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18.01.12

Marx und Engels

Ramsauers Vorstoß stößt auf Widerstand

Bis heute stehen Karl Marx und Friedrich Engels in Berlins historischer Mitte –in doppelter Lebensgröße. Bundesbauminister Ramsauer will die Bronzegestalten nun aus der City verbannen. Berlins Kulturstaatssekretär Schmitz wirft Ramsauer Geschichtsvergessenheit vor.

Franco Stella - FS HUF PG/dapd

Die Luftaufnahme zeigt die Museumsinsel (vorn) in Berlin, den Dom (Mitte) und eine eingesetzte Computergrafik des geplanten Berliner Schlosses, dem Humboldt-Forum.

15 Bilder

Streit um das Denkmal für Karl Marx und Friedrich Engels in Berlin: Der Vorschlag von Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU), die Gestalten der kommunistischen Vordenker aus der Hauptstadt-Mitte auf den Gedenkfriedhof der Sozialisten im Ost-Stadtteil Friedrichsfelde zu verbannen, stößt auf Widerstand. "Geschichtsvergessen" nannte Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz die Idee. "Eine Auslagerung nach Friedrichsfelde, um aus der dortigen Gedenkstätte eine Art sozialistischen Streichelzoo zu machen, kann hier nicht die richtige Antwort sein."

Ramsauer hatte sich in die Diskussion um die Neugestaltung der Mitte Berlins rund um das künftige Berliner Schloss eingeschaltet. Der Schloss-Wiederaufbau biete die Chance, im Berliner Stadtbild die alte historische Achse wieder sichtbar zu machen. Das Denkmal für Marx und Engels sei besser auf dem Friedhof in Friedrichsfelde aufgehoben, wo auch die ermordeten Kommunisten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ruhen. "Das ist so eine Art sozialistisches Reste-Zentrum", sagte der christlich-soziale Politiker.

"Die Aufforderung von Peter Ramsauer an Berlin, sich mit dem modernen Wiederaufbau der untergegangenen Berliner Altstadt als einer großen urbanen städtebaulichen Aufgabe zu stellen, ist richtig", sagte Schmitz. Diese Aufgabe könne allerdings nicht damit beginnen, dass als erstes das Marx-Engels-Denkmal abgeräumt wird.

"Geschichte lässt sich so nicht entsorgen", sagte der Kulturstaatssekretär. Eine Neugestaltung des Gründungsortes der Stadt Berlin sollte sich möglichst an den historischen Stadtplan halten. Das Marx-Engels-Denkmal sei aber Zeugnis einer ganz bestimmten Geschichtsepoche und sollte würdig aufgestellt werden.

Das Denkmal, das wegen der Anzüge, in denen die beiden Theoretiker des Kommunismus stecken, im DDR-Volksmund auch "Sakko und Jacketti" genannt wurde, war 1986 aufgestellt worden. Die Bronzegestalten des sitzenden Marx und des stehenden Engels waren vom Bildhauer Ludwig Engelhardt in doppelter Lebensgröße gestaltet worden. Seit dem Mauerfall waren immer wieder Forderungen laut geworden, das Denkmal zu versetzen. Bereits 2010 musste es wegen des Baus der U5 etwas versetzt werden.

Auf dem Ort des Marx-Engels-Forums entstanden im 14. Jahrhundert die ersten Siedlungen Berlin und Cölln. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Stadtviertel völlig zerstört.

Stichwort: Humboldt-Forum und Stadtschloss
Das Humboldt-Forum soll als Museum, Bibliothek und kultureller Veranstaltungsort genutzt werden. Es soll seinen Platz in einem Gebäude finden, das nach den Plänen des italienischen Architekten Franco Stella dem 1950 gesprengten Stadtschloss nachempfunden wird. Aufgebaut wird strenggenommen nur die Fassade, und auch die wird nur an drei Seiten das historische Bild wiedergeben. Die vierte Seite wird modern gestaltet.
552 Millionen Euro soll der Wiederaufbau kosten, und genau das ist ein Punkt, der viele Kritiker auf die Palme bringt. Sie stehen auf dem Standpunkt, dass mit dem Geld sinnvollere Dinge erledigt werden könnten.
Das meiste Geld stammt vom Steuerzahler. Der Bund beteiligt sich mit 440 Millionen Euro, das Land Berlin mit 32 Millionen Euro. 80 Millionen Euro sollen über Spenden finanziert werden. Die Wiedererrichtung des Schlosses als Humboldt-Forum ist eines der größten Bauvorhaben des Bundes.
Im Humboldt-Forum sollen unter anderem die außereuropäischen Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz untergebracht werden. Zudem sollen ein Museum zur Geschichte des Schlosses, die Kinder- und Jugendabteilung der Zentral- und Landesbibliothek Berlin und Einrichtungen der Humboldt-Universität einziehen.
Der Grundstein für das Stadtschloss wurde nach Angaben der Gesellschaft Berliner Schloss bereits am 31. Juli 1443 gelegt. Der Baumeister Andreas Schlüter formte es später zum größten Barockbauwerk nördlich der Alpen. Im Februar 1945 brannte das Gebäude nach einem Luftangriff teilweise aus. 1950 veranlasste Walter Ulbricht die Sprengung, um einen Platz für Massenaufmärsche zu schaffen.
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