Vertragsverlängerung
Dieter Kosslick bleibt Chef der Berlinale
Die ersten Wettbewerbsfilme stehen fest, die Berlinale-Jury ist mit Stars wie Charlotte Gainsbourg, Jake Gyllenhaal und Barbara Sukowa komplett und der Berlinale-Direktor Dieter Kosslick bleibt auch über das Jahr 2013 in seinem Amt.
Von Hanns-Georg Rodek
Dieter Kosslick (63) bleibt auch über das Jahr 2013 hinaus Berlinale-Direktor. "Der Staatsminister für Kultur und Medien, Bernd Neumann, hat mir ein Angebot zur Vertragsverlängerung gemacht, was mich sehr gefreut hat", sagte Kosslick am Dienstag. "Es ist schön, dass ich die Berlinale weiter leiten kann", erklärte Kosslick, der seit 2001 Chef der Internationalen Filmfestspiele Berlin ist. Der geplante Vertrag soll – so eine Sprecherin des Kulturstaatsministers – voraussichtlich bis 2016 laufen.
Seit 2001 führt er die Berlinale
Kosslick hatte die Berlinale nach der 20 Jahre dauernden Ära von Moritz de Hadeln im Jahr 2001 übernommen und sie grundsätzlich neu ausgerichtet. Er schloss Frieden mit den deutschen Filmemachern, die sich auf ihrem Festival nicht mehr so recht willkommen gefühlt hatten und nahm gleich in seinem ersten Jahr vier ihrer Filme in den Wettbewerb; er führte den Talent Campus ein, auf dem jedes Jahr 500 hoffnungsvolle Jungregisseure Kontakte mit Industrieprofis knüpfen können; er steigerte die Zahl der verkauften Eintrittskarten auf 300.000, und er veränderte das hochernsthafte Image der Berlinale auch international in ein Event, bei dem man Spaß haben kann – trotz Schnee, Eis und Regen, die selbst er nicht abzuschaffen vermochte.
Allerdings wuchs im Lauf der Jahre auch die Unzufriedenheit der nationalen und internationalen Kritikerschaft mit dem Schaufenster der Berlinale, dem Wettbewerb. Die wesentlichen Trends des vergangenen Jahrzehnts – der Siegeszug Bollywoods, der neue rumänische Film, der Aufstieg des chinesischen Kinos, die großen Dokumentationen – spiegelten sich dort nur selten.
Kosslick geriet auch (unverschuldet) in das schwierige Fahrwasser des vorgezogenen Oscar-Termins und der nun weltweit nahezu parallelen Filmstarts; beides macht es schwieriger für ihn, sein Festival mit so vielen Stars zu spicken, wie die Sponsoren, TV-Anstalten und Politiker von ihm erwarten.
Programm verteidigt
Die Kritik mündete in ein Symposium des Verbands der deutschen Filmkritik im Herbst zur Zukunft zur Berlinale. Kosslick sagte zunächst seine Teilnahme zu, zog diese Zusage aber wieder zurück, weil er fürchtete, an den Pranger gestellt zu werden (was allerdings auch in seiner Abwesenheit nicht geschah). Auch jetzt, anlässlich der Bekanntgabe seiner Vertragsverlängerung, wies der Berlinale-Direktor Kritik am Wettbewerbsprogramm erneut zurück, "Viele der Filme des Wettbewerbs und des offiziellen Programms sind auf zig internationalen Festivals gelaufen; mehrere bei jeweils so renommierten wie dem New York Filmfestival oder beim Telluride Film Festival in Colorado", sagte Kosslick der dpa.
Drei der Wettbewerbsfilme von 2011, "The Turin Horse" von Béla Tarr, "Pina" von Wim Wenders sowie "Nader und Simin – Eine Trennung" von Asghar Farhadi seien von ihren Ländern für den Oscar vorgeschlagen worden und hätten auch an den Kinokassen reüssiert. "Für die internationale Filmgemeinschaft", so Kosslick, "ist Asghar Farhadis Film eine der großen Entdeckungen des Jahres 2011." Der iranische Filmemacher wurde für sein Drama in diesem Jahr mit dem Goldenen Bären geehrt, sein Schauspielerensemble wurde zudem mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.
Der Bär wird der Star der Festivalplakate. "Die bunten Varianten des Berlinale-Bären auf dem Plakatmotiv 2012 eignen sich hervorragend, auf die Vielfältigkeit und den Facettenreichtum der Berlinale gestalterisch anzuspielen und die Stadt auf das große Ereignis einzustimmen", hieß es gestern. Die Filmfestspiele gehören zur Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH, eine Dachorganisation für Berlinale, Haus der Kulturen der Welt, Berliner Festspiele und Martin-Gropius-Bau. Kulturstaatsminister Bernd Neumann hatte sich bereits im Herbst in einem Interview für eine Verlängerung des Kosslick-Vertrages ausgesprochen.
Über die Umstände der Verlängerung war am Dienstag noch nichts Genaues bekannt – weder, ob eine Ausschreibung stattfand, noch, ob es andere Kandidaten gab. Spätestens zur nächsten Berlinale – Start ist am 9. Februar 2012 – wissen wir mehr.
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