Marx und Engels
Ramsauers Vorstoß stößt auf Widerstand
Bis heute stehen Karl Marx und Friedrich Engels in Berlins historischer Mitte –in doppelter Lebensgröße. Bundesbauminister Ramsauer will die Bronzegestalten nun aus der City verbannen. Berlins Kulturstaatssekretär Schmitz wirft Ramsauer Geschichtsvergessenheit vor.
Die Luftaufnahme zeigt die Museumsinsel (vorn) in Berlin, den Dom (Mitte) und eine eingesetzte Computergrafik des geplanten Berliner Schlosses, dem Humboldt-Forum.
Streit um das Denkmal für Karl Marx und Friedrich Engels in Berlin: Der Vorschlag von Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU), die Gestalten der kommunistischen Vordenker aus der Hauptstadt-Mitte auf den Gedenkfriedhof der Sozialisten im Ost-Stadtteil Friedrichsfelde zu verbannen, stößt auf Widerstand. "Geschichtsvergessen" nannte Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz die Idee. "Eine Auslagerung nach Friedrichsfelde, um aus der dortigen Gedenkstätte eine Art sozialistischen Streichelzoo zu machen, kann hier nicht die richtige Antwort sein."
Ramsauer hatte sich in die Diskussion um die Neugestaltung der Mitte Berlins rund um das künftige Berliner Schloss eingeschaltet. Der Schloss-Wiederaufbau biete die Chance, im Berliner Stadtbild die alte historische Achse wieder sichtbar zu machen. Das Denkmal für Marx und Engels sei besser auf dem Friedhof in Friedrichsfelde aufgehoben, wo auch die ermordeten Kommunisten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ruhen. "Das ist so eine Art sozialistisches Reste-Zentrum", sagte der christlich-soziale Politiker.
"Die Aufforderung von Peter Ramsauer an Berlin, sich mit dem modernen Wiederaufbau der untergegangenen Berliner Altstadt als einer großen urbanen städtebaulichen Aufgabe zu stellen, ist richtig", sagte Schmitz. Diese Aufgabe könne allerdings nicht damit beginnen, dass als erstes das Marx-Engels-Denkmal abgeräumt wird.
"Geschichte lässt sich so nicht entsorgen", sagte der Kulturstaatssekretär. Eine Neugestaltung des Gründungsortes der Stadt Berlin sollte sich möglichst an den historischen Stadtplan halten. Das Marx-Engels-Denkmal sei aber Zeugnis einer ganz bestimmten Geschichtsepoche und sollte würdig aufgestellt werden.
Das Denkmal, das wegen der Anzüge, in denen die beiden Theoretiker des Kommunismus stecken, im DDR-Volksmund auch "Sakko und Jacketti" genannt wurde, war 1986 aufgestellt worden. Die Bronzegestalten des sitzenden Marx und des stehenden Engels waren vom Bildhauer Ludwig Engelhardt in doppelter Lebensgröße gestaltet worden. Seit dem Mauerfall waren immer wieder Forderungen laut geworden, das Denkmal zu versetzen. Bereits 2010 musste es wegen des Baus der U5 etwas versetzt werden.
Auf dem Ort des Marx-Engels-Forums entstanden im 14. Jahrhundert die ersten Siedlungen Berlin und Cölln. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Stadtviertel völlig zerstört.
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