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10.01.12

Lebensgefährlicher Angriff

Ermittlung wegen versuchten Mordes nach Überfall

Der Staatsschutz des Landeskriminalamtes ermittelt nachdem lebensgefährlichen Überfall auf einen jungen Ausländer in Prenzlauer Berg wegen versuchten Mordes. Von den drei unbekannten Schlägern fehlt weiter jede Spur. Das Opfer befindet sich in einem kritischen Zustand.

© Massimo Rodari
Massimo Rodari
Schönhauser Allee Ecke Eberswalder Straße: Hier kam es zu dem brutalen Überfall auf einen 23-Jährigen

Nach dem lebensgefährlichen Angriff auf einen jungen Ausländer in Berlin-Prenzlauer Berg hat der Staatsschutz des Landeskriminalamtes die Ermittlungen übergenommen. Die Fahnder schließen einen rechtsextremen Hintergrund nicht aus, sagte eine Polizeisprecherin am Dienstag. Ermittelt werde wegen versuchten Mordes. Unterdessen blieb die Suche nach den drei unbekannten Schlägern auch am Dienstagnachmittag weiter erfolglos.

Die nach Zeugenaussagen 20 bis 25 Jahre alten Männer hatten am Sonntagmorgen in der Nähe des U-Bahnhofs Eberswalder Straße den 23-Jährigen zunächst mit ausländerfeindlichen Parolen beleidigt. Zwei Zeugen versuchten noch – vergeblich – zu schlichten, als der 23-Jährige auf die drei dunkelgekleideten Männer losging. Die drei Männer verletzten ihn durch Schläge und Tritte lebensgefährlich.

Mit ihren Tritten gegen den Kopf des bereits am Boden liegenden jungen Mannes brachen die kahlgeschorenen Schläger ihm fast das Genick. Ein Halswirbel wurde verletzt, zudem erlitt er einen Nasenbeinbruch. Danach flüchteten die dunkelgekleideten Täter zu Fuß.

Der Überfallene hatte zuvor eine etwa gleichaltrige, blonde Frau nach dem Weg gefragt und anschließend auf einen Kaffee eingeladen. Die drei Unbekannten mischten sich ein und beschimpften den 23-Jährigen fremdenfeindlich.

Das Opfer befindet sich in einem kritischen Zustand. Eine bereits für Montag geplante Operation sei verschoben worden, berichtete die Polizei am Dienstag. Die beiden Zeugen sollten am Donnerstag weiter vernommen werden. Auch die Suche nach der unbekannten Frau werde fortgesetzt. Die Polizei rief zudem mögliche Zeugen dazu auf, sich zu melden.

Rechtsextreme Gewalt in Berlin
In Berlin ist es in den vergangenen Jahren immer wieder zu rechtsextremen Gewalttaten gekommen. Eine Chronologie:
6. Oktober 1999: Der 38-jährige Sozialhilfeempfänger Kurt Schneider wird in Berlin-Lichtenberg von vier Skinheads zu Tode gequält.
6. November 2001: Der 36-jährige Ingo B. wird in einer Berliner Wohnung von drei angetrunkenen Rechtsextremisten getreten, geschlagen und gewürgt, da sie angeblich Schulden eintreiben wollten. Er stirbt daraufhin an einem Herzinfarkt.
24. Mai 2006: Ein 29-jähriger Türke wird in Prenzlauer Berg von vier Männern geschlagen und getreten. Dabei rufen die Täter fremdenfeindliche Parolen.
22. Juni 2006: Ein 14-jähriger Vietnamese wird in Lichtenberg von Rechtsextremisten überfallen. Die drei Unbekannten fallen dabei in der Frankfurter Allee über den Jugendlichen her, brüllen fremdenfeindliche Sprüche und schlagen und treten auf ihr Opfer ein.
1. Juni 2007: Ein 33-jähriger Afrikaner und seine 43 Jahre alte Bekannte werden in Treptow von vier Männern beschimpft, geschlagen und mit einem Baseballschläger bedroht.
22. Juli 2007: Im Lichtenberger Weitlingkiez bedroht ein betrunkener 32-jähriger Rechtsextremist in einem Imbiss eine 19-jährige Vietnamesin.
6. Januar 2009: Am Ostbahnhof in Friedrichshain schlagen mehrere Neonazis einen Punk krankenhausreif. Zunächst pöbeln die Täter den 38-Jährigen an, dann schlagen und treten sie auf ihn ein.
12. Juli 2009: Vier Neonazis aus Brandenburg schlagen in der Nähe der Diskothek „Jeton" in Berlin-Friedrichshain einen Studenten bewusstlos. Anschließend verletzten sie ihn mit einem „Bordstein-Kick" lebensgefährlich.
14. Mai 2010: Drei Rechtsextreme attackieren in Rudow Touristen in einem BVG-Bus. Einer der Männer schlägt einem 20-Jährigen ins Gesicht, eine der Frauen wird beleidigt. Dann verschwanden die drei Neonazis aus dem Bus. Der aus dem Libanon stammende junge Mann wurde leicht im Gesicht verletzt.
27. Juni 2010: Vier Neonazis greifen in einer Straßenbahn in Oberschöneweide einen 23-jährigen Mann an. Einer der Täter tritt ihm gezielt gegen den Kopf und verletzt ihn dabei schwer.
Quelle: dpa/www.amadeu-antonio-stiftung.de
Quelle: dpa/nbo
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