Airport-Express
In DDR-Zügen zum neuen Flughafen BER
Der Airport-Express nach Schönefeld soll moderner werden. Doch die neuen Züge dürfen nicht fahren.
Von Thomas Fülling
Am 3. Juni 2012 sollte der Flughafen Berlin Brandenburg International in Schönefeld eröffnet werden. Vier Wochen vor dem großen Tag wurde die Eröffnung verschoben. Zum zweiten Mal. Denn ursprünglich sollte der BER am 30. Oktober 2011 an den Start gehen.
Wenn der neue Hauptstadtflughafen am 3. Juni 2012 in Schönefeld in Betrieb geht, dann will auch die Deutsche Bahn ihren Kunden eine neue Servicequalität bieten. Statt der arg in die Jahre gekommenen Doppelstockwaggons sollen schicke Elektrozüge zwischen der Berliner Innenstadt und dem neuen Airport pendeln – ausgestattet mit modernen Klimaanlagen und viel Platz für Gepäck. Als besonderen Service sollen die Triebwagen über elektronische Anzeigen verfügen, die den Reisenden in Echtzeit über Abflug- und Ankunftszeiten der Airlines informieren.
Einlösen kann die Bahn ihr Service-Versprechen wohl nicht. Denn die für den neuen Airport-Express (RE9) bestellten Züge vom Typ Talent2 sind zwar fast alle gebaut, doch sie stehen ungenutzt auf Abstellgleisen. Für einen Einsatz fehlt ihnen noch immer eine wichtige Voraussetzung: die Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt (EBA). Der Behörde reichen die Sicherheitsnachweise etwa zur Leistungsfähigkeit der Bremsen nicht aus.
Zwar hat das EBA Ende voriger Woche den vierteiligen Talent-2-Zügen, die in Nürnberg und im sogenannten Moselnetz fahren sollen, sein okay gegeben. Doch für die aus drei oder fünf Segmenten bestehenden Zugvarianten, wie sie in Berlin und Brandenburg zum Einsatz kommen sollen, steht die Zulassung weiterhin aus.
Ulrich Homburg, Bahn-Vorstand für den Personenverkehr, rechnet auch nicht mehr damit, die Triebwagen noch termingerecht einsetzen zu können. "Von den 170 zum Fahrplanwechsel am 11.Dezember bundesweit vorgesehenen Talent-2-Zügen werden wir vielleicht 40 tatsächlich haben", sagte er jetzt. Dies werde erhebliche Auswirkungen haben, auch auf den Regionalverkehr in Berlin-Brandenburg.
Für den hat die Bahn beim kanadischen Schienenfahrzeughersteller Bombardier insgesamt 48 Talent-2-Züge geordert. Je nach Ausführung bieten sie 160 und 300 Sitzplätze. Für den Airport-Express werden allein vier fünfteilige Züge benötigt. Wann diese geliefert werden, ist völlig ungewiss. "Mit der EBA-Zulassung für die Nürnberger Züge ist ein Präzedenzfall geschaffen. Wir setzen darauf, dass künftige Zulassungen jetzt schneller erfolgen", sagte ein Bombardier-Sprecher. Allerdings würden die Züge für Berlin auf der Auftragsliste relativ weit hinten stehen.
Der Bahn bleibt nur, bis zur Lieferung weiterhin alte Doppelstockwagen einzusetzen. Ein Großteil von ihnen wurde vor rund 30 Jahren für die DDR-Reichsbahn gebaut und zwischenzeitlich lediglich modernisiert. Viele dieser Waggons dürfen aus Sicherheitsgründen gar nicht in unterirdische Bahnhöfe wie den unter dem BER-Terminal fahren. Sie müssen nun für viel Geld nachgerüstet werden. Weiterer Nachteil: Die von Loks gezogenen Züge können nicht so schnell beschleunigen wie die Triebwagen. Ob der neue Airport ab Juni 2012 tatsächlich so schnell wie derzeit überall in Berlin beworben per Zug erreicht werden kann, erscheint fraglich.
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