31.01.12

Kostenexplosion

ICC-Architektin kritisiert Sanierungskosten

Erst 50, dann 180 und zuletzt 328 Millionen Euro: Die geschätzten Kosten für die Sanierung des ICC steigen stetig. Architektin Schüler-Witte vermutet, dass die Politik so einen Abriss forcieren will.

Von Dirk Westphal
Foto: dapd/DAPD
ICC
Für die Sanierung des ICC sollen nach neusten Schätzungen bis zu 328 Millionen Euro nötig sein

In die Debatte um die Sanierung des Internationalen Congress Centrums (ICC) hat sich nun auch die Mitarchitektin des Gebäudes, Ursulina Schüler-Witte, eingeschaltet. Es sei "nicht nachvollziehbar", dass "kaum mehr ein Monat vergeht, in dem kein neues Gutachten zur Sanierung" des erfolgreichen Kongresscenters vorgelegt werde, sagte Schüler-Witte gegenüber Morgenpost Online. Sie hatte das ICC mit ihrem Mann, dem Architekten Ralf Schüler, entworfen. Im Jahr 1979 war es fertig geworden. Die damaligen Kosten betrugen umgerechnet rund 470 Millionen Euro.

Das Gebäude muss asbestsaniert werden. Geplant ist, dabei auch die "Gebäudegeometrie" zu optimieren. Der Anteil der Nebenflächen wie Flure, Foyers und Treppenhäuser an der Gesamtfläche des Hauses ist relativ hoch. Er soll verkleinert werden, um die Kosten-Nutzen-Bilanz des Messegebäudes zu verbessern.

Fraktionschef mischt sich ein

Wie berichtet, gibt es nun Schätzungen, die für die Sanierung bis zu 328 Millionen Euro veranschlagen. Noch vor vier bis fünf Jahren war von 50 bis 60 Millionen Euro die Rede. Zuletzt waren 180 Millionen Euro für die Sanierung veranschlagt worden. Am Wochenende hatte deshalb SPD-Fraktionschef Raed Saleh "ein Gutachten mit konkreten Zahlen" angemahnt . Ursulina Schüler-Witte empört dies. "Was wurde denn in den zig Gutachten zuvor ermittelt, nur Unkonkretes?", fragt die Architektin. Ebenso wenig sei nachvollziehbar, dass für die Sanierung, "die in erster Linie die Erneuerung der technischen Anlagen" sowie die Entsorgung des Spritzasbestes an Stahlträgern und deren Neuverkleidung umfasse, mittlerweile bis zu 65 Prozent der einstigen Neubaukosten veranschlagt werden. Es dränge sich der Verdacht auf, dass die Kosten "hochgepusht" würden, um einen Abriss des Hauses durchzusetzen.

Zwar hätten sich SPD und CDU in ihrem Koalitionsvertrag auf die Sanierung des Messegebäudes verständigt, aber angesichts immer neuer Kostenkalkulationen frage sie sich, wie ernst dieses Bekenntnis gemeint sei. Auch sei ihr unverständlich, so Schüler Witte, warum sie und ihr Mann nie zu Rate gezogen worden seien, um das Gebäude zu optimieren. Ihrer Meinung nach müsse man die gesamte Haustechnik gar nicht erneuern. Die Betriebskosten etwa ließen sich durch eine Solaranlage auf dem Dach reduzieren. Ihr Mann habe dazu vor Jahren Vorschläge unterbreitet, die aber nie aufgegriffen wurden.

SPD und CDU gegen Abriss

Nun würden Politiker die Entkernung des ICCs fordern, "mitunter ohne jedwede Detailkenntnisse" der Architektur. "Einige fordern nun sogar, das Haus in eine große Halle mit variabel verschiebbaren Wänden umzubauen. Doch das geht gar nicht. Das gibt die Statik des Gebäude gar nicht her", sagt Schüler-Witte.

Der Streit um die Zukunft des Internationalen Congress Centrums zieht sich schon seit Jahren hin. SPD und CDU haben sich im Koalitionsvertrag jetzt erneut gegen einen Abriss ausgesprochen.

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