Ägypten
Nofretete-Streit geht auch nach Revolution weiter
Ägyptens Chefarchäologe Zahi Hawas hat den Streit über die Berliner Nofretete-Büste angezettelt. Nach der Revolution verliert er nun seinen Posten. Das Gezerre um die Büste ist damit aber längst nicht vorbei.
Nofretete war die Gemahlin des Pharaos Amenophis IV., einem König der 18. Dynastie, der im 14. Jahrhundert v. Chr. über Ägypten herrschte.
Ägyptens Chefarchäologe Zahi Hawass (64), der in Deutschland durch den Streit um die Nofretete-Büste bekannt geworden ist, soll seinen Posten räumen. Das Gezerre um die Büste der Gattin von Pharao Echnaton, die das Glanzstück des Neuen Museums in Berlin ist, dürfte durch die Entlassung von Hawass als Minister für Altertümer jedoch nicht beendet sein. Seit der Revolution in Ägypten, die im Februar zur Entmachtung von Präsident Husni Mubarak führte, liegt in Ägypten Nationalismus im Trend. Hawass' Nachfolger wird von der Forderung nach der Rückgabe der Nofretete vermutlich nicht abrücken.
Die deutschen Behörden sind der Auffassung, dass die farbige Büste einst legal nach Deutschland gebracht worden ist. Sie wurde 1912 von dem deutschen Archäologen Ludwig Borchardt in Tell al-Amarna ausgegraben. Der damalige preußische Staat wurde durch sogenannte Fundteilung zum Eigentümer. Viele ägyptische Experten sind der Auffassung, Borchardt habe damals die Verantwortlichen in Kairo getäuscht.
Über die Zukunft von Hawass ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Mehrere ägyptische Archäologen und Top-Funktionäre protestierten am Montag gegen die Ernennung eines ihrer Ansicht nach nicht ausreichend qualifizierten Professors zum neuen Minister für Altertümer. Einige von ihnen schlugen vor, den erst vor wenigen Monaten geschaffenen Ministerposten wieder abzuschaffen und Hawass auf seinen alten Posten als Chef der Altertümerverwaltung zurückzuholen.
Hawass, dessen Markenzeichen ein verbeulter „Indiana-Jones-Schlapphut“ ist, soll – nachdem er von seiner Entlassung erfuhr – wütend aus seinem Büro gestürmt sein. Angeblich will er sich jetzt ausschließlich der Forschung widmen.
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