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01.02.12

Urteil

Berlinerin zecht und lässt ihre Kinder allein

2100 Euro Geldstrafe - so lautet das Urteil gegen eine Mutter, die im Sommer 2011 stundenlang in einem Berliner Lokal Cocktails trank, während ihre zwei und drei Jahre alten Kinder sich selbst überlassen waren. Andere Gäste hatten die Polizei alarmiert.

© picture-alliance/ dpa
Justitia - Die Göttin der Gerechtigkeit
Mit ihrem Freund hatte eine Berlinerin sich im Juni 2011 im Garten eines Lokals betrunken, während der dreijährige Sohn gefährlich nahe am vielbefahrenen Tempelhofer Damm spielte. Ein Gast musste das Kind zurückrufen. Die zweijährige Tochter soll derweil auf einem Zaun herumgeklettert sein

Im Falle Sabrina H. hat die Wachsamkeit der Mitbürger funktioniert. Die 23-Jährige wurde am Mittwoch von einem Moabiter Strafrichter wegen Verletzung der Fürsorgepflicht zu einer Geldstrafe von 2100 Euro verurteilt.

Es ist nicht bekannt, wie oft sie ihren fünfjährigen Sohn Dominik und ihre zweijährige Tochter Anastasia vernachlässigte. In drei Fällen jedoch wurde die Polizei informiert. Und beim dritten Mal reagierte dann auch das Jugendamt mit aller Konsequenz und ließ die beiden Kinder zum Kindernotdienst bringen.

Den ersten Anruf bei der Polizei gab es am 11. Mai 2011. Eine Nachbarin hörte auf der Straße Dominik laut nach seiner Mama schreien. "Er war barfuß und hatte sich in die Hose gemacht", sagte die als Zeugin geladene Nachbarin vor Gericht. Sie habe bei Sabrina H. geklingelt, jedoch ohne Erfolg. Erst nachdem sie die Polizei informiert hatte, sei die junge Mutter aus der Wohnung gekommen.

Vor Gericht erklärte die arbeitslose Sabrina H. dazu, sie sei eingeschlafen an diesem Morgen und habe nicht bemerkt, dass Dominik die Wohnung verließ.

Den zweiten Anruf bei der Polizei gab es Ende Mai. Wieder stand Dominik allein auf der Straße, ganz dicht am Rande der viel befahrenen Bergstraße in Steglitz. Und von der Mutter wieder keine Spur. Diesmal hatte eine alte Dame, die zwei Etagen höher wohnte, die Polizei informiert. Sie war außer sich, weil der Kleine fast in ein heranfahrendes Auto gerannt wäre. Ein Anwohner konnte ihn gerade noch zurückziehen.

Am 4. Juni schließlich saß Sabrina H. mit einem Freund auf der Terrasse eines Restaurants am Tempelhofer Damm. "Als ich gegen 22.30 Uhr kam, war das Paar schon stark angetrunken", berichtete ein Zeuge. Die Kinder spielten unbeaufsichtigt. Und er habe den kleinen Jungen mehrfach vom Straßenrand wegziehen müssen und zu seiner Mutter gebracht. Als der Zeuge Sabrina H. aufforderte, sich um ihre Kinder zu kümmern, spuckte sie ihn an und beschimpfte ihn. Wenig später stellte sich auf Nachfrage des Zeugen heraus, dass Sabrina H. mit ihrem Freund schon seit 16 Uhr zechte. Die Kinder hatten also mehr als sechs Stunden nichts zu essen bekommen – bis auf ein Glas Milch, das ihnen der Geschäftsführer des Lokals von sich aus gab.

Diesmal kam die Polizei. Sabrina H. und ihrem Freund, die ausfallend wurden und den Abtransport der Kinder zum Kindernotdienst verhindern wollten, mussten Handfesseln angelegt werden. Die 23-Jährige hatte fast zwei Promille Alkohol im Blut

Dominik und Anastasia wurden einige Monate in einer Pflegefamilie untergebracht. Seit einigen Wochen hat SabrinaH. die Kinder zurück und lebt jetzt mit ihnen in einer Einrichtung für Familien in Krisensituationen.

Sie bereue ihr Verhalten, sagte sie vor Gericht, und sprach von einem einmaligen Ausrutscher. In der Familieneinrichtung habe sie schon viel gelernt. Und sie strebe an, mit den Kindern wieder in der eigenen Wohnung zu leben. Gemeinsam mit dem Freund, mit dem sie am 4. Juni 2011 am Tempelhofer Damm zechte.

Quelle: mim
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