Kältehilfe
Schon jetzt zu wenig Betten für Berlins Obdachlose
Mit den Mietpreisen in Berlin steigt auch der Bedarf an Notunterkünften für Obdachlose – vor allem im Winter. Betroffen sind zunehmend Familien, warnen die Organisatoren der Kältehilfe. Die Schlafplätze reichen schon jetzt nicht aus.
Marcel braucht Hilfe, er ist psychisch krank. 2010 würde der 30-Jährige gern etwas für sich tun, sich zunächst einmal wieder einen Personalausweis besorgen.
Für Obdachlose stehen in Berlin nach Darstellung von Hilfswerken zu wenige Übernachtungsplätze in diesem Winter zur Verfügung. "Wir starten bereits mit einem Defizit von 79 Betten pro Nacht in die Kältehilfe-Saison", sagte die Direktorin des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Susanne Kahl-Passoth, am Montag in Berlin. Das entspreche etwa 11.000 Übernachtungen im gesamten Winter weniger. Es seien zwar mit Hilfe der Senatsverwaltung neue Plätze geschaffen worden. An anderer Stelle seien aber Angebote eingestellt worden, hieß es.
Ein Grund für die starke Nachfrage seien die Mietpreiserhöhungen auf dem Berliner Wohnungsmarkt. Laut Kahl-Passoth betrifft diese Entwicklung auch immer mehr Familien und Alleinerziehende. Das Problem der Wohnungslosigkeit spitze sich immer mehr zu und gerade für Menschen mit Mietschulden sei es nahezu unmöglich, etwas zu finden.
Die Organisatoren der Kältehilfe fürchten, dass dieser Winter ähnlich hart wird wie in den vergangenen Jahren. Damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass Obdachlose erfrieren.
Laut der Sprecherin der Berliner Stadtmission, Ortrud Wohlwend, sei dank der Hilfsangebote seit einigen Jahren aber kein Obdachloser mehr erfroren. Einige Wohnungslose seien allerdings in kalten Nächten durch Vorerkrankungen zu Tode gekommen.
Im vergangenen Winter zählte die Kältehilfe rund 62.300 Übernachtungen. Die Saison startet an diesem Dienstag. Neben den Nachtcafés und Notunterkünften bietet die Kältehilfe auch Wärmestuben, Suppenküchen und Therapieprogramme an.
Die Hilfe wird unter anderem von der Diakonie, der Caritas, dem Deutschen Roten Kreuz und Kirchengemeinden getragen. Außerdem engagieren sich Ehrenamtliche.
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