Nach Sanierung
Wo Stasi-Chef Erich Mielke einst herrschte
Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Mauerfall ist ein Kernstück der früheren Stasi-Zentrale in Berlin mit Millionenaufwand saniert worden. Dazu gehört auch das Arbeitszimmer von Stasi-Chef Mielke. Ab Sonnabend kann sich jeder davon ein Bild machen.
Der frühere Dienstsitz des Ministers für Staatssicherheit der DDR, Erich Mielke, in der Berliner Normannenstraße, ist für 10,6 Millionen Euro denkmalgerecht saniert worden. Am Samstag soll das heutige Stasi-Museum mit einem "Bürgerfest" wieder der Öffentlichkeit übergeben werden. Dazu werden unter anderem der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, und seine beiden Amtsvorgänger, Joachim Gauck und Marianne Birthler, erwartet. Das Motto lautet "Wissen wie es war" geplant. Danach kann Haus 1 täglich besichtigt werden.
Das Geld für die Sanierung des 1961 fertiggestellten Gebäudes wurde im Rahmen des Gedenkstättenkonzeptes des Bundes vom Bundesbauministerium aus Mitteln des Konjunkturpakets II zur Verfügung gestellt. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) bezeichnete die frühere Stasi-Zentrale bei einem Rundgang am Mittwoch als einen wichtigen "Ort der Täter", der bewahrt werden müsse.
"Ihre denkmalgerechte Sanierung ist ein weiterer bedeutender Meilenstein bei der verstärkten Aufarbeitung des SED-Unrechts", sagte Neumann am Mittwoch in der Hauptstadt. "Gerade von hier ging der unmenschliche Terror aus, der die DDR als Diktatur, als einen Staat mit Unterdrückung und Repression kennzeichnete."
Der Bundesbeauftragte Jahn sagte, es gebe keinen besseren Ort, um den nachfolgenden Generationen zu vermitteln, was Diktatur bedeutet. Er wünsche sich, dass das frühere Stasi-Gelände in der Normannenstraße in Zusammenarbeit mit Opferverbänden und Bürgerrechtsinitiativen zu einem "Campus der Demokratie" gestaltet werde, an dem durch Bildungs- und Aufklärungsarbeit das Demokratiebewusstsein gestärkt wird.
Der Staatssekretär im Bundesbauministerium, Rainer Bomba (CDU), sprach von einem Ort von großer historischer und emotionaler Bedeutung. In jeder Ecke des Gebäudes spiegele sich der Geist der DDR "bis ins Detail" wieder, sagte Bomba.
Das 1960/1961 errichtete Haus 1 gilt als Herzstück des etwa zwei Hektar großen Areals in Berlin-Lichtenberg, auf dem die Stasi bis zur Erstürmung durch Bürgerrechtler und Demonstranten am 15. Januar 1990 ihre Zentrale hatte. In den Amtsräumen von Stasi-Chef Mielke eröffnete im November 1990 das Stasi-Museum, das sich auch als Forschungs- und Gedenkstätte versteht.
In den vergangenen 18 Monaten wurde unter anderem Mielkes Arbeitszimmer wieder in den Originalzustand von 1961 versetzt. Zudem wurde die Fassade originalgetreu saniert und der alte Bodenbelag ausgetauscht. Betreiber des Museums ist der Verein Antistalinistische Aktion Normannenstraße.
Das Bürgerfest im Stasi-Museum Normannenstraße findet am Sonnabend, 14. Januar 2012, zwischen 11 und 18 Uhr in der Ruschestraße 103 statt.
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