Tod in der Schwulenszene
Berliner nach Blind-Date zerstückelt
Er traf sich zu Sexspielen mit einem Unbekannten – und wurde von ihm grausam ermordet. Nun hat die Polizei die Leiche des seit Wochen vermissten Berliner Bankers entdeckt - in einer Wohnung in Berlin-Mariendorf. Der gruselige Fall weckt Erinnerungen an frühere kannibalistische Verbrechen.
Darauf waren die Polizisten nicht vorbereitet, als sie einen Verdächtigen befragen wollten. Blutüberströmt öffnet der Mann ihnen die Tür seiner Wohnung in der ruhigen Markgrafenstraße in Berlin-Mariendorf. Er hat sich die Arme aufgeschlitzt, hält sich auf den Beinen und zeigt den Beamten das Ergebnis seiner schrecklichen Tat: In einem Zimmer liegen die Körperteile eines Mannes. Der 43-Jährige gibt unumwunden zu, ihn getötet zu haben.
Der Anblick erschüttert selbst hartgesottene Ermittler – die Glieder wurden vom Torso getrennt, der Kopf gekocht. Wollte der Mörder sein Opfer vielleicht verspeisen, zögerte aber dann doch? "Es liegen uns keine kannibalistischen Anzeichen vor", sagt ein Justizsprecher am Mittwoch. Allerdings liegt der Verdacht nahe, dass die Fantasien des Täters in diese Richtung gegangen sein könnten.
Bei dem Toten handelt es sich um einen seit Neujahr vermissten Bankangestellten. Den Ermittlungen zufolge verabredete sich der ahnungslose 37-Jährige mit seinem Mörder zum zwanglosen Sex. "Im Verlauf sado-masochistischer Praktiken tötete der Beschuldigte sein Opfer vorsätzlich zur Befriedigung des sexuellen Triebs", erklärt Steltner. Gegen den geständigen Täter liegt ein Haftbefehl wegen Mordes vor. Nachbarn beschreiben ihn als freundlich und unauffällig.
Der Fall weckt Erinnerungen an einen Berliner Fall vor fast acht Jahren. Im Oktober 2004 zeigte ein damals 41-Jähriger der Polizei in seiner Neuköllner Wohnung die zerstückelte Leiche eines Mannes. Im Kühlschrank lagen das Herz und andere Organe. Das Fleisch soll er aber nicht gegessen haben, hieß es damals. Schon damals fühlten sich indes viele an den Kannibalen von Rotenburg erinnert, der 2001 einen Mann vor laufender Kamera tötete und dann teilweise verspeiste.
Wie sein Opfer soll der 43-Jährige sich regelmäßig über das Internet zu "harten Sexspielen" verabredet haben, heißt es von Ermittlern. So auch am 1. Januar: Seinem Lebensgefährten erzählte der Banker am Abend noch von dem Treffen nach seiner Thekenschicht in einer Schwulen-Sauna am Mehringdamm. Der 37-Jährige half dort neben der Arbeit aus. Gegen 23.30 Uhr hob er Geld von einem Bankautomaten in der Nähe der Sauna ab. Es ist sein letztes Lebenszeichen.
Die zerhackte Leiche lag den Ermittlern zufolge schon länger in der Wohnung. Der 43-Jährige verpackte die Körperteile in Folie und lebte dort einfach weiter. Nachbarn merkten nichts. Die genaue Todeszeit blieb auch nach der Obduktion zunächst unbekannt. Der Täter liegt derzeit im Krankenhaus, wo er ein volles Geständnis ablegte. Er hatte sich das Leben nehmen wollen, als sich die Fahnder ankündigten.
Die schwule Gemeinschaft zeigt sich indes über die Tat entsetzt. In Internetforen drückten viele Nutzer ihr Beileid aus. Andere berichten von ähnlichen brenzligen Situationen mit "Blind-Dates". Kenner der Szene wie der Lesben- und Schwulenverband Deutschland warnen schon lange vor den Verabredungen mit vollkommen Unbekannten. Ein User schreibt nach Bekanntwerden der Tat: "Anonyme Sexkontakte haben immer ein Restrisiko."
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