Prenzlauer Berg
XXL-Verkehrsschilder für unachtsame Autofahrer
Auf der Choriner Straße in Prenzlauer Berg haben seit Sommer Fahrradfahrer Vorrang. Da aber nicht alle Autofahrer das erkennen, warnen jetzt überdimensionierte Zeichen auf dem Asphalt. Es soll bereits Wirkung zeigen.
Von Sabine Flatau
Es ist nicht zu übersehen. Acht mal vier Meter groß ist das Verkehrszeichen auf der Choriner Straße in Prenzlauer Berg. "Langgestreckt, damit es der Autofahrer aus seiner Perspektive gut sieht", sagt Pankows Stadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Grüne). Erst vor einigen Tagen ist das überdimensionierte Zeichen für Fahrradstraße markiert worden. "Es zeigt schon Wirkung", sagt Kirchner. "Wir bekommen seither keine Beschwerden mehr von Radlern über rücksichtslose Autofahrer." Solche Beschwerden habe es zuvor häufig gegeben, so der Stadtrat. "Und handgreifliche Auseinandersetzungen."
Preiswerte Lösung
Seit diesem Sommer ist die Choriner Straße eine Fahrradstraße. Deshalb sei, wie vorgeschrieben, die Zufahrt zur Straße eingeengt worden, sagt Kirchner. Zwei Schilder am Straßenrand weisen die Fahrradstraße aus, jeweils 75 mal 75 Zentimeter groß. "Doch die werden oft geflissentlich übersehen." Autofahrer hätten mit Radlern gestritten, weil diese auf der Straße nebeneinander fuhren. "Das ist aber ihr gutes Recht auf dieser Strecke." Die Streitigkeiten "sind bei uns gelandet", sagt Kirchner. Das neue Schild auf der Fahrbahn solle eine freundliche Erinnerung an den Mann oder die Frau hinter dem Lenkrad sein. "Das ist billiger, als wenn man Schwellen auf der Fahrbahn montiert oder Pflastererhebungen. Und billiger als viele Verkehrskontrollen." Der Stadtrat ist gespannt, welche Langzeitwirkung das Fahrbahnzeichen hat. "Wir werden es ein halbes Jahr beobachten. Wenn es wieder Beschwerden und Gefährdungen für Radfahrer gibt, dann funktioniert die freundliche Erinnerung nicht mehr."
Die Choriner Straße wird von vielen Radfahrern genutzt. "Sie ist eine Querverbindung zwischen Prenzlauer Berg und Mitte", sagt eine Mitarbeiterin des ADFC Berlin. "Man muss nicht mehr über die großen Straßen fahren, zum Beispiel die Brunnenstraße. Das entspannt die Situation." Das große Zeichen auf der Fahrbahn sei nicht zu übersehen. Auch auf anderen Straßen in Prenzlauer Berg sind die XXL-Zeichen aufgebracht. "Da, wo es Verkehrsgefährdungen gibt", sagt Kirchner. An der Senefelderstraße, nahe der Grundschule im Eliashof und dem Kindermuseum, ist das Zeichen für die verkehrsberuhigte Zone auf der Fahrbahn zu sehen. Es wirkt. "Eltern haben uns mitgeteilt, dass viele Autos jetzt langsamer und vorsichtiger fahren", sagt Kirchner. Auch auf der Schönhauser Allee sind übergroße Verkehrszeichen zu sehen – sie zeigen an mehreren Stationen die Straßenbahnhaltestelle an. Die Zeichen seien nicht aufgemalt, sondern als Plastedispersion aufgetragen, sagt Stadtrat Kirchner. "Das hält länger." Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat das Experiment mit den großen Schildern im Blick. "Wir freuen uns, wenn ein Bezirk das ausprobiert, und sind gespannt auf die Wirkung", sagt Sprecher Mathias Gille.
Doch die Fahrbahnen in Prenzlauer Berg sollen nicht mit übergroßen Bildern überschwemmt werden. "Sie werden nur dort aufgebracht, wo es nötig ist, ", sagt Kirchner. "Wir wollen es nicht inflationär betreiben." Derzeit sind keine weiteren Markierungen riesiger Verkehrszeichen auf Straßen vorgesehen. Die Idee der XXL-Schilder sei eine Weiterentwicklung der Verkehrszeichen auf der Fahrbahn, sagt Kirchner. Vergrößerte Markierungen gebe es schon seit längerem auf der Thaler Straße in Blankenburg und auf der Lehderstraße in Weißensee.
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