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09.02.12

Weißensee

Zoe ist "unter Augen des Jugendamtes gestorben"

Nach dem tragischen Tod der zweijährigen Zoe fordern Politiker im Berliner Abgeordnetenhaus mehr Personal für Kinderschutz . Wie konnte es – unter den Augen des Kinderschutzes – dazu kommen, fragen sie. Zoe sei kein Einzelfall.

© Steffen Pletl
Vernachlässigung

Nach dem tragischen Tod der zweijährigen Zoe aus Weißensee haben Politiker im Berliner Abgeordnetenhaus mehr Geld und Personal für den Kinderschutzes gefordert. Die Mitarbeiter der Jugendhilfe leisteten Enormes und dürften nicht pauschal der Unfähigkeit beschuldigt werden, betonten Abgeordnete aller fünf Fraktionen am Donnerstag. So fehle es dem Kinderschutz in Berlin nicht an Regeln und Verfahren, sondern vielmehr an Personal, diese umzusetzen. Zoes Mutter und ihre vier Kinder waren von einem Familienhelfer eines freien Trägers betreut worden.

Das kleine Mädchen sei "quasi unter den Augen des Jugendamtes gestorben", fasste der CDU-Abgeordnete Roman Simon zusammen. Zoe hatte eine Bauchfellentzündung nach einem Darmriss nicht überlebt - laut Staatsanwaltschaft gab es Anzeichen für äußere Gewalt im Bauchbereich der Kleinen. Experten bezweifeln, dass es in den Monaten zuvor keine Anzeichen von Gewalt und Misshandlungen bei dem kleinen Mädchen oder dessen Geschwistern gab. "Was sind freie Träger wert, die nicht hinsehen", fragte Simon.

Die Situation in den Jugendämtern sei problematisch, betonten die Fraktionen. "Zoe ist kein Einzelfall", sagte Piraten-Abgeordnete Susanne Graf. Es gebe immer mehr Fälle von Missbrauch, während die staatlichen Dienste zum Schutz der Kinder abgebaut würden. Simon betonte, zwar sei es Aufgabe der Eltern, ihre Kinder vor Gewalt und Verwahrlosung zu schützen. "Aber wo Eltern versagen oder gar Täter sind, ist die Gesellschaft gefordert."

Es wäre falsch, schnell einen Schuldigen zu finden

Der Druck auf die Helfer aber habe sich durch Etatkürzungen in der vergangenen Legislaturperiode deutlich erhöht, sagte die Linke-Abgeordnete Katrin Möller. Die Grünen-Abgeordnete Marianne Burkert-Eulitz kritisierte, angesichts des Spardrucks würden präventive Maßnahmen als erste gestrichen.

Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) verteidigte das stark kritisierte "Netzwerk Kinderschutz" – Berlin habe bei diesem Thema "nichts versäumt, sondern im Gegenteil viel getan", sagte sie. Zusammen mit Bezirken und freien Trägern habe das Land umfangreiche Maßnahmen zur Prävention, Krisenintervention und Beratung auf den Weg gebracht. So würden Neugeborene und ihre Familien in den Bezirken besucht, es gebe einen rund um die Uhr erreichbaren Krisendienst und Kinderschutzkoordinatoren. Familien- und Bildungspolitik sei ein zentraler Schwerpunkt des Senats, bundesweit sei Berlin beim Kinderschutz Spitzenreiter.

Im Fall Zoe dürfe es jetzt nicht um Schuldzuweisungen, sondern um den bestmöglichen Schutz von Kindern gehen. "Es wäre falsch, schnell einen Schuldigen zu finden." Die Fragen, ob die Familienhelfer Hinweise auf Misshandlung übersehen hätten oder es Fehler im System gebe, könnten noch nicht beantwortet werden.

Quelle: dpa/nbo
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