Hatz auf Giuseppe M.
U-Bahn-Schläger-Prozess in Berlin geplatzt
Im vergangenen September starb Giuseppe M., weil er vor Schlägern aus dem Berliner U-Bahnhof Kaiserdamm auf die Straße flüchtete. Knapp fünf Monate nach der tödlichen Hetzjagd sollte heute eigentlich das Verfahren gegen einen mutmaßlichen Täter beginnen. Doch der Prozess wurde vertagt.
Auf dem Waldfriedhof am Hüttenweg in Dahlem ist am Freitagvormittag der 23-jährige Giuseppe M. beigesetzt worden.
Der Prozess gegen einen mutmaßlichen U-Bahn-Schläger ist am Montag geplatzt. Nach der tödlichen Hetzjagd auf einen jungen Mann soll die Verhandlung am Landgericht gegen den 21-jährigen Ali T. wegen Körperverletzung mit Todesfolge nun erst am nächsten Montag beginnen. Dann soll auch sein mutmaßlicher Komplize Baris B. (22) mit vor Gericht stehen. Das Kammergericht hatte kurzfristig entschieden, dass sich beide zusammen in einem Verfahren verantworten sollen.
Ursprünglich sollte es zwei getrennte Prozesse geben. Dagegen hatte die Staatsanwaltschaft erfolgreich Beschwerde eingelegt. Der 21-Jährige ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Er sollte zunächst allein vor Gericht stehen. Der Komplize war nach Angaben von Ermittlern nicht an der Hetzjagd beteiligt. Er soll sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten - in einem abgetrennten Prozess.
Der Angeklagte und sein Freund sollen Giuseppe M. und dessen Begleiter am 17. September in der U-Bahnstation Kaiserdamm angegriffen haben. Nach kurzer Gegenwehr lief der 23-Jährige panisch auf die Straße und wurde von einem Auto erfasst.
Der Tod des jungen Mannes, der gerade seine Berufsausbildung fertig hatte, hatte Bestürzung und große öffentliche Anteilnahme ausgelöst. An dem Unfallort auf dem Kaiserdamm legten Menschen noch Wochen später Blumen nieder, dem Trauerzug folgten Hunderte. Ein Begleiter von Giuseppe M. hatte sich retten können. Am Montag waren auch Familienangehörige und Freunde des Opfers ins Gericht gekommen.
Ein älterer Bruder von Giuseppe M. sagte, er verspüre keinen Zorn, aber der Tod seines Bruders sei nach wie vor ein großer Verlust. Die Familie trage ihn im Herzen. Er glaube nicht, dass den Angeklagten zu helfen sei, sagte der 28-Jährige. "Doch wir wollen uns nicht verkriechen, sondern ein Zeichen setzen für die Gesellschaft, dass sich etwas ändert." Die Menschen sollten mehr Zivilcourage zeigen.
Die beiden mutmaßlichen Schläger hatten sich bei der Polizei gestellt. Der Hauptangeklagte, der in Untersuchungshaft sitzt, bestreitet laut Gericht, das Opfer in den Tod getrieben zu haben. Von dem Unfall habe er nichts mitbekommen. Die Prügelei im U-Bahnhof sei zudem nicht von ihm und seinem Bekannten ausgegangen, habe er zu Protokoll gegeben. Laut Gericht trug der Deutsche mit türkischen Wurzeln gelegentlich Zeitungen aus und wohnte bei seinen Eltern. Der Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Komplizen war aufgehoben worden.
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