U-Bahn-Gewalt
Körting fordert Alkoholverbot in allen Bahnhöfen
Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) will Gewalt und Verwahrlosung auf öffentlichen Plätzen eindämmen. Darum soll der Alkoholkonsum auf Bahnhöfen in der Hauptstadt verboten werden.
Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat sich für ein striktes Alkoholverbot auf allen Berliner Bahnhöfen ausgesprochen. Der Konsum von Alkohol habe in öffentlichen Verkehrsmitteln nichts zu suchen, sagte Körting Zeitung „Bild“. "Alkohol enthemmt, führt zu Streitereien und Schlägereien. Zum anderen verwahrlost der öffentliche Raum. Bierflaschen liegen herum, werden zerdeppert, sind eine Verletzungsgefahr", begründete der Senator seinen Vorstoß. Deshalb habe er seine Mitarbeiter gebeten, mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) über eine entsprechende Änderung der Hausordnung zu sprechen.
Bisher ist der Verzehr von Getränken und Essen nur in Bahnen und Bussen verboten. Körting verwies darauf, dass künftig 200 BVG-Mitarbeiter zusätzlich eingesetzt würden, um das Hausrecht und die Beförderungsbedingungen stärker durchzusetzen.
Vorbild ist Hamburg. Dort darf ab September nicht mehr in der Bahn getrunken werden . Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) führt dann ein generelles Alkoholverbot für S- und U-Bahnen ein. Experten fordern dies auch für Berlin.
Der BVG-Aufsichtsratsvorsitzende, Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos), und BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta halten aber nichts von einem absoluten Alkoholverbot. „Laut Hausordnung und Tarifbedingungen können wir schon heute Leute, die sich nicht angemessen verhalten, aus Bahnen und Bahnhöfen verweisen“, sagte Nikutta am Freitag. „Das machen wir auch und werden es künftig häufiger machen, wenn wir wieder eine größere Personalpräsenz haben. Ich sehe keinen Grund, die Hausordnung zu ändern.“
Unterstützung erhielt Nikutta vom Finanzsenator. „Wer sich nicht ordentlich benimmt, hat auf den Bahnhöfen nichts zu suchen. Da hat der Kollege Körting auch alle Möglichkeiten, Polizei zu schicken“, sagte Nußbaum. Aus seiner Sicht haben Probleme mit Alkoholgenuss auf Berliner Bahnhöfen noch nicht die Stufe erreicht, in der drastische Maßnahmen notwendig wären.
Die BVG-Chefin meinte, im Fall eines absoluten Alkoholverbots müsste auch das Feierabendbier, das schon auf dem Bahnhof genossen wird, verboten werden. In weiterer Konsequenz würden dann vielleicht auch Kontrollen notwendig, ob scheinbare Wasser- und Limonadenflaschen nicht Alkohol enthalten.
In den vergangenen Monaten ist es auf den Bahnhöfen und in öffentlichen Verkehrsmitteln der Hauptstadt mehrfach zu Gewaltexzessen gekommen.
In diesem Zusammenhang wurde auch über die Einführung eines sogenannten Warnschussarrests für Jugendliche diskutiert. Er würde eine auf Bewährung verhängte Jugendstrafe mit einem Arrest kombinieren.
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