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Berliner Hauptbahnhof

Sieben Sprengsätze am Hauptbahnhof entschärft

Am Berliner Hauptbahnhof wurden am Montagmittag sieben Brandsätze entdeckt und unschädlich gemacht. Bereits am Morgen zündete in Brandenburg an der Bahnstrecke nach Hamburg ein Brandsatz. CDU-Chef Frank Henkel sieht das "Aufrüsten der linksextremen Szene" fortgesetzt.

Der Landeschef der Berliner CDU, Frank Henkel, hat den versuchten Anschlag auf den Berliner Hauptbahnhof verurteilt. „Ich verurteile diesen Anschlagsversuch scharf. Damit setzt sich das Aufrüsten der linksextremen Szene fort“, sagte Henkel am Montag Morgenpost Online. „Das sind gezielte Anschläge auf unser Zusammenleben und unser Gemeinwohl. Diese Gewalt gegen Sachen, bei der Gefährdung von Menschen nicht ausgeschlossen ist, darf niemand verharmlosen“, sagte der CDU-Politiker. Seiner Meinung nach dürften „die Fehler aus den 70er-Jahren dürfen nicht wiederholt werden".

Am Berliner Hauptbahnhof war am Montag ein möglicherweise folgenschwerer Anschlag einer linksextremen Gruppe vereitelt worden. Unbekannte hatten an Gleisen an einer Tunneleinfahrt laut Polizei sieben Brandsätze versteckt, die Einsatzkräfte am Mittag rechtzeitig unschädlich machen konnten. Die Sprengsätze hätten wohl enormen Schaden anrichten können.

Foto: Amin Akhtar
Am Morgen hatte ein Brandanschlag in Brandenburg Signalleitungen an der Bahnstrecke nach Hamburg zerstört. Tausende Reisende und Pendler waren von Verspätungen und Zugausfällen betroffen.

Im Internet veröffentlichte eine linksextreme Gruppe ein Bekennerschreiben, in dem sie gegen den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan protestiert. Das Landeskriminalamt (LKA) Brandenburg hält das Schreiben nach einer vorläufigen Bewertung für authentisch. Nach Angaben der Bundespolizei gibt es Parallelen zwischen beiden Anschlägen.

Die Tunneleinfahrt am Hauptbahnhof liegt gut 200 Meter vom Bahnhof selbst entfernt, der nicht gesperrt wurde. Laut Bahn hatte gegen 11.45 Uhr ein Mitarbeiter bei zusätzlich veranlassten Streckenkontrollen entdeckt. Spezialisten trugen die Behälter mit brennbaren Flüssigkeiten in Tüten davon. Die Polizei will die Brandsätze nun detailliert untersuchen.

Ob weitere Brandsätze in Berlin versteckt sind, ist unklar. Die antimilitaristische Gruppe mit dem Namen Hekla schreibt in ihrem Selbstbezichtigungsschreiben von „Sabotagehandlungen an mehreren Kabelschächten“, die mit Brandbeschleunigern und elektronischen Zeitgebern die Hauptstadt in den „Pausenmodus“ legen sollten.

Der inhaftierte Soldat Bradley Manning
Foto: dpa/DPA
Der inhaftierte Soldat Bradley Manning
Die Gruppe protestiert demnach gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Sie fordert auch Freiheit für den inhaftierten US-Soldaten Bradley Manning, dem das US-Militär vorwirft, Interna an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben zu haben.

Polizeigewerkschaft zieht Vergleich zu RAF-Terror

Die Deutsche Bahn verurteilte die Anschläge scharf. „Unsere Kunden sollen nach den Bekennerschreiben für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr herhalten“, sagte der Leiter der Konzernsicherheit des Unternehmens, Gerd Neubeck. „Das sei absolut verantwortungslos.“ Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verglich die Attacken mit dem Terror der Rote Armee Fraktion (RAF) in den 70er Jahren und forderte mehr Personal für Verfassungs- und Staatsschutz.

Die Bahn geht davon aus, dass die Reparatur der Strecke Berlin-Hamburg zwischen den Bahnhöfen Brieselang und Finkenkrug bis Dienstagvormittag dauert. Verspätungen von bis zu einer Dreiviertelstunde sind aber bis zum Mittwochvormittag zu erwarten. Fernzüge wurden über Stendal und Wittenberge umgeleitet, die Fahrzeiten verlängern sich nach Bahnangaben um bis zu eine Stunde. Mehrere Regionallinien waren am Montag unterbrochen. Die Bahn setzte Busse auf diesen Linien ein.

Offensichtlich ist die Hekla-Gruppe bislang nicht in Erscheinung getreten. „Inwieweit die Gruppe bisher bekannt ist oder mit anderen Personen möglicherweise in Zusammenhang gebracht werden kann, ist derzeit völlig unklar“, sagte LKA-Sprecher Toralf Reinhardt. Ein Zusammenhang mit vergleichbaren Anschlägen sei aber nicht auszuschließen.

Hekla ist der Name eines isländischen Vulkans. Der Name eines Vulkans auf der Insel spielte nach Informationen des „Tagesspiegels“ auch eine Rolle im Bekennerschreiben zu einem ähnlichen Anschlag im Mai 2011 am Berliner Bahnhof Ostkreuz. Die Täter legten damals den S-, Regional- und Fernbahnverkehr lahm. Im Februar hatte es im Vorfeld eines Castor-Transports auch einen Anschlag auf die Bahnstrecke Oranienburg-Neustrelitz gegeben.

Mehrere Brandanschläge seit 2010

23. Mai 2011: Nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Berliner Bahnhof Ostkreuz bricht ein großer Teil des Nahverkehrs rund um die Hauptstadt zusammen. Auch im Fernverkehr kommt es zu Verspätungen. Die Polizei hält ein im Internet verbreitetes Bekennerschreiben aus der linksautonomen Szene für authentisch. Demnach will eine Gruppe mit dem Namen Hekla mit der Aktion gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr protestieren.

11. Februar 2011: Bei Oranienburg (Brandenburg) werden zwei Spreng- und Brandsätze in Kabelschächten entschärft. Sie waren beiderseits der Gleise angebracht. Die Ermittler schließen nicht aus, dass es einen Zusammenhang mit den anstehenden Castortransporten mit Atommüll ins Zwischenlager Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) gibt.

1. November 2010: Ein Kabelbrand legt den S-Bahnverkehr im Südosten Berlins teilweise lahm. Die Stromversorgung ist zeitweise unterbrochen, Signal- und Sicherungstechnik müssen repariert werden. Zu der Tat in einem Kabelschacht unweit des S-Bahnhofs Neukölln bekennt sich das Kommando „Sebastien Briard“. Briard ist der Name eines französischen Atomkraftgegners, der bei Protesten gegen einen Castor-Transport 2004 ums Leben kam. Für das folgende Wochenende ist ein Castortransport aus Frankreich ins Zwischenlager Gorleben (Niedersachsen) geplant.dpa/sei



Erschienen am 10.10.2011

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