Ambulante Behandlungen
Helios-Klinik lehnt nach Razzia Patienten ab
Um ihre Ärzte vor einer drohenden strafrechtlichen Verfolgung zu schützen, wurden Hunderte ambulante Behandlungen im Helios-Kliniken verweigert. Die Konzernleitung hat sich mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit gewandt.
Wegen des Streits über die Abrechnung von Arztbesuchen in Berlin hat der Klinikbetreiber Helios die Behandlung Hunderter Patienten verweigert. Seit 22. Juni habe die Helios-Klinik in Berlin-Buch die ambulante Behandlung von rund 750 Patienten abgelehnt, sagte eine Helios-Sprecherin am Mittwoch zu Reuters. „Nur so können wir unsere Klinikärzte vor einer drohenden strafrechtlichen Verfolgung schützen“, erklärte Francesco De Meo, der Chef der Fresenius-Tochter Helios, in einem offenen Brief, der Reuters vorliegt. „Bestehende Versorgungsengpässe werden dadurch deutlich verschärft. Die Leidtragenden sind die Patienten.“
Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt wegen des Verdachts auf Abrechnungsbetrugs gegen 14 Verdächtige und hat Mitte Juni bei einer Razzia mit 150 Beamten Standorte der Helios-Kliniken in Berlin durchsucht. Sie geht dem Verdacht nach, dass Ärzte mit Approbation, aber ohne die nötige Zulassung der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin, Patienten ambulant behandelt haben. Anschließend sei dies über einen zugelassenen Arzt abgerechnet worden. Zur Schadenshöhe hat sich die Staatsanwaltschaft bisher nicht geäußert. „Wir stehen noch am Anfang der Ermittlungen“, sagte ein Sprecher.
De Meo schreibt in dem Brief an Mitarbeiter, Patienten und Geschäftspartner, dass Helios keine überhöhten Rechnungen gestellt habe. Auch seien alle Behandlungen „von qualifizierten Ärzten medizinisch korrekt durchgeführt“ worden. Die Auflage, dass nur Ärzte mit Kassenzulassung Patienten ambulant behandelten, sei „im Klinikalltag jedoch oft nicht einfach oder zeitgerecht umzusetzen“. Probleme, sich daran zu halten, entstünden beispielsweise, wenn ein zugelassener Arzt kurzfristig für eine Operation abgezogen werde, sagte die Helios-Sprecherin.
Nach der Razzia vor rund zwei Wochen habe sich Helios entschieden, nur noch Ärzte mit Kassenzulassung zu den Patienten zu schicken, erklärte die Sprecherin. Wenn dies etwa aus logistischen Gründen nicht möglich sei, müsse die Klinik die ambulante Behandlung von Patienten ablehnen. Helios gehört zusammen mit Rhön-Klinikum und Asklepios zu den größten privaten Klinikbetreibern in Deutschland.
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