Berlin Hei-Jo!
Was für einen Berliner Karneval spricht
Berlin feiert heute mit einem Umzug Karneval. Da mag manch einer den Kopf schütteln und die Nase rümpfen. Harald Grunert ist Rheinländer und Chef der "Ständigen Vertretung" in Mitte. Er schreibt, warum Berlin und Fasching doch zusammengehören.
Von Harald Grunert
Auch der Alte Fritz war ein Freund des Karnevals. Jedes Jahr lud Friedrich II. die höhere Gesellschaft, heute sagen wir: die Promis, zum Maskenball ins Berliner Schloss. Daran möchte ich im 300. Geburtsjahr des Preußenkönigs erinnern. Ob er sich als Gärtner von Sanssouci verkleidete, Flöte spielte oder mit Konfetti warf, wissen wir allerdings nicht.
Der Karneval in Berlin hat seine eigene Geschichte. Im 15. Jahrhundert führten zugezogene Lausitzer das Zampern ein, ein Tanzvergnügen mit Umzug. Seit 1743 wurden im Berliner Opernhaus Karneval-Redouten gefeiert.
Vor der Wende wurde viel im Saal gefeiert. Mit der Maueröffnung verbrüderten sich alle Berliner Karnevalisten und fügten ihre Karnevalsrufe "Berlin Hei-Jo" (Heiterkeit und Jokus, West) und "Karneval an der Spree – ole ole ole" (Ost) zusammen. Als mit dem Parlaments- und Regierungsumzug 30.000 Bürger aus dem Rheinland in die neue Bundeshauptstadt kamen, schlossen sich die Karnevalsfreunde zusammen und starteten 2001 einen Berliner Karnevalszug. Jahr für Jahr stiegen die Teilnehmer- und Zuschauerzahlen. Und die Berliner und Brandenburger sind fröhlich dabei. Weil er keine Kopie des Kölner Karnevalszugs ist, sondern seinen eigenen Stil hat.
Mit unserem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) habe ich manches gemeinsam: Freude am Leben, Lust zur Arbeit und Spaß am Feiern. Aber eines unterscheidet uns: Meine Heimat ist Köln, ich habe ein karnevalistisches Gen. Wowereit ist ein echter Berliner aus Lichtenrade und Karnevals-Muffel.
In Berlin hat der Karneval rheinischer Prägung keinen Humus. Aber die Berliner feiern, auch wenn sie nicht richtig schunkeln können, stets gerne mit. Weil sie von Natur aus wie die Rheinländer heiter, liberal und tolerant sind. Aber es gibt eine Verwaltung, die unserem über den Kurfürstendamm führenden Zug eine Höchstlautstärke von 70 Dezibel verordnet hat. Flüsterkarneval mitten in einer Großstadt, in der sich andere über Fluglärm aufregen – das finde ich wirklich komisch.
Ich lebe gern in Berlin. Die Berliner haben mit uns Rheinländern leben gelernt wie mit allen anderen, die in dieser offenherzigen Stadt zusammenwohnen, in der, wie Friedrich II. sagte, "ein jeder nach seiner Fasson selig werden" darf. Das ist ein schönes Motto für den Berliner Karneval.
Karneval in Berlin
Schon eine Woche vor Rosenmontag feiern die Berliner an diesem Sonntag den Straßenkarneval. Nach Angaben der Veranstalter werden mehr als 3000 Narren mit 35 geschmückten Festwagen durch die City West ziehen. 50 Tonnen Süßigkeiten wollen sie an Passanten verteilen – das Festkomitee rechnet mit etwa 700.000 bis 900.000 Schaulustigen und Mitfeiernden am Straßenrand. "Berlin ist keck – und wir sind jeck", lautet das Motto in diesem Jahr, in dem der Berliner Karneval zum 12. Mal stattfindet.
70 Dezibel sind die maximale Lautstärke, die der Umzug erreichen darf. Das entspricht in etwa der Lautstärke eines Staubsaugers. Faschingsvereine beklagen sich über einen von der Bürokratie verordneten "Flüsterkarneval".
Der Faschingszug mit dem Prinzenpaar Willi I. und Michaela I. beginnt um 11.11 Uhr am Olivaer Platz. Er führt über den Kurfürstendamm zum Wittenbergplatz. Von dort geht es weiter zur Hardenbergstraße in Charlottenburg, wo der Zug vor dem Ernst-Reuter-Platz endet. Der RBB überträgt den Zug in der Zeit von 12 bis 14 Uhr live. Die Abschlussparty beginnt um 16 Uhr in der Universal Hall in der Gotzkowskystraße in Moabit.
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