Bilanz für 2011
Kriminalität in Berlin steigt erstmals seit Jahren
Gestohlene Autos, ausgeräumte Wohnungen – tausende solcher Anzeigen musste die Berliner Polizei in diesem Jahr in der Zeit von Januar bis November aufnehmen. Und damit reißt ein Trend ab: Die kriminellen Delikte in der Hauptstadt sind nicht wie in den letzten Jahren weiter zurückgegangen, sondern ganz im Gegenteil – angestiegen.
Erstmals seit Jahren hat die Kriminalität in der Hauptstadt 2011 wieder zugenommen. "Wir haben einen Aufwärtstrend, der zum Teil besorgniserregend ist. Dieser geht vor allem auf eine massive Steigerung der Eigentumsdelikte zurück – das reicht vom Trickdiebstahl über Fahrraddiebstahl bis hin zum Einbruch in Wohnungen und Villen", sagte die amtierende Polizeipräsidentin Margarete Koppers.
Die vorläufige Bilanz für dieses Jahr (Januar bis November) verzeichnet insgesamt knapp 454.700 Straftaten – das sind rund 18.500 Fälle mehr als im Vorjahr. Damit stieg die Zahl krimineller Delikte um 4,3 Prozent. Die Aufklärungsquote sank leicht und liegt jetzt bei 46 Prozent (minus 2,2 Prozent). Wie 2010 starben bislang 38 Menschen durch vorsätzliche Tötungsdelikte, die Zahl der versuchten Taten stieg jedoch leicht an (plus 6 Fälle).
In den Vorjahren hieß es, Berlin habe den niedrigsten Stand der Kriminalität seit der Wiedervereinigung erreicht. "Das hat sich leider nicht fortgesetzt", erklärte Koppers.
Rund 9730 Mal wurde in diesem Jahr in Berliner Wohnungen eingebrochen, wie Koppers sagte. Das seien knapp 24 Prozent mehr als noch 2010. 1640 Villen wurden heimgesucht – 27 Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 24.200 Fahrräder wurden gestohlen – eine Zunahme von knapp 29 Prozent. Die Polizei vermutet, dass ein Teil der Täter aus Osteuropa kommt. "Es zeichnet sich ab, dass da organisierte Tätergruppen zugange sind. Das sind Profis", so Vizepräsidentin Koppers.
Die 50-Jährige übernahm im Juni kommissarisch die Leitung der deutschlandweit größten Polizeibehörde nach der Pensionierung von Polizeichef Dieter Glietsch. Die Neubesetzung des Spitzenpostens wurde zweimal gerichtlich gestoppt und ist weiter vakant.
"Wir versuchen, den Diebstahlstaten durch repressive und präventive Maßnahmen entgegenzuwirken – es gibt auch international intensive Bemühungen um eine verstärkte Zusammenarbeit der Polizei", betonte die amtierende Polizeichefin. Gebildet wurden spezielle, länderübergreifende Ermittlungsgruppen, die bereits Erfolge haben: Es habe erste Festnahmen gegeben. "Doch reisende Täter zu fassen, ist sehr schwierig – die sind ganz schnell wieder weg." Es gebe Anhaltspunkte dafür, dass dieselben Täter, oft zu zweit oder dritt unterwegs und bestens trainiert, auch in den neuen Bundesländern sowie im Ausland zugange seien.
Kurze Wege nach Osteuropa
"Berlin ist allerdings besonders belastet – wegen der kurzen Wege nach Osteuropa, wo das Diebesgut zum Teil auf Bestellung veräußert wird." Nur knapp jeder vierte Diebstahl könne derzeit aufgeklärt werden, sagte Koppers.
Die amtierende Polizeipräsidentin riet den Berlinern, verstärkt auf ihr Eigentum zu achten. "Die Diebe bevorzugen Altbauwohnungen im Zentrum der Stadt – auch weil dort ein erschreckend hoher Anteil gar nicht gesichert ist. Manche Wohnungen sind nicht einmal abgeschlossen. Da haben Diebe leichtes Spiel." Koppers empfahl, sich an den Beratungsladen der Polizei am Platz der Luftbrücke zu wenden und Einbruchsicherungen einzubauen.
"Die organisierten Täter versuchen nicht stundenlang, in eine Wohnung einzudringen und alle möglichen Sicherungen zu überwinden. Es muss schnell gehen." Deshalb seien vernünftige Sicherungsmittel der beste Schutz vor Einbrüchen. Das werde auch durch den hohen Anteil an versuchten Taten (rund 38 Prozent) bestätigt. Mitgenommen werde alles, was sich "unauffällig und leicht transportieren lässt" – etwa Schmuck und Geld.
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