30.01.12

Linksautonome

Polizei rechnet mit weiteren Krawallen in Berlin

In Berlin ist es wieder zu schweren Ausschreitungen der linksextremen Szene gekommen. Sie könnten sich wiederholen, befürchtet die Polizei. Denn im Februar jährt sich die Räumung der Liebigstraße 14 in Friedrichshain.

Foto: dapd
Berlin - Demonstration gegen Tagungen von Rüstungsindustrie und Polizei
In Friedrichshain und Neukölln ist es am Wochenende zu schweren Ausschreitugen gekommen.

Mehr als 70 Festnahmen und fast 50 verletzte Polizeibeamte sind die Bilanz schwerer Ausschreitungen der linksextremistischen Szene am Wochenende in Berlin.

Die Krawalle entzündeten sich am Sonnabendnachmittag im Stadtteil Neukölln bei einer Demonstration gegen "Polizeigewalt" und setzten sich in der Nacht zum Sonntag an einem früher von der Alternativszene genutzten Haus in der Liebigstraße 14 in Friedrichshain fort, das vor knapp einem Jahr zwangsweise geräumt worden war. In einem Fall ermitteln die Behörden wegen versuchten Totschlags.

Nach Darstellung der Polizei waren Randalierer kurz nach Mitternacht in den Hof der Liebigstraße 14 eingedrungen und hatten Fensterscheiben zerschlagen und den Hausflur besprüht.

Alarmierte Polizeikräfte wurden mit Steinen und Bauschutt beworfen sowie mit Feuerlöschmitteln und Laserpointern attackiert. Zudem wurden Autos und Müllbehälter in Brand gesetzt. Eine größere Gruppe von Randalierern zog sich später in die Rigaer Straße zurück.

Als Beamte versuchten, dort über eine Leiter in ein Treppenhaus einzusteigen, wurden die Beamten mit Löschschaum besprüht und mit einer Stange angegriffen, um die Leiter umzustoßen. Außerdem warfen die Störer laut Polizeiangaben mit Fensterglas und Farbeimern und setzten Pfefferspray ein.

Ein Beamter sei mit einer Eisenstange angegriffen worden, als er für kurze Zeit das mit Löschschaum bedeckte Helmvisier hochschob, berichtete die Polizei. Er habe nur dank einer schnellen Reaktion ausweichen können. Wegen dieses Vorgehens sei ein Ermittlungsverfahrens wegen versuchten Totschlags eingeleitet worden.

Laut Polizeibilanz gab es hier insgesamt 38 Freiheitsentziehungen. Davon wurden 25 Verdächtige wegen schweren Landfriedensbruchs festgenommen, drei weitere wegen versuchter schwerer Brandstiftung. Rund 160 Polizeibeamte waren im Einsatz.

Krawalle auch in Neukölln

Stunden zuvor waren bereits in Neukölln 35 Demonstranten festgenommen worden, nachdem am Rande eines Protestzuges Schaufenster zerstört und Polizisten angegriffen und verletzt worden waren.

Anlass der Demonstration war die sogenannte "International Urban Operations Conference", die kommende Woche in einem Berliner Hotel stattfindet. Militärexperten wollen dort über die Zukunft der Kriegsführung in Städten diskutieren - Kritiker der Veranstaltung sprechen von einem "Kriegskongress". Auch der Europäische Polizeikongress, der vom 14. bis 15. Februar in Berlin tagt, war Thema der Demonstration gegen "Repression und Polizeigewalt".

Die Demonstranten versammelten sich am Sonnabendnachmittag am Herrfurthplatz in Neukölln, um vor das Landeskriminalamt am Tempelhofer Damm in Tempelhof zu ziehen. Doch dazu kam es nicht mehr. Schon nach wenigen Minuten flogen die ersten Steine und Flaschen auf Polizisten.

Laut Polizeiangaben erklärten die Organisatoren nach gut 70 Minuten kurz vor dem Hermannplatz die Veranstaltung für beendet. Anschließend zogen linke Gruppen durch die Straßen und zerstörten Schaufenster. Es kam laut Polizei auch zu Diebstählen aus den Auslagen.

Beobachter bewerten die Ausschreitungen als Auftakt für mehrere "Krawall-Wochen" in Berlin. Vor einem Jahr waren in der Rigaer Straße und in der Liebigstraße im Stadtteil Friedrichshain zwei linke Wohnprojekte geräumt worden. Damals gab es heftige Gegenwehr.

Quelle: dpa/mim
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