Anschläge auf Weihnachtsmarkt
Zwei weitere Giftschnaps-Opfer melden sich
Erst nach mehreren Tagen haben sich zwei weitere Opfer des "Giftmischers" gemeldet. Damit erhöht sich die Zahl der geschädigten Personen auf zehn. Bei seinem jüngsten Auftritt war der Mann, der das Getränk anbot, als Weihnachtsmann verkleidet.
Wie erst am Sonntagabend bekannt wurde, gab es zwei weitere Opfer, die nach eigenen Angaben durch den Genuss von Schnaps vergiftet worden sind.
Eine 31-jährige Frau stellte gegen 18.30 Uhr auf einer Polizeiwache Anzeige. Sie war am Abend des 7. Dezembers auf dem Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz unterwegs, als sie und ihr 33-jähriger Begleiter gegen 21 Uhr von einem Mann angesprochen wurden. Der Unbekannte ist etwa 40 Jahre alt, um die 1,80 Meter groß und bot den beiden - wieder unter dem Vorwand, gerade Vater geworden zu sein - mitgebrachte Schnapsfläschchen aus seinem Rucksack zum Trinken an.
Kurz darauf klagte die 31-Jährige über Übelkeit und musste sich übergeben. Erst durch die Berichterstattung in den Medien wurde sie auf die Vergiftungsfälle aufmerksam und entschloss sich zu einer Anzeige. Ihrem 33-jährigen Bekannten sei es ebenso ergangen wie ihr.
Bisher gibt es keine Hinweise auf den Tätern, der seit Mittwoch auf Berliner Weihnachtsmärkten vergiftete Getränke verteilt haben soll. Bis Sonntagabend hätten sich keine Zeugen gemeldet, die konkrete Mitteilungen hätten geben können, sagte ein Polizeisprecher am Montag.
Insgesamt zehn Menschen erlitten durch Getränke, die ihnen in Schnapsflaschen oder in Getränkebechern am Alexanderplatz, an der Gedächtniskirche und am Opernpalais gereicht wurden, Vergiftungen.
Die Polizei warnt nachdrücklich vor dem Konsum von Getränken, die nicht an den Ständen des jeweiligen Weihnachtsmarktes gekauft wurden.
Am Sonnabend war eine weitere Weihnachtsmarktbesucherin dem perfiden "Giftmischer" zum Opfer gefallen. Am Sonnabend war die 15-Jährige von dem unbekannten Mann auf dem Markt am Einkaufszentrum Alexa zu dem vergifteten Getränk eingeladen worden. Das Mädchen war zu diesem Zeitpunkt auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs und wartete auf Freunde.
Im Gegensatz zu ihrer Freundin habe sie zwei bis drei Schlucke aus dem Pappbecher genommen, sagte die 15-Jährige der Polizei. Kurze Zeit später sei ihr übel geworden. Sie sei dann noch eine Weile auf dem Markt unterwegs gewesen, habe sich aber auf dem Heimweg mehrfach übergeben müssen. Zu Hause habe sie ihrem Freund von dem Vorfall erzählt. Dieser habe aufgrund der Presseberichte in den letzten Tagen eine Verbindung vermutet. Er sei es auch gewesen, der noch in der Nacht die Polizei alarmiert habe.
Fremde Substanz ähnlich K.o.-Tropfen
"Das Mädchen wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht und es wurde eine Blutprobe entnommen", sagte Polizeisprecher Stefan Yongsing-Yü. "In ihrem Blut haben die Ärzte eine fremde Substanz ähnlich K.o.-Tropfen gefunden." Das Mädchen konnte das Krankenhaus nach der Untersuchung wieder verlassen.
Ob es eine Verbindung zu den bisher bekannt gewordenen Giftanschlägen auf den Weihnachtsmärkten und dem Fall des 15-jährigen Mädchens auf dem Alexanderplatz gibt oder ob es sich in um den gleichen Täter handelt, ist noch unklar. "Durch die Verkleidung als Weihnachtsmann können die Täterbeschreibungen nicht miteinander verglichen werden", sagte Polizeisprecher Stefan Yongsing-Yü. "Auch ist die Vorgehensweise eine völlig andere. Der Mann war verkleidet, er hat die Personen anders angesprochen und er hat die Getränke in Pappbechern verteilt."
Mit dem jüngsten Zwischenfall am Alexanderplatz steigt die Zahl der Vergiftungsversuche auf insgesamt acht. In allen Fällen litten die Opfer unter Übelkeit, Krampfanfällen oder Bewusstseinsstörungen. Was genau in die Getränke gemischt wurde, wird derzeit noch untersucht. Sicher ist bislang nur, dass es sich um eine Art von K.o.-Tropfen handeln soll. Am Montag sollen die Ergebnisse der Analysen aus dem kriminaltechnischen Labor vorliegen.
Der Mann, dem die ersten sieben Taten zur Last gelegt werden, soll etwa 1,80 Meter groß sein, kurze dunkelblonde Haare haben und Hochdeutsch sprechen. Er soll ein rundes Gesicht haben. Im Zusammenhang mit den Fällen der vergangenen Tage warnt die Polizei davor, von Fremden angebotene Getränke anzunehmen, besonders, wenn der Fremde Gelegenheit hatte, diese unbemerkt zu manipulieren. Hinweise auf den Täter nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.
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