9. November
Berlin erinnert an Mauerfall und Pogromnacht
In Deutschland wird am Mittwoch des Jahrestags des Mauerfalls am 9. November 1989 und der Judenpogrome der Nationalsozialisten von 1938 gedacht. Auch in Berlin kreisen zahlreiche Veranstaltungen um das geschichtsträchtige Datum.
Berlin hat an den Fall der Mauer vor 22 Jahren erinnert. In der Kapelle der Versöhnung auf dem früheren Todesstreifen in der Bernauer Straße wurde am Mittwochvormittag der Maueropfer gedacht. Anschließend wurden am Mauer-Mahnmal Kerzen entzündet. Gekommen waren auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), CDU-Partei- und Fraktionschef Frank Henkel sowie der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn.
Wowereit hatte zuvor all jenen gedankt, die "das Wunder des 9. November 1989 möglich gemacht haben". Gerade die früheren DDR-Bürgerrechtler seien mit Mut und Zivilcourage, aber auch hohem persönlichen Risiko für die Freiheit eingestanden, erklärte der SPD-Politiker.
Die Stadt habe die Chancen durch die Wiedervereinigung beherzt ergriffen, so Wowereit. "Berlin hat das Wunder des Mauerfalls eindrucksvoll mit Leben erfüllt."
Am Abend wollte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse im Mauer-Mahnmal des Bundestages ein Gedenkbuch für die Maueropfer vorstellen. Nach wissenschaftlichen Recherchen starben an der Berliner Mauer mindestens 136 Menschen durch das DDR-Grenzregime.
Der Schauspieler Armin Mueller-Stahl, der zu DDR-Zeiten gegen Verbote kämpfte, erhält an dem Jahrestag den Preis der Deutschen Gesellschaft für sein politisches Engagement. Der Preis geht jährlich an Persönlichkeiten, die sich um die deutsche und europäische Verständigung verdient gemacht haben.
Nach Massenfluchten und Protesten von DDR-Bürgern fiel am Abend des 9. November 1989 die Mauer. SED-Politbüromitglied Günter Schabowski hatte vor laufenden Kameras überraschend und fast beiläufig die Öffnung der DDR-Grenzen verkündet. Für viele ist es bis heute ein Wunder, dass die deutsch-deutsche Teilung friedlich überwunden wurde.
Berlin erinnert an Pogrome von 1938
Mit Kranzniederlegungen und Gedenkveranstaltungen hat Berlin am Mittwoch an die antisemitische Pogromnacht des 9. November 1938 erinnert. "Vor aller Augen wurden Juden gedemütigt, Geschäfte von Juden zerstört, jüdische Friedhöfe geschändet", erklärte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Tausende Menschen seien in die Konzentrationslager deportiert, viele dort ermordet worden. Der Tag bleibe bis heute ein Symbol der Barbarei. Wowereit rief dazu auf, "das aufrichtige Nachdenken mit den nachwachsenden Generationen zu teilen".
Mit einer symbolischen Aktion erinnerte der jüdische Studentenverband "Studentim" an die Opfer der Pogrome. Auf dem Kurfürstendamm beteiligten sich Studenten an der Reinigung sogenannter "Stolpersteine", die auf den Bürgersteigen an die letzten Wohnorte von NS-Opfern erinnern.
Am Abend wollte die Jüdische Gemeinde Berlin mit Wowereit und der Gemeindevorsitzenden Lala Süsskind der Opfer der Pogromnacht gedenken.
Vor 73 Jahren hatten Nationalsozialisten in ganz Deutschland Geschäfte und jüdische Gotteshäuser in Brand gesetzt, Wohnungen verwüstet und mehrere hundert Bürger ermordet oder in den Selbstmord getrieben. Die Reichspogromnacht war der Auftakt für die völlige Entrechtung der Juden in Deutschland. Allein am 10. November 1938 wurden mehr als 30 000 jüdische Jungen und Männer in Konzentrationslager verschleppt.
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