Anwohnerstreit
Berliner Kollwitzmarkt zieht um
Nach langem Streit mit Anwohnern soll der Markt am Kollwitzplatz im nächsten Jahr ein Stück weiter an die Kollwitzstraße ziehen. Durch einen Gerichtsentscheid muss das Bezirksamt zudem einen neuen Markt-Betreiber finden.
Von Sabine Flatau
Der Markt am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg wird im kommenden Frühjahr umziehen. Nur ein Stück weiter, an die andere Seite des Platzes: an die Kollwitzstraße, zwischen Knaackstraße und Wörther Straße. Der Umzug ist wegen Bauarbeiten erforderlich. Gehwege werden saniert. Doch er könnte auch den lang andauernden Streit mit Anwohnern beenden, der sogar zu einem Gerichtsverfahren geführt hatte. Falls sich der neue Standort bewährt, "dann könnte der Markt dort bleiben", sagt der Stadtrat für öffentliche Ordnung, Jens-Holger Kirchner (Grüne).
Denn der neue Ort hat Vorteile. "An der Kollwitzstraße ist mehr Platz", so Kirchner. Der Gehweg sei breiter, man könne hinter den Ständen vorbeigehen. "Das würde die Situation entspannen", meint der Stadtrat. 2156 Quadratmeter stehen an der Kollwitzstraße zur Verfügung. Die Fläche am bisherigen Standort ist kleiner, sie beträgt nur 1950 Quadratmeter. 115 Stellplätze fallen an Markttagen weg, am neuen Ort wären es nur 95. Ein weiterer Vorteil: Die Anwohner, die sich jetzt über den Markt beschweren, sind dann nicht mehr betroffen. "Aber vielleicht gibt es dann andere, die unzufrieden sind", sagt Kirchner.
Der Rechtsstreit hat dazu geführt, dass Stadtrat Kirchner einen neuen Marktbetreiber finden muss. Das Verwaltungsgericht habe das Bezirksamt jetzt schriftlich aufgefordert, dem aktuellen Betreiber das Sondernutzungsrecht für die Fläche auf dem Kollwitzplatz zu verwehren, sagte Kirchner. "Sonst droht uns ein Zwangsgeld." Der jetzige Betreiber sei nach Meinung des Gerichts nicht in der Lage, die Auflagen zu erfüllen. Doch Kirchner will, dass der Markt weiterhin stattfindet und muss erst einen neuen Betreiber finden. Das soll bis Anfang 2012 geschehen. Noch in diesem Jahr wird es ein Interessenbekundungsverfahren geben. Vorerst werde die Erlaubnis für den Markt monatlich verlängert, sagt der Stadtrat.
Der Wochenmarkt auf dem Kollwitzplatz ist eine Touristenattraktion und wird in Reiseführern erwähnt. Mehr als 70 Händler bieten sonnabends von 9.30 Uhr bis 17 Uhr ihre Waren an. Bis zu 5000 Besucher kommen. Eine Anwohnerin klagte wegen des Lärms, den der Markt und die Aufbauarbeiten für die Stände verursachen, und weil Brandschutzbestimmungen nicht eingehalten werden. Das Verwaltungsgericht ließ den Markt weiterhin zu, verhängte jedoch Auflagen. Die Händler dürfen nicht mehr so früh aufbauen. Fluchtwege, die die Feuerwehr im Notfall nutzen kann, sind freizuhalten.
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