Nahverkehr
U-Bahn-Schläger - Mutiger Helfer wird Prügelopfer
Ein 59-jähriger Mann ist auf dem U-Bahnhof Osloer Straße von Jugendlichen geschlagen worden. Auch auf den Bahnhöfen Berliner Straße und Kottbusser Tor ist es zu Gewalttaten gekommen.
Von Andreas Gandzior
Versuchter Mord, Überfälle, Schlägereien, Beschimpfungen: Die Zahl der gewalttätigen Übergriffe in Berlins U- und S-Bahnhöfen nimmt zu. Und oft sind Alkohol und Drogen mit im Spiel. Es vergeht kaum eine Woche, in der es nicht in einer der Stationen zu strafbaren Handlungen kommt. Auch in der Nacht zum Sonnabend ist es erneut zu Auseinandersetzungen zwischen aggressiven Jugendlichen und Fahrgästen gekommen.
Es ist gegen 3.30 Uhr. In einem Wagen der U9 in Richtung Bahnhof Zoo sitzen drei junge Männer. Sie trinken Bier aus der Flasche. Ebenfalls unterwegs sind mehrere Fahrgäste mit dunkler Hautfarbe. Die drei offenbar angetrunkenen Männer fangen an, sich laut und abfällig über die Fahrgäste zu unterhalten. Ein 59-jähriger Mann ist Augen- und Ohrenzeuge der Beleidigungen. Er fordert das Trio auf, die rassistischen Äußerungen zu unterlassen. Auf dem U-Bahnhof Osloer Straße eskaliert die Situation.
"Nachdem alle Beteiligten die Bahn verlassen hatten, richteten sich die verbalen Aggressionen gegen den Mann, der den anderen Fahrgästen helfen wollte", sagt Polizeisprecher Alexander Tönnies. "Er ging auf die drei Männer zu und gab ihnen zu verstehen, dass er dieses Verhalten nicht dulde." Nach Angaben der Polizei will der 59-Jährige nach dem Wortwechsel seinen Heimweg fortsetzen. In diesem Moment holt ein 24 Jahre alter Täter aus und schlägt ihm mit einer vollen Bierflasche gegen den Kopf. Der Zeuge erleidet eine Kopfplatzwunde. "Es ist ihm aber gelungen, durch Rufe andere Fahrgäste auf dem Bahnhof auf sich aufmerksam zu machen", sagt Tönnies. "Die haben den Täter bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten." Die beiden Kumpane entkommen. Gegen den Festgenommenen wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Der Verletzte musste ambulant in einer Klinik behandelt werden.
Zeugen greifen ein
Ebenfalls in der Nacht zum Sonnabend greifen vier unbekannte Täter ohne ersichtlichen Grund einen 27 Jahre alten Mann in Wilmersdorf an und verletzten ihn schwer. Auf dem U-Bahnhof Berliner Straße hat er den Zug verlassen und wird grundlos von dem Quartett geschlagen. Dann ziehen sie ihn eine Treppe hinunter und treten auf ihn ein. "Zwei unbekannte Zeugen haben den Tätern gedroht, die Polizei zu alarmieren", sagt ein Polizeisprecher. "Erst daraufhin haben die aggressiven Jugendlichen von ihrem Opfer abgelassen und sind geflüchtet." Der verletzte Mann wird zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.
Auch auf dem U-Bahnhof Kottbusser Tor in Kreuzberg kommt es in den frühen Morgenstunden zu einem Zwischenfall. Gegen 4.45 Uhr versprüht dort ein bislang unbekannter Mann Reizgas. Zwei Männer im Alter von 22 und 24 Jahren sowie eine 32-jährige Frau erleiden Augenreizungen. Sanitäter der Feuerwehr behandeln die drei Verletzten. Der Täter kann flüchten.
Für die weiteren Ermittlungen wurden die Videoaufzeichnungen der BVG aus den Überwachungskameras auf den Bahnhöfen gesichert. Sie werden nun ausgewertet. Derzeit sind es im Durchschnitt zehn Fälle am Tag, an denen die BVG der Polizei Videos für Ermittlungen übergibt. Die Polizei warnt ausdrücklich vor falschem Heldentum. "Wir raten, körperliche Konfrontationen möglichst zu vermeiden", sagt Tönnies. "Auf keinen Fall sollten Zeugen von Straftaten den Helden spielen. Wenn es möglich ist, aus sicherer Entfernung die Polizei alarmieren."
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