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06.11.11

Sexueller Missbrauch

Ex-Parkeisenbahner aus Verein ausgeschlossen

Im Zuge des Missbrauchsskandals bei der Parkeisenbahn in der Wuhlheide werden nun auch bei dem Müritzer Eisenbahnverein "Hei Na Ganzlin", bei dem zwei mutmaßliche Kinderschänder jahrelang aktiv waren, weitere Konsequenzen gezogen.

© Steffen Pletl
Mi§brauch von Kindern
Verwaist: Der Hauptbahnhof der Parkeisenbahn in der Wuhlheide. Die Saison ist beendet, die Missbrauchsfälle werden die Mitarbeiter allerdings noch lange beschäftigen

Steffen M., der sich wegen sexuellen Missbrauchs demnächst vor dem Landgericht Moabit verantworten muss ist, offiziell noch immer Mitglied des Vereins, der auch einen Standort in Bernau (Barnim) unterhält. Nach Angaben des Vorsitzenden André Maske soll M. demnächst ausgeschlossen werden. "Ich habe erst in dieser Woche erfahren, dass Anklage gegen ihn erhoben wurde", sagte Maske. Zwar seien in der Vergangenheit immer wieder Verdächtigungen geäußert worden. Diese hätten allerdings nicht für einen Ausschluss gereicht, so Maske. M.s damaliger Freund Tobias N., der ebenfalls wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt wurde, ist bereits aus dem Verein ausgeschlossen worden. Darüber hinaus will der Verein in Zukunft keine Kinder- und Jugendgruppenarbeit aufbauen, so wie es ursprünglich vorgesehen war. "Wir müssen jetzt erst einmal weiter aufklären", so Maske.

Wie berichtet wurden bereits zwei ehemalige Mitarbeiter der Parkeisenbahn in der Wuhlheide wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Sie hatten sich an Kindern und Jugendlichen, die bei der Parkeisenbahn als Schaffner oder Schrankenwärter arbeiteten, vergriffen. Steffen M., Tobias N. und drei weitere ehemalige Parkeisenbahn-Mitarbeiter müssen sich demnächst vor Gericht verantworten.

Steffen M. und Tobias N. traten nach Informationen von Morgenpost Online 2005 in den Verein "Hei Na Ganzlin" ein. In einer Lokomotiovhalle in Bernau, die der in Mecklenburg-Vorpommern ansässige Verein nutzt, fanden Mitarbeiter des Vereins im Mai und Juni 2010 kinderpornografisches Material sowie Aktenordner mit Fotos von Kindern und einer Art Anleitung zum sexuellen Missbrauch von Minderjährigen. Schnell gerieten Tobias N. und Steffen M. in Verdacht. Die Aktenordner wurden der Polizei übergeben. Die Staatsanwaltschaft in Cottbus konnte allerdings keine Verbindung zu den beiden Verdächtigen herstellen. Da N. wegen Besitzes von Kinderpornografie bereits 2004 und 2009 verurteilt worden war, schloss ihn die Vereinsführung dennoch aus. Gegen M. hatten die Verantwortlichen offenbar nichts in der Hand.

Dennoch ist es unerklärlich, warum zumindest Tobias N. 2005 überhaupt in den Verein eintreten durfte. Denn N.s Neigungen waren bereits damals unter einigen Mitgliedern bekannt. Immer wieder wurde er zudem mit Kindern und Jugendlichen händchenhaltend gesehen. "Ich hätte ihn damals nicht aufgenommen", sagte Maske, der erst seit Juli 2010 Vereinsvorsitzender ist. Er macht der damaligen Vereinsführung Vorwürfe, da Tobias N. sogar Mitglied des Vorstandes war. Übergriffe bei seinem Verein seien aber bislang nicht bekannt geworden, sagte Maske.

Systematischer Missbrauch

Nach Informationen von Morgenpost Online soll sich Tobias N. an mehreren Kindern und Jugendlichen der Parkeisenbahn vergangen haben. Dabei soll es auch zu Oralsex gekommen sein. Offenbar wurden die Kinder systematisch missbraucht und sollen sogar unter den Tätern herumgereicht worden sein. Mindestens ein Kind soll von mehreren der Angeklagten missbraucht worden sein.

Für Präventionsexperten steht fest, dass die Täter gezielt Eisenbahnvereine auswählten, um ihre Neigungen auszuleben. Oft fehlten – wie bei der Parkeisenbahn – die notwendigen Kontroll-Strukturen. "Jeder konnte agieren wie er wollte", sagt Marek Spitczok von Brisinski vom Projekt Berliner Jungs, das die Parkeisenbahn bei der Präventionsarbeit unterstützt. In Vereinen ohne klare Regeln, wie mit Kindern und Jugendlichen umzugehen sei, hätten die Täter leichtes Spiel. Verlassene Hallen, Reisefreizeiten und Besuche zu Hause böten den Pädophilen viele Möglichkeiten. "Grundsätzlich sollten Aktivitäten, die außerhalb des normalen Rahmens stattfinden, mit den Eltern und Vereinsverantwortlichen abgesprochen werden", so Spitczok von Brisinski.

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