Kunsthaus
Gericht stoppt Räumung des Tacheles
Neue Wende im Tacheles-Streit: Nachdem die ersten Kunstwerke auf der Freifläche des Kunsthauses in Berlin-Mitte abgebaut wurden, hat nun ein Gerichtsbeschluss die weitere Räumung verhindert – erst einmal.
Im Kampf um den Erhalt des Berliner Kunsthauses Tacheles haben die Künstler vor Gericht einen Erfolg erzielt. Eine am Montag begonnene Räumung der Freifläche hinter dem Kunsthaus ist per Gerichtsbeschluss gestoppt worden. Das Amtsgericht Mitte verfügte auf Antrag der Künstler, dass die Zwangsvollstreckung vorerst einzustellen ist, wie ein Gerichtssprecher am Montag mitteilte. Arbeiter hatten am Morgen bereits mehrere Metallkunstwerke abgebaut.
Nach Auffassung des Gerichts muss in einer mündlichen Verhandlung zunächst geklärt werden, auf welche Fläche sich der Vollstreckungsbescheid des Gerichtsvollziehers konkret bezieht. Daran waren schon mehrere Räumungsversuche des Tacheles gescheitert.
Der Sprecher der Künstler, Martin Reiter, sagte, die Kunst werde den Finanzmärkten nicht weichen. Um Städtebau gehe es den Investoren überhaupt nicht. Nach den Worten Reiters läuft der Betrieb normal weiter.
Künstler wehren sich gegen Zwangsversteigerung
Das Kunsthaus sowie weitere Grundstücke an der Oranienburger Straße sollen zwangsversteigert werden. Ursprünglich war die Versteigerung bereits für den 4. April angesetzt. Der Termin wurde aber kurzfristig abgesagt. Als Grund führte der Gläubiger, die HSH Nordbank, an, dass die Verhandlungen mit diversen Interessenten nicht rechtzeitig zum Abschluss hätten gebracht werden können. Ein neuer Termin steht weiter nicht fest.
Einen Tag nach der abgesagten Versteigerung verließ ein Teil der Nutzer gegen Zahlung von einer Million Euro das Gebäude. Kurz darauf wurde der Durchgang zur Freifläche hinter der denkmalgeschützten Kaufhausruine zugemauert und Teile des Areals geräumt.
Das weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannte Tacheles zieht jährlich mehrere Hunderttausend Besucher an, vor allem Touristen aus dem Ausland. Es beherbergt Ateliers, Lokale, ein Kino sowie einen Theatersaal. Die Kaufhausruine unweit des Bahnhofs Friedrichstraße war 1990 von einer Künstlerinitiative besetzt worden. Später wurden günstige Mietverträge abgeschlossen, die 2008 aber ausliefen.
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