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16.08.11

Überfall im Grand Hyatt

Drahtzieher bricht im Poker-Prozess sein Schweigen

Im Prozess um den spektakulären Überfall auf das Poker-Turnier am Potsdamer Platz hat der mutmaßliche Drahtzieher jede Schuld von sich gewiesen. Stattdessen habe er seine Freunde von der Tat abhalten wollen.

Steffen Pletl

Zehn Tage nach der Tat stellte sich ein 21-Jähriger der Polizei und gestand die Beteiligung an dem Überfall. Auf der Suche nach den drei Komplizen stürmten schwer bewaffnete Elite-Polizisten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) Wohnungen, auch an der Kreuzung Ritter- und Alte Jakobstraße in Kreuzberg.

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Ein Jahr nach Beginn des zweiten Prozesses um den Überfall auf das Berliner Pokerturnier am Potsdamer Platz hat einer der mutmaßlichen Drahtzieher überraschend sein Schweigen gebrochen. Der 32-Jährige soll das Signal zum Losschlagen für die eigentlichen Täter gegeben zu haben.

Der Mann bestritt diesen Vorwurf am Dienstag vor dem Berliner Landgericht. Stattdessen habe er versucht, den Überfall im Hotel Grand Hyatt zu verhindern, sagte er im Prozess. Mit den vier Räubern habe er nichts zu tun gehabt. Offen ist, ob auch der Mitangeklagte aussagen wird. Der 30-Jährige soll die vier Räuber angeheuert und zum Tatort gefahren haben.

Im März vergangenen Jahres hatten die vier bewaffneten und maskierten Männer Europas größtes Pokerturnier im Grand Hyatt gestürmt. Das Quartett hatte 242.000 Euro erbeutet. Den Verbleib des Geldes konnte der mutmaßliche Hintermann nach eigenen Angaben nicht klären. Er jedenfalls habe nichts bekommen.

Der 32-Jährige hatte selbst am Turnier teilgenommen und verloren. Er schäumte vor Wut, die Chance auf den Gewinn einer Million Euro verpasst zu haben. Er erzählte einem Freund davon, der lachend sagte, „dann hol dir das Geld doch anders“.Ihm sei ein Bild durch den Kopf gegangen, wie das Geld offen herumlag wie Gemüse auf der Straße. Die Idee zu einem Überfall sei aber verworfen worden.

Der Mitangeklagte zeigte allerdings Interesse, behauptete der 32-Jährige. „Bist du bescheuert“, habe er zu seinem Kumpel am Telefon gesagt, um diesen zu stoppen. Am Tag des Überfalls ging der Angeklagte aus Interesse noch einmal ins Hyatt. Dann sei er wieder angerufen worden. „Hier ist die Hölle los, es gibt nichts zu holen, geh nach Hause“, habe er den Mitangeklagten beschworen. Der habe nur geantwortet, die vier anderen Männer seien nicht mehr aufzuhalten.

Kurz danach hörte der mutmaßliche Drahtzieher einen Knall. Er sah, wie die vier Maskierten in das Hotel stürmten. „Ich war sprachlos, schockiert und stinksauer“, empörte sich der Angeklagte. Der Mitangeklagte, ein langjähriger Freund, habe ihn beschwichtigt: „Dir passiert nichts“. Wenige Tage später klickten die Handschellen.

Mit den vier Räubern hatte der Angeklagte seiner Version nach nichts zu tun. Das Quartett im Alter von damals 19 bis 21 Jahren war in einem eigenen Prozess zu bis zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden.

Quelle: dpad/mim
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