29.01.12

Rauschgifthandel

100 Kilo Kokain für Berlin - Drogenbande angeklagt

Es für Berlin der größte Drogenfund seit Jahrzehnten. Im vergangenen August kamen 100 Kilogramm Kokain mit dem Schiff in Bremerhaven an – versteckt in Bananenkisten, bestimmt für Berliner Dealer. Die Polizei schnappte sechs Verdächtige. Jetzt wurde Anklage erhoben.

Foto: dapd/DAPD
Polizei sprengt Drogenhaendlerring
Zwei Jahre waren die Ermittler den Bandenmitgliedern bereits auf der Spur gewesen - im August 2011 schlugen sie zu und fanden 100 Kilogramm Kokain

In Bananenkisten war der "Stoff" versteckt. Es sollte der ganz große Deal werden. Doch als das Schiff in Deutschland ankam, warteten schon die Ermittler. Nun muss die Drogenbande mit einem Prozess rechnen.

100 Kilogramm Kokain, sechs Tatverdächtige, 200 Seiten Anklage: Nach einem spektakulären Drogenfund im Millionenwert hat die Berliner Staatsanwaltschaft die mutmaßliche Drogenbande angeklagt. Den Männern im Alter zwischen 35 und 52 Jahren wird bandenmäßiger Rauschgifthandel vorgeworfen, wie der Sprecher der Anklagebehörde, Martin Steltner, auf Anfrage mitteilte. Bei einer Verurteilung drohen dem Sextett Haftstrafen zwischen fünf und 15 Jahren.

Die Berliner Ermittler schlugen im August 2011 in Bremerhaven zu. Nachdem das Schiff aus Panama eingelaufen und das Kokain in einer Wohnung deponiert war, startete der Einsatz von Polizei und Zoll. "100 Kilogramm hochreines Kokain - das war für Berlin der größte Drogenfund seit Jahrzehnten", sagte Steltner. Die Ermittler landeten einer der größten Erfolge im Kampf gegen den internationalen Drogenschmuggel.

Was die Bande nicht wusste: Mehrere Informanten hatten die Polizei auf dem Laufenden gehalten. Knapp zwei Jahre waren die Verdächtigen beobachtet worden. Sie wollten eine "langfristige Lieferschiene" nach Berlin aufmachen und witterten ein Millionengeschäft mit dem Kokain aus Mittelamerika.

Telefone überwacht

Unklar blieb bislang, wie der hochreine "Stoff" auf das Schiff kam. Die Drogen sollen in einem verplombten Container versteckt gewesen sein. Dieser sei dann aufgebrochen, das Rauschgift in drei Sporttaschen umgepackt und der Behälter mit einem gefälschten Siegel wieder verschlossen worden.

"Im organisierten Rauschgifthandel wird hochprofessionell gearbeitet - das macht die Ermittlungen so schwierig. Da werden Handy-Karten ständig gewechselt, da wird verschlüsselt kommuniziert, vieles läuft über das Internet", sagte Sprecher Steltner. Die Ermittler überwachten in dem Fall mit Genehmigung des Gerichts Telefone.

Die sechs Angeklagten - zwei Deutsche aus Berlin sowie vier in Deutschland wohnende türkische Staatsangehörige - sitzen in Untersuchungshaft. Drei waren in der Hauptstadt, drei in Bremerhaven festgenommen worden. Bei einem der Männer wurde auch eine Schusswaffe beschlagnahmt. Der 52-jährige Deutsche bestreitet laut Staatsanwaltschaft die Vorwürfe, die anderen schweigen.

Die Berliner Ermittler gehen zwar von einer abschreckenden Wirkung des Falls aus. Doch sie sind auch Realisten: Weltweit könne nur ein Teil der Containerfrachten kontrolliert werden, hieß es.

Quelle: dpa/ap
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