufräumen, den Flur streichen, Krankenkasse wechseln, Stromanbieter wechseln, Telefongesellschaft wechseln, die Steuer machen, den Mantel in die Reinigung bringen, die Lampe im Flur reparieren, eine neue Kaffeemaschine und eine Pfanne kaufen, die Fotos von meinen Schülern sortieren, ein Back-up von meinen Daten auf dem Laptop machen, meine Stiefel besohlen lassen, mal was Außergewöhnliches kochen und vor allem endlich mal mehr Zeit mit meinem Freund verbringen."

Schulferien fangen streng genommen erst am Montag an

Fräulein Krise guckt mich an. "Aha."

"Ja, nee, nee, Verreisen, das ist echt nicht drin. Dafür habe ich wirklich keine Zeit", sage ich. Fräulein Krise zündet sich eine Zigarette an, schiebt mir das Feuerzeug rüber und guckt zu mir. "Dir ist aber schon bewusst, dass wir nur eine Woche Ferien haben, oder?", fragt sie.

"Ja, natürlich, ich bin ja nicht blöd. Aber jetzt ist ja noch Wochenende, also jetzt sind ja noch gar nicht die richtigen Ferien. Heute ist ja erst Freitag. Morgen und übermorgen, die Tage gehören ja eigentlich noch als letztes Wochenende mit zur Schulzeit. Die Ferien fangen also streng genommen erst am Montag an. Und dann lege ich auch los. Ganz bestimmt!"

Fräulein Krise drückt ihre Zigarette aus und steht auf: "Du, ich muss mal los. Ich will noch zu Karstadt. Der Staubsauger, du weißt schon", sagt sie und geht. Staubsauger kaufen und ein Fenster putzen. Tzzzz, denke ich.

Ferien sind vorbei, aber es gibt noch das Wochenende

Das war letzten Freitag. Heute ist wieder Freitag. Die Ferien sind fast vorbei. Und, habe ich die Zeit gut genutzt? Auf jeden Fall habe ich mich ausgiebig informiert: "Günther Jauch", "Hart aber fair", "Tatort", "Goodbye Deutschland", "Homeland", "Familien im Brennpunkt", "Lindenstraße", "DSDS", Annette Schavan und immer wieder Brüderle und Heino. Und zum Schuster bin ich gegangen. Leider konnten meine Stiefel nicht besohlt werden, da der Schuster verreist war und sein Laden deshalb geschlossen hatte.

Nun gut, meine To-do-Liste ist nicht total abgearbeitet worden. Aber die Ferien sind ja noch nicht vorbei – ich hab ja noch das gaaanze Wochenende. Da kann man so einiges schaffen.

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