08.03.12

Tarifstreit

Kein Streik an Berlins Flughäfen am Freitag

Vorläufig Entwarnung für den Luftverkehr in Berlin. Die Gewerkschaft Ver.di wird am Freitag nicht zu Warnstreiks an den Flughäfen Tegel und Schönefeld aufrufen. Ein neues Angebot der Firma Globeground wird erst einmal geprüft.

Foto: dpa
Flughafen-Tarifstreit in Berlin
An den Berliner Flughäfen drohen wieder Streiks

Fluggäste müssen weiter bangen. Im Tarifkonflikt für das Bodenpersonal des Dienstleisters GlobeGround Berlin (GGB) an den Flughäfen Tegel und Schönefeld hat die Arbeitgeberseite am Donnerstagabend zwar ein nach eigenen Angaben verbessertes Angebot vorgelegt. Ob damit weitere Warnstreiks an den Berliner Flughäfen abgewendet werden können, blieb zunächst aber offen. Ver.di-Verhandlungsführer Jens Gröger zeigte sich am Abend skeptisch, ob das neue Angebot entscheidend zur Entschärfung des Konflikts beitragen kann. Am Freitagmorgen will er zusammen mit Mitgliedern der Ver.di-Tarifkommission das Schreiben von GlobeGround bewerten und über das weitere Vorgehen entscheiden.

Das neue Angebot sieht nach GGB-Angaben effektive Einkommensverbesserungen von durchschnittlich 1,9 Prozent vor – zusätzlich zum bereits gezahlten Inflationsausgleich in Höhe von 2,3 Prozent. Außerdem bieten die Arbeitgeber an, zeitnah Verhandlungen zu einem Flächentarifvertrag zu beginnen. Die Gewerkschaft hatte das gefordert, um im wachsenden Konkurrenzkampf der Branche Lohndumping vorzubeugen. "Mit unserem verbesserten Angebot wollen wir die von Ver.di ausgesetzten Gespräche wieder fortführen", sagte GGB-Geschäftsführer Bernhard Alvensleben. Ziel sei eine Lösung am Verhandlungstisch ohne weitere Warnstreiks.

Um 24 Uhr in der Nacht zu Freitag endete das Ultimatum, das Ver.di der Arbeitgeberseite gesetzt hatte, um ein "verhandlungsfähiges" Angebot vorzulegen. Sollte das nicht der Fall sein, hatte die Gewerkschaft mit kurzfristigen Arbeitsniederlegungen gedroht – möglicherweise schon am Freitag oder am Wochenende. Verhandlungsführer Gröger zeigte sich noch am Nachmittag pessimistisch. "Offensichtlich setzen die Arbeitgeber auf Konflikt – ich bin schon sehr enttäuscht", sagte er auf Anfrage dieser Zeitung. Zugleich signalisierte er aber die Bereitschaft, auch kurzfristig an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Gespräche könnten demnach bereits am kommenden Montag stattfinden. "Einen Raum habe ich vorsorglich schon reserviert", sagte Gröger.

Das bisherige Angebot der Arbeitgeberseite hatte Ver.di empört zurückgewiesen. Zwar hatte GlobeGround zuletzt Einkommensverbesserungen von bis zu 18 Prozent angeboten, das allerdings nur für die unteren Lohngruppen. Laut Ver.di würden davon nur 100 bis 150 der insgesamt 1500 GlobeGround-Mitarbeiter profitieren. Gleichzeitig wollte das Unternehmen das Grundgehalt aber auf 1850 Euro brutto begrenzen. Altbeschäftigte, die aktuell mehr verdienen, sollten nach dem bisherigen Angebot zwar einen besitzstandswahrenden Ausgleich erhalten, der jedoch mit allen künftigen Lohnerhöhungen verrechnet werden sollte. Die Arbeitgeber forderten auch, dass die Mitarbeiter auf zehn freie Tage verzichten, die sie bislang als Ausgleich für Arbeiten zu ungünstigen Zeiten erhalten. Zudem sollten sie künftig sogenannte Splitdienste leisten, also beispielsweise vier Stunden am Morgen und vier am Abend arbeiten.

Sechs Tonnen Gepäck täglich

Ver.di fordert hingegen ein Lohnplus von vier Prozent und bietet im Gegenzug die Verlängerung der Wochenarbeitszeit von derzeit 36 auf 37,5 Stunden an. Nach Gewerkschaftsangaben erhalten die GlobeGround-Mitarbeiter derzeit Monatsgehälter zwischen 1449 Euro und 2300 Euro, je nach Betriebszugehörigkeit. Dazu gibt es Zuschläge etwa für Nachtarbeit.

GlobeGround ist eine von zwei Firmen, die an den Flughäfen in Tegel und Schönefeld eine Lizenz für Bodendienste haben. 80 Prozent dieser Leistungen werden derzeit in Berlin von dem Unternehmen übernommen. Diese reichen von der Passagier- und Gepäckabfertigung bis zur Vorfeldkontrolle und zum Betanken der Flugzeuge. Vor allem das Verladen von Gepäck zählt zu den körperlich anstrengenden Tätigkeiten. Schwere Koffer müssen per Hand ein- und ausgeladen werden. Bis zu sechs Tonnen zu bewegende Last kommen dabei in einer Schicht zusammen. Das "Minusangebot" der Arbeitgeber für diesen "Knochenjob" könne man daher keinesfalls akzeptieren, sagte Gewerkschafter Gröger am Donnerstag.

Welche Auswirkungen der Tarifkonflikt haben kann, das wissen die Flugreisenden seit einer Woche. Am vergangenen Freitag hatte Ver.di mit zwei Streikaufrufen für Einschränkungen im Flugverkehr gesorgt. Am Morgen hatten die Bodendienstleister in Tegel für etwa drei Stunden die Arbeit niedergelegt, am Abend traf es Reisende in Schönefeld. In Tegel fielen mehr als 30 Flüge aus. Betroffen waren dort vor allem Air Berlin und Lufthansa. In Schönefeld wurden 14 Easyjet-Flüge gestrichen.

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